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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Hay; Hayange; Hayden; Haydn

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Hay - Haydn (Joseph)

der russ. Regierung das Innere Rußlands. H. war 1847 und 1848 Mitglied des Vereinigten Landtags, dann Mitglied der preuß. Ersten Kammer. In den letzten Jahren seines Lebens bewohnte er das Schloß Thienhausen bei Steinheim. H. starb 31. Dez. 1866 zu Hannover. Er veröffentlichte «Die Agrarverfassung und ihre Konflikte» (Bd. 1, Berl. 1829), «Die ländliche Verfassung der Provinzen Ost- und Westpreußen» (Königsb. 1839), «Studien über die innern Zustände, das Volksleben und insbesondere die ländlichen Einrichtungen Rußlands» (3 Bde., Hannov. 1847‒52), «Sammlung geistlicher Volkslieder» (Paderb. 1851), «Die Kriegsmacht Rußlands» (Berl. 1852), «Transkaukasia» (2 Bde., Lpz. 1856), «Die ländliche Verfassung Rußlands» (ebd. 1866) und «Das konstitutionelle Princip» (2 Bde., ebd. 1864).

Hay (spr. heh), Bezirk im brit. West-Griqualand in Südafrika, hat 17212 qkm und (1891) 8443 E., darunter 3487 Weiße, 560 Bantuneger und 4396 Hottentotten.

Hayange (spr. äĭángsch’), Stadt in Lothringen, s. Hayingen.

Hayden, Thal, s. Ampezzo.

Hayden (spr. hehd’n), Ferd. Vandeveer, amerik. Geolog, geb. 7. Sept. 1829 zu Westfield in Massachusetts, wanderte früh nach Ohio aus, studierte auf der Oberlin-Universität und promovierte 1853 als Arzt im mediz. College zu Albany in Neuyork. Im Frühjahr 1853 machte er eine Entdeckungsreise nach den Bad Lands im Territorium Dakota, und 1854‒56 reiste er an den obern Missouri. Von beiden Reisen brachte er wertvolle Sammlungen von Fossilien heim. Er wurde 1859 zum Geologen der unter Führung des Lieutenants Warren nach dem Nordwesten unternommenen Entdeckungsreise ernannt und blieb bis 1862 bei ihm. H. trat beim Ausbruch des Bürgerkrieges (1862) als Arzt in die Armee und war 1865‒72 Professor der Geologie und Mineralogie an der Universität von Pennsylvanien. Auch eine dritte Reise, die er während dieser Zeit (1866) im Auftrag der Pennsylvanischen Akademie der Wissenschaften an den obern Missouri unternahm, war äußerst erfolgreich. Die Regierung der Vereinigten Staaten ernannte ihn 1867 zum Chef der geolog. Aufnahme der westl. Territorien; der ursprüngliche Name «Geological Survey of the Territories» wurde 1873 durch den Zusatz «and Geographical» erweitert, weil seit jener Zeit auch topogr. Aufnahmen gemacht wurden. 1878 erreichten diese Arbeiten ihr Ende. Das Forschungsgebiet der H.schen Expedition lag in Wyoming (hier der Yellowstone mit seinen Geysirn), Utah, Idaho und Colorado. H. starb 22. Dez. 1887 zu Philadelphia. Über seine zahlreichen und wichtigen Publikationen vgl. Wagner, Geogr. Jahrbuch (Gotha 1888).

