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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Heil dir im Siegerkranz; Heilbrunn; Heilbuth; Heilbutt; Heilgehilfe; Heilgymnastik

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Heilbrunn - Heilgymnastik

schiffe von Mannheim nach H. und seit 1890 nach Lauffen am Neckar. Von Vