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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Heer der Seligmacher; Heereman-Zuydwyk; Heeren; Heeresältester; Heereskrankheiten

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Heer der Seligmacher - Heereskrankheiten

aber mit der hohen Buße von 60 Solidi gestraft wurde, so wurde der H. eine der Ursachen, die im 8. und 9. Jahrh. die kleinen und mittlern Grundbesitzer vernichtete und in die Abhängigkeit von geistlichen Stiftungen und großen Herren trieb, welche die Heerfahrt mit Scharen von bewaffneten Knechten leisteten und von dem Könige als Entschädigung Land und Leute zu Lehn erhielten. Um 900 hatte der H. fast alle Bedeutung verloren. Das Aufgebot des Heers wurde ein Aufgebot der lehntragenden Vasallen (s. d.). Dies Schwinden des H. ist ein wichtiger Teil der Entwicklung, durch die der Unterthanenverband des Fränkischen Reichs zerstört und durch den Lehnsverband ersetzt wurde. (S. Heerschild.) - H. wurde auch die Geldstrafe von 60 Solidi genannt, die für Versäumnis der Heerfahrt gezahlt werden mußte. Um das J. 600 galten 60 Solidi = 30 gesunden Ochsen oder 20 gesunden Kühen (Lex Ribuariorum, XXXVI, 11), unter Karl d. Gr. etwa = 16 Ochsen.

Heer der Seligmacher, s. Heilsarmee.

Heereman-Zuydwyk (spr. seudweik), Clemens, Freiherr von, Parlamentarier, geb. 26. Aug. 1832 zu Surenburg bei Riesenbeck im Reg.-Bez. Münster, studierte in Bonn, Heidelberg und Berlin die Rechte, trat in den Staatsjustizdienst beim Kreisgericht zu Münster, ging dann zur Regierung über und wurde Regierungsrat in Merseburg, nahm aber bei Beginn des Kulturkampfs seine Entlassung aus dem Staatsdienste. H. ist seit 1870 Mitglied des preuß. Abgeordnetenhauses und seit 1871 des Deutschen Reichstags, wo er der Centrumspartei angehört. Er vertritt in beiden Körperschaften den Wahlkreis Münster-Koesfeld, war 1879-80 zweiter, und ist seit 1881 erster Vicepräsident des Abgeordnetenhauses. H. gehört zu den angesehensten Mitgliedern der Centrumspartei und übernahm nach dem Tode Windthorsts 1891 die Führung der Partei im Abgeordnetenhause. Er stimmte 1893 gegen die Militärvorlage. Er ist auch Mitglied des westfäl. Provinziallandtags. H. schrieb: "Die älteste Tafelmalerei Westfalens. Beitrag zur Geschichte der altwestfäl. Kunst" (Münst. 1882).