Haydn, Joseph, Tondichter, geb. 31. März 1732 in dem Dorfe Rohrau auf der Grenze von Ungarn und Österreich als Sohn eines armen Wagners, besuchte die Schule in Hainburg. Hier lernte ihn der kaiserl. Kapellmeister von Reuter kennen, der ihm eine Anstellung als Chorknabe in der Stephanskirche zu Wien verschaffte. Bereits im 11. Jahre versuchte sich H. in 16stimmigen Kompositionen. Zugleich mit seinem herrlichen Sopran verlor er jedoch im 16. Jahre seine bisherige Stelle. Er gab nun Unterricht, spielte im Orchester mit, beschäftigte sich mit der Komposition und erwarb sich auf diese Weise notdürftigen Lebensunterhalt. Zu gleicher Zeit studierte er mit Sorgfalt die sechs ersten Sonaten von K. Ph. E. Bach, die ihm zufällig in die Hände fielen. Seine Lage blieb indes mißlich, bis er das Glück hatte, einem Fräulein von Martinez, die bei Metastasio lebte, Unterricht im Gesang und Klavier erteilen zu können. Dann wurde er mit Porpora bekannt, der ihn in seinen Singstunden zum Begleiten auf dem Klavier gebrauchte und dem er selbst niedere Dienste leistete, nur um dabei von ihm in Gesang, Komposition und ital. Sprache etwas zu lernen. Später nahm sich seiner ein Friseur in der Leopoldvorstadt an, mit dessen Tochter er später in unglücklichster Ehe lebte. H. war 18 J. alt, als er sein erstes Quartett komponierte, das allgemeinen Beifall erhielt, obschon strenge Theoretiker daran vieles zu tadeln hatten. Nach kürzerm Aufenthalt beim Baron von Fürnberg wurde H. Organist bei den Karmelitern in der Leopoldvorstadt. Vom Schauspieler Kurz aufgefordert, komponierte er den «Hinkenden Teufel», eine Oper, die ihrer satir. Tendenz wegen nach der dritten Vorstellung verboten wurde. 1759 wurde H. Musikdirektor beim Grafen Morzin, worauf ihn 1760 der Fürst Esterházy an die Spitze seiner Hauskapelle berief. Für diesen setzte H. die Mehrzahl seiner schönen Sinfonien und den größten Teil seiner herrlichen Quartette sowie sehr viele Stücke für das Bariton. H. blieb in dieser angenehmen, aber bescheidenen Stellung bis zum J. 1790, wo der Fürst Nikolaus Esterházy starb. Schon ein Jahrzehnt vorher hatte sein Ruf begonnen sich ins Ausland zu verbreiten; den Anstoß dazu gab besonders das «Stabat mater» von 1773. Die Pariser Konzertinstitute bestellten Sinfonien von H., auch in England spielte und liebte man seine Werke. Als sich H. 1791, dem Andrängen des Violinisten und Konzertunternehmers Salomon folgend, persönlich nach London begab, fand er dort eine glänzende Aufnahme, die ihn 1793 zu einer zweiten Reise veranlaßte. Die künstlerischen Hauptfrüchte dieser engl. Reise sind die sog. 12 Londoner Sinfonien, die reifsten Arbeiten, die wir von ihm auf diesem Gebiete besitzen, und die beiden Oratorien «Schöpfung» und «Jahreszeiten». Denn obwohl diese Werke erst in Wien in dem Mariahilfer Gartenhaus, das der Komponist bis zu seinem Tode bewohnte, geschrieben wurden, die «Schöpfung» 1795‒98, die «Jahreszeiten» 1799‒1800, sind sie doch auf engl. Anregungen, namentlich auf die glänzenden Aufführungen Händelscher Oratorien, die H. in London kennen lernte, zurückzuführen. Auch die Texte stammen von engl. Dichtern. Eine Festaufführung der «Schöpfung» im Dez. 1808 war die letzte musikalische Freude, die dem alten Meister in Wien bereitet wurde. H. starb 31. Mai 1809 im Augenblick, da die österr. Kaiserstadt unter dem Schrecken der anziehenden Franzosen stand. Sein Marmorstandbild (von H. Natter) steht seit 31. Mai 1887 in Wien in der Gegend von Mariahilf; sein Geburtshaus in Rohrau bezeichnet eine Gedenktafel.

Die (Gesamtsumme seiner Kompositionsthätigkeit umfaßt über 150 Sinfonien, 83 Quartette, 24 Trios, 19 Opern, 5 Oratorien (mit Einschluß der bekannten «Sieben Worte des Erlösers am Kreuze»), 163 Stücke für das Bariton, 24 Konzerte für verschiedene Instrumente, 15 Messen, 10 kleinere Kirchenstücke, 44 Klaviersonaten mit und ohne Begleitung, 12 deutsche und ital. Lieder, 39 Kanons, 13 drei- und vierstimmige Gesänge, die Harmonie und das Accompagnement zu 365 altschott. Liedern und außerdem eine große Anzahl Divertimenti, Phantasien und vierstimmige Stücke für Instrumente. Eine