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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hebungssysteme - Hechtdorsch
ziehen sich, abgesehen von ziemlich eng begrenzten
derartigen Vorgängen infolge vulkanischer Thätig-
keit oder bei Erdbeben, überaus allmählich und lang-
sam. Daher nennt man sie säkulare Niveau-
verschiebungcn. Dieselben sind am leichtesten
nachweisbar an der Küste des Meers, wo die von
ihnen bedingten Veränderungen der Strandlinien
die sichersten Anhaltspunkte zu ihrem Studium
geben. Da es in den allermeisten Fällen durchaus
unsicher ist, ob eine Verschiebung der Strandlinie
durch Hebung oder Senkung des Üandes oder durch
Veränderlichkeit des Meeresspiegels bedingt ist,
und da die Versuche der wissenschaftlichen Erklärung
des Phänomens noch in keiner Weise zu unum-
stößlicher Sicherheit der Erkenntnis geführt haben, ist
es zweckmäßig, mit Sueh die Bezeichnung Hebung
und Senkung zu ersetzen durch die bessere: positive
und negative Niveauverschiebung, wobei
in Übereinstimmung mit der Messung der Pegel-
stände der Landverlust als positiv, der Landgewinn
als negativ bezeichnet wird. Bei letzterm Vorgang
wächst der Küstensaum in die Breite, Hafenplätze
werden landeinwärts geschoben, Korallen- und
Austernbänke trocken gelegt; bei positiver Senkung
hingegen senken sich die Ufer unter den Meeres-
spiegel, unter dem Waldungen, Torfmoore und
Wohnstätten der Menschen verschwinden. An fel-
sigen, steilen Küsten läßt der Ocean bei negativer
Verschiebung Strandlinien zurück, die langsam
bis zu einer Höhe von mehrern hundert Metern
emporgehoben werden. An der norweg. Küste finden
sich derartige Beweise für folche Vorgänge in ver-
schiedenen Niveaus übereinander bis zu 200 m
Mecreshöhe. Die schwed. Küste nördlich von Karls-
krona verschiebt sich negativ etwa 1,.^ m im Jahr-
hundert. Auch Schottland ist von solchen alten
Meeresterrassen umgürtet. Anzeichen negativer
Verschiebungen hat man an vielen Küsten nachge-
wiesen, ebenso solche für positive; doch sind letztere
der Natur der Sache nach schwerer aufzufinden, da
sie eben vom Wasser bedeckt sind. Sicherlich befin-
det sich die deutsche Küste der Ost- und der Nordsee
im Zustande positiver Verschiebung. Ein Teil
Hollands, und zwar nicht weniger als 14 760 ^km,
liegt bereits unter dem Niveau des Meers, dessen
Eindringen nur durch künstliche Bauten abgehalten
wird; wurde doch der größte Teil vom Areal des
Zuidersees erst im 13. Jahrh, von den Fluten bedeckt.
- Vgl. Hahn, Untersuchungen über das Aufsteigen
und Sinken der Küsten (Lpz. 1873); Sueß, Das
Antlitz der Erde, Bd. 1-2 (Wien 1883-88).
Hebungssysteme. Unter Voraussetzung der
Gleichalterigteit aller Gebirgsketten von parallelem
Verlaufe betrachtete man früher besonders nach dem
Vorgange Elie de Beaumonts den Inbegriff aller
vermeintlich gleichalterigen Gebirge als ein einheit-
liches Hebungssystem, eine Anschauung, die gänz-
lich aufgegeben worden ist. (S. Gcbirgsbildung.)
Heca..., Artikel, die man hier vermißt, sind
unter Heka... zu suchen.
Hechel, Hechelmaschine, Hechelprozeh, s.
Flachsspinnerei (Bd. 6, S. 859 d).
Hechingen. 1) Oberamt im preuh. Reg.-Bez.