Heeren, Arnold Herm. Ludw., Historiker, geb. 25. Okt. 1760 zu Arbergen bei Bremen, studierte in Göttingen erst Theologie, dann unter Heynes und Spittlers Leitung Philologie und Geschichte. 1784 habilitierte er sich als Privatdocent, unternahm eine Reise nach Italien, den Niederlanden und nach Paris, wurde 1787 zum außerord., 1794 zum ord. Professor der Philosophie, 1801 zum ord. Professor der Geschichte, später zum Geh. Justizrat ernannt. Er starb 7. März 1842 zu Göttingen. Schon 1784 war H. Beisitzer der Königl. Societät der Wissenschaften und 1789 Mitglied derselben geworden. H. veröffentlichte eine Ausgabe des Rhetors Menander "De encomiis" (Gött. 1785). Vorzüglichen Einfluß hatte auf seine Geistesrichtung das Studium des Polybius, wodurch sich ihm die Alte Welt von der Seite des Handels und Verkehrs und, was damit in genauer Verbindung steht, des Ursprungs der Bildung und der Verfassung der alten Staaten zeigte. So entstanden seine "Ideen über Politik, den Verkehr und den Handel der vornehmsten Völker der Alten Welt" (2 Bde., Gött. 1793-96; 4. Aufl., 6 Bde., 1824-26), ein nach Inhalt und Form klassisches Werk, mit dem er, durch Hereinziehung des Handels, der Geschichtswissenschaft eine neue Bahn eröffnete. Noch schrieb er "Geschichte des Studiums der klassischen Litteratur seit dem Wiederaufleben der Wissenschaften" (2 Bde., Gött. 1797-1802; neue Aufl. 1822), "Die Geschichte der Staaten des Altertums" (ebd. 1799; 5. Aufl. 1828), "Geschichte des europ. Staatensystems und seiner Kolonien" (ebd. 1809; 5. Aufl. 1830), außerdem "Abhandlungen" über Johs. von Müller (Lpz. 1810), Spittler (mit G. Hugo, Berl. 1812) und Heyne (Gött. 1813) und gab die "Eclogae physicae et ethicae" des Stobäus heraus (4 Bde., ebd. 1792-1801). In seinen "Kleinen histor. Schriften" (3 Bde., Gött. 1803-8) sind höchst interessante Abhandlungen enthalten. Seine "Histor. Werke" (15 Bde., Gött. 1821-26) sind zum Teil neue Auflagen der erwähnten Schriften. Mit Mitscherlich und Tychsen leitete er die Herausgabe der "Bibliothek der alten Litteratur und Kunst", mit Ukert begründete er das berühmte, später von Giesebrecht fortgesetzte histor. Sammelwerk "Geschichte der europ. Staaten" (Gotha 1819 fg.), und 1827-38 führte er die Redaktion der "Göttingischen Gelehrten Anzeigen".

Heeren, Friedr., Chemiker, Neffe des vorigen, geb. 11. Aug. 1803 zu Hamburg, studierte in Göttingen und Paris, legte dann mit seinem Bruder eine Fabrik von Stearinlichten in Hamburg an, mit der er später die Fabrikation von Seife und Walratlichten verband; 1831 wurde er Lehrer der Chemie an der höhern Gewerbeschule (jetzt Technischen Hochschule) in Hannover. Er starb 2. Mai 1885. Sein "Pioskop" genanntes Instrument zur Prüfung der Milch auf ihren Fettgehalt wurde patentiert. Im Verein mit Karmarsch gab er ein "Technisches Wörterbuch", als freie Bearbeitung von Ures "Dictionary of arts etc." (Prag 1841-44; 3. Aufl., 11 Bde., 1874-92), heraus.

Heeresältester (Wjsskowojstarschina), Stabsoffizier bei den Kosaken.

Heereskrankheiten (Armeekrankheiten), Krankheiten, welche erfahrungsgemäß in Armeen ziemlich häufig vorkommen und bei diesen besonders leicht eine größere Zahl von Menschen gleichzeitig ergreifen, deren Auftreten und epidemische Verbreitung also durch die Eigentümlichkeiten des militär. Dienstes und Zusammenlebens begünstigt wird. Dazu gehören in erster Reihe viele Infektionskrankheiten, insbesondere Cholera, Fleckfieber, Unterleibstyphus, Rückfallsfieber, Pocken, Ruhr, Tuberkulose u. a., desgleichen ansteckende Augenkrankheiten u. a., sodann die durch Parasiten hervorgerufenen Krankheiten wie Krätze und andere Hautleiden. In zweiter Reihe fallen unter den Begriff H. einige nicht übertragbare Krankheiten, die vorzugsweise in Armeen vorkommen, weil die bedingenden Ursachen bei letztern häufiger zusammentreffen und auf eine größere Zahl von Menschen einwirken. Die hauptsächlichsten Krankheiten dieser Klasse sind der Hitzschlag und die Minenkrankheit. Endlich kann man unter H. alle diejenigen Krankheiten verstehen, welche überhaupt in Armeen beobachtet werden. In diesem weitesten Sinne umfaßt der Ausdruck sämtliche auch in der entsprechenden männlichen Altersklasse der Civilbevölkerung vorkommenden Krankheiten, und zwar nach dem eingangs Gesagten nur diese, behält aber gleichwohl insofern eine Berechtigung, als die Häufigkeit der einzelnen Krankheiten (ihr statist. Verhältnis zueinander) infolge der Besonderheiten des militär. Lebens und der verschiedenen Zusammensetzung der Armeen einerseits, der Bevölkerungen