Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

924
Hebburn - Hebel (physikalisch)
lerischen Harmonie. Alier er ist Grabbe weit über-
legen dnrch seinen gewaltigen dichterischen Ernst;
auch trägt er den Ansprüchen der Bühne jederzeit
Rechnung. Eine vergrübelte Natur, wählt er zu
semen Stössen gern die schwierigsten seelischen Pro-
bleme; nicht immer gelingt ihm die Lösung; nirgend
scheut er das Schroffe und Verletzende; überall aber
zeigt er soviel originell schöpferische Kraft, fo schar-
fen Kunstverstand, fo große und kühne Intentionen,
ein so energisches und packendes Gepräge des Aus-
drucks und eine so sichere Konsequenz des dramat.
Aufbaues, daß man ihn unsern genialsten Drama-
tikern zuzählen mnß. Den höchsten künstlerischen
Wert dürften unter seinen Dramen "Maria Magda-
lena" und "Herodes und Mariamne" beanspruchen.
H.s Lustspiele "Der Diamant" (l847) und "Der
Nubin" (1851) erinnern an die romantischen Ko-
mödien im Tieckschen Stile und an die Märchen-
dramen Ohlenschlä'gers. Seine lyrischen Gedichte
(Gesamtausgabe, Stuttg. 1357) sind reicher an
Ideen, Anschauungen und Bildern als an lyrischen
Schönheiten, seine Sonette und Epigramme gedan-
kenreich, aber oft von paradoxer, herber Form. In sei-
nem kleinen Epos "Mutter und Kind" (Hamb. 1850)
behandelte er einfache, allgemein menschliche Motive
in dichterisch wohlthuender Weise. Auch seine pro-
saischen Erzählungen zeigen einen ganz eigenartigen
dichterischen Charakter:'die Neigung zum Krassen
und Schrecklichen wechselt in ihnen mit drolligen!,
bizarrem Humor. Gesamtausgaben von H.s Werken
besorgten E. Kuh (12 Bde., Hamb. 1866-08) und
H. Krumm (12 Bde., ebd. 1892). Seine "Tage-
bücher" (2 Bde., Verl. 1885 - 87) und seinen
"Briefwechsel mit Freunden und berühmten Zeitge-
nossen" (2 Bde., ebd. 1890-92) gab F. Vamberg
heraus. - Vgl. E. Kuh, Biographie Friedr. H.s
(2 Bde., Wien 1877); Kulke, Erinnerungen an
Friedr. H. (ebd. 1878).
Hebburn (spr. -born), Stadt in der engl. Graf-
schaft Durham, rechts am Tyne, unweit feiner
Mündung in die Nordsee, hat (l89l) 16638 E. und
bedeutende Kohlcnausfuhr.
Hebdeu-Vridge (spr. hebbd'n brldsch), Stadt
in der engl. Grafschaft Dork, im Weft-Riding, west-
lich von Halifar, unweit des Caldcr fchön gelegen, hat
(1891) 6658 E., Vanmwollfpinnerei, Eifengiefterei
und Färberei. In der Nähe Steinbrüche.
Hebdomadal (vom grch. IikdäömN8, d. i. eine
Anzahl von sieben), wöchentlich; .Hebdomada-
rlus, einer der den Wochendienst hat, Wöchner
(besonders von Geistlichen und Lehrern).
Hebe, Name des 6. Planetoiden.
Hebe, bei den Römern mit Iuventas (s. d.)
gleichgestellt, Göttin der Jugend, war die Tochter
des Zeus und der Hera und die Mundschenlin der
Götter im Olymp. Nachdem Heralles unter die
Unsterblichen aufgenommen worden war, wnrde sie
dessen Gemahlin und gebar ihm nach Apollodor
zwei Söhne, Aleriares und Aniketos. Mit der Zeit
wurde im Volksglauben H. als Mundschenkin im-
mer mehr durch Ganymed verdrängt, infolge des
Nmstandes, daß die heroifche Sitte, wonach Iung-
srauen den Nein kredenzten, zurücktrat und dafür
gebräuchlich ward, sich von Knaben beim Sympo-
sion bedienen zu lassen. H. wurde auch als Göttin
verehrt; namentlich in Silyon und Phlius, wo sie
auch Dia oder Ganymeda hieß; in Athen waren
ihr und dem Heralles Altäre errichtet. In Argos
stand eine Statue der H. (von Naukydes gesenigl)
neben der thronenden H. des Polyklet. Häufig ist
sie auf antiken Vafen und Reliefs dargestellt, na-
mentlich ihre Hochzeit mit Herakles. In neuerer
Zeit haben Canova (Museum in Berlin) und Thor-
waldsen (Mnsenm in Kopenhagen) Statuen der H.
geschaffen. Sie wird durch Kanne und Trinkschale
gekennzeichnet. - Vgl. Kekuls, Hebe (Lpz. 1867).
Hebeapparate, Hebezeuge oder auch Hebe-
maschinen, die zur Förderung von Lasten in ver-
tikaler oder in vertikaler und horizontaler Richtung
dienenden Vorrichtungen, und zwar erfolgen in
lctzterm Fall die Vertikal- und die Horizontalbewe-
gung entweder gleichzeitig oder nacheinander. Die
H. sind für die gesamte technifche Praxis von größ-
ter Vedeutuug und finden für die verfchiedensten
Zwecke sowohl in einfachster als in maschinell höchst
vollkommener Form Verwendung. Schon von den
alten Ägyptern sind H. in ihrer einfachsten Form
als Rollenzüge und Winden zum Bau der Pyra-
miden verwendet worden, wie auch von den Grie-
chen und Römern folche bei der Errichtung ihrer
Prachtbauten benutzt wurden. Im Laufe der Zeit
ist die Verwendung der H. eine immer ausgedehn-
tere geworden; infolgedessen haben diese Maschi-
nen eine immer vielseitiger ausgebildete Form er-
halten und namentlich in neuerer Zeit sind dieselben
durch Benutzung der Dampf- und Wasserkraft spe-
ciell für die Hebung größerer Lasten in hohem Grade
vervollkommnet worden. Mit Rücksicht auf die ver-
fchiedenen charakteristischen Ausführungen der H.
unterfcheidet man: Hebeladen, Flaschenzüge,
Winden, Aufzüge, Krane, Elevatoren
(f. die Einzelartikel). - Vgl. Uhland, Die H. (2 Tle.,
Jena 1882-83); Riedler, Personen- und Lasten-
aufzüge und Fördermaschinen (Wien 1877); Ernst,
Die Hebezeuge (2 Bde., Verl. 1883); Rühlmann, All-
gemeine Maschinenlehre, Bd. 4 (2. Aufl., Lpz. 1888).
Hebebrmmen, s. Wasserversorgung.
Hebedaumen, s. Daumen.
Hebeifen, Brechstange, Brecheisen, in
Süddeutschland und Österreich auch Beiß er ge-
nannt, eine zum Heben von Steinen u. s. w. dienende
eiserne Stange von etwa 1,5. in Länge; sie ist am
untern Ende zu einer Schneide ausgeschmiedet, die
unter den zu bebenden Gegenstand geschoben wird.
Hebekasten (^oli^no), ein zu den Belagerungs-
maschinen des Altertums gehörendes, einem Brun-
nenschwengcl ähnliches Gerüst, an dessen einem
Ende ein Korb oder Kasten einige Soldaten auf-
nahm, die alsdann durch Herabziehen des andern
Endes möglichst so hoch gehoben wurden, daß sie
die Verhältnisse auf der Mauer des Verteidigers
überfehen und in die belagerte Stadt blicken konnten.
Hebel, Teil der Pferdezänmung, s. Gebiß.
Hebel, cin starrer um eine Achse drehbarer
Körper, an dem gewöhnlich zwei entgegengesetzt
drehende Kräfte, meist in einer zur Achse senkrechten
Ebene, angreifen. Zieht man von der Achse auf die
Richtungen der Kräfte Senkrechte, so heißen die Pro-
dukte aus den Maßzahlen der Senkrechten und dcr
zugehörigen.Kräfte die stati schen M oment e. Im
Fall des Gleichgewichts sind die Momente gleich,
d.h. eine Kraft von zehnmal größerm Achfenabstand
hält der zehnfachen Kraft in dem einfachen Abstand
das Gleichgewicht. Hieraus ergiebt sich der Vorteil
der Anwendung des H., wo es sich darum handelt,
mit kleinen zur Verfügung stehenden Kräften große
Widerstände zu überwinden. An Arbeit (s. d.) wird
hierbei jedoch nichts gewonnen, indem die am langen