Sigmaringen, hat 236,34 ^m, (1890) 19825(9372
männl., 10453 weibl.) E., 1 Stadt und 26 Land-
gemeinden. - 2) Oberamtsstadt im Oberamt H., bis
1850 Haupt- und Residenzstadt des Fürstentums H.,
2 km nördlich von dem Kegelberge (866 m) mit dem
Echloß Hohenzollern (s. d.), in 470 m Höhe, an der
Starzel und der Linie Tübingen-Sigmaringen der
Württemb. Staatsbahnen, ist Sitz des Obemmtes,
eines Landgerichts (Oberlandesgericht Frankfurt
a. M.) mit 5 Amtsgerichten (Gammertingen, Haiger-
loch, Z., Sigmaringen, Wald) und eines Amts-
gerichts und hat (1890) 3743 E., darunter 621 Evan-
gelische und 285 Israeliten, Postamt erster Klasse
mit Zweigstelle, Telegraph; drei kath. Kirchen, dar-
unter die interessante Klosterkirche St. Lutzen in
Frührenaissance und die Stadtkirche (1783) mit
Reliefbild des Grafen Eitelfriedrich und seiner Ge-
mahlin Magdalene von Brandenburg von Peter
Bischer, ferner eine kleine, sehr schöne evang. Kirche,
1855-57 im Spitzbogenstil nach Stülers Entwürfen
auf königl. Kosten ervaut, Synagoge, alten Stadt-
turm, altes Rathaus (1450), Marmordenkmal der
Fürstin Eugenie an der von ihr gestifteten Kinder-
bcwahranstalt, Realschule, höhere 3)iädchen-,Frauen-
arbeitsschule, zwei Hospitäler; Strickgarnfabrik,
Buntweberei, Baumwollfärbereien, Tricotwebereien
und Schäftefabrik. Die Badeanstalt wird durch eine
Leitung aus den 21cm entfernten, 1835 entdeckten
salinischen Schwefelquellen (1(/0.) gespeist; außer-
dem werden Sol-, Fichtennadel- und Dampfbäder
gegeben. An der Südseite der Stadt die Villa
Eugenia, sürstl. Schloß mit Garten und Gewächs-
häusern ; 7 km entfernt das fürstl. Lustschloß Lindich.
Hechsen, s. Hessen (Sprunggelenk).
Hecht, Fisch, s. Hechte.
Hecht, Wilhelm, Holzschneider und Radierer,
geb. 28. März 1843 in Ansbach, bildete sich in
Nürnberg und 1860-63 bei Weber in Leipzig zum
Holzschneider aus. In München machte er sich selb-
ständig und begann auch mit Erfolg zu radieren.
1884 wurde er als Professor der Holzschneidekunst
an die Kunstschule nach Wien berufen, besorgte
gleichzeitig die xylographische Ausführung des
großen Illustrationswerkes des Kronprinzen Rudolf
und leitet dort die Xylographische Anstalt der Hof-
und Staatsdruckerei. Für die Wiener Gesellschaft
für vervielfältigende Kunst hat er sowohl vorzügliche
Holzstiche als auch zahlreiche Radierungen geliefert.
Von letztern sind zu erwähnen die Blätter aus der
Galerie Schack, die meisterhafte Stichradierung nach
Jan Scorels Obervellacher Altarbild, die Radierun-
gen nach Murillo, Rubens, van Dyck, Flinck,
Kaulbach, teils im Galeriewert der Gesellschaft, teils
in den "Graphischen Künsten". Auch das Berliner
Galeriewerk enthält tüchtige Radierungen H.s; eine
Anzahl großer Blätter (meist Porträts nach Len-
bach) gab Aumüller in München heraus. Als Ori-
ginalarbeiten in Holzschnitt sind zu nennen die Bild-
nisse des Kaisers Wilhelm I., des Kronprinzen Fried-
rich Wilhelm und des Kaisers Franz Joseph. Für die
"Vervielfältigende Kunst der Gegenwart" (Wien
1889 fg.) schrieb H. den Artikel über den modernen
Holzschnitt in Deutschland.
Hechtbarsch, soviel wie Sander (s. d.).
Hechtdorsch (Nsrwecius), Gattung aus der
Familie der Schellfische mit zwei Arten in den nördl.
gemäßigten und kältern Gewässern (bis zum 62."
nördl. Br.) und einer dritten an der Küste von Chile.
Der gemeineH. (NsriucciuZ vuiAHi-18 F^emminF),
Seehecht, Kalmul, wird bis zu 1 m lang, ist oben
braungrau mit schwarzen Punkten, unten silberweih.
Das Maul ist innen schwarz. Der Fisch ist sehr ge-
fräßig und räuberisch und decimiert im Mittelmeer
und an der atlantischen Küste Frankreichs und des
südl. England die Anchovis und Pilcharde. Sein
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