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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Havre de Grace

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Havre de Grace

Delavigne, von David d'Angers. H. hat einen Gerichtshof erster Instanz, zwei Friedensgerichte, eine Handelskammer und Handelsgericht, eine Zolldirektion, Konsulate aller Staaten; ferner an Bildungsanstalten: ein Lyceum, eine hydrogr. Schule mit Sternwarte, Handels- und Gewerbeschule, städtische Bibliothek (fast 30 000 Bände), ein Museum für Kunst, Altertümer und Naturgeschichte sowie mehrere wissenschaftliche Vereine, ein prot. Konsistorium und eine Synagoge, sowie 4 km von der Stadt stark besuchte Seebäder von Ste. Adresse. Der Hafen, dessen 75-100 m breiter Eingang 240 m lang ist und der 500 Schiffe faßt, hat einen großen Vorhafen und zwei Leuchttürme und ist durch zwei Forts und mehrere Küstenbatterien befestigt. Er besteht aus neun gesonderten Bassins, von denen das 1846-56 angelegte 21 ha große der Eure und das 1888 eröffnete Bassin Bellot von 1050 m Länge, 220 m Breite und mit Quais in einer Ausdehnung von 2800 m die schönsten sind. (S. nachstehenden Situationsplan.) Der günstigen Lage an der Mündung der großen Wasserstraße von und nach Paris sowie der Vortrefflichkeit des Hafens (außer Cherbourg der einzige großen Schiffen vollkommen zugängliche an der Nordküste) verdankt die Stadt ihre gegenwärtige Bedeutung, die durch regelmäßigen Dampfbootverkehr mit Honfleur, Trouville, Caen, Dünkirchen, Brest, Morlaix, Cherbourg, Bordeaux, Antwerpen, Lissabon, Rotterdam, Hamburg, London, Liverpool, Southampton, Glasgow, Swansea, Bristol, Kopenhagen, Petersburg, Konstantinopel, Odessa, Brasilien, Montevideo, Buenos-Aires, Neuyork, Neuorleans, Mexiko, Canada sowie durch Verbindungen mit den franz. Kolonien gefördert wird. Erweiterungsbauten des Hafens werden geplant. Zugleich ist es ein wichtiger Platz für Auswanderer geworden. Die Gesamteinfuhr von (1891) 2086 Mill. kg setzt sich vornehmlich zusammen aus amerik. und ostind. Baumwolle (137,96 Mill. kg), Wolle (11,02 Mill. kg) und Häuten meist aus Argentinien, Farbhölzern aus Westindien (88,34 Mill. kg), Cedern-, Mahagoni-, Ebenholz u.s.w., sowie Bauholz, Kaffee aus Brasilien, Haïti u. s. w. (84,55 Mill. kg), Kakao (230 000 Säcke), Pfeffer, Indigo, Hörnern, Kautschuk, Schmalz, Steinkohlen (598 Mill. kg), Weizen (556 Mill. kg), Petroleum, Reis, Kupfer und Wein. Die Gesamtausfuhr betrug 597,93 Mill. kg. Die wichtigsten Artikel sind: Kartoffeln (10,5 Mill. kg), Butter (4,6), feine Öle (2,01), Ölkuchen (10,85), Farbholzextrakte (9,07), seidene (1,24), baumwollene (8,24), wollene Gewebe (5,76 Mill. kg), Möbel für 4,94 Mill. Frs., Modeartikel für 6,70 und Kunstgegenstände für 4,31 Mill. Frs. 1892 liefen 6012 Schiffe mit 2,6i Mill. t. ein, darunter 3638 franz. Schiffe in Küstenfahrt. In großer Fahrt liefen mit Ladung 1912 Dampfer ein mit 1,81 Mill. t. Die eigene Flotte von H. zählt 194 Dampfer und 167 Segler. Auch die Flußschiffahrt nach Paris u. s. w. ist sehr lebhaft. Neben dem Handel bestehen Zucker- und Petroleumraffinerie, mehrere chem. Fabriken, eine Glasfabrik, Ziegelei, Brauerei, Färberei, Baumwollspinnerei und Weberei, Mühlen, ferner Kupfer- und Eisenschmelzerei, Ankerschmieden, Maschinenbau, mechan. Holzsägerei und Schiffbau auf drei Werften.

Franz I. gründete 1517 an der Stelle des unwichtigen röm. Constantia Castra und in der Nähe einer Kapelle der Notre-Dame de Grâce die Ville Françoise, welche von jener Kapelle ihren Beinamen erhielt. Der Ort ward mehrmals, zumal in der ersten Hälfte des 18. Jahrh., von Sturmfluten heimgesucht. 1562 überlieferten die Protestanten die Stadt den Engländern, 1564 wurde sie wiedergenommen, aber später von den Engländern mehrmals, besonders 1694 und 1759, bombardiert. Durch Richelieu und Vauban wurde der Hafen den größten Schiffen zugänglich gemacht. Schon 1572 war H. ein bedeutender Handelsplatz und schickte Schiffe nach Neufundland und Spitzbergen auf den Stockfisch- und Walfischfang aus. Ludwig XVI. und später auch Napoleon I. förderten die Stadt durch Erweiterung des Hafens u. s. w. Sie war auch Sitz einer ind. Compagnie, die 1643 eine Handelsstation auf Madagaskar gründete, und später einer Senegal-Compagnie, die ein Comptoir am Senegal anlegte. H. ist auch Geburtsort des Paläographen Léon Gautier, des Dramatikers Ancelot und des Romanschriftstellers Scudéry.

Vgl. Borély, Historie de la ville du H. et de son ancien gouvernement (3 Bde., Havre 1880-81); ders., Historie de la ville du H. de 1789 à nos jours (2 Bde., ebd. 1884-85); Braquehais, Havre-Guide. Description de la ville et des environs (ebd. 1888); C. de Cordemoy, Le H. et les Ports de la Seine (Par. 1888).

^[Abb.: Havre (Situationsplan).]

Havre de Grace (spr. haw'r dě graß), Ort im County Hartfort des nordamerik. Staates Mary-^[folgende Seite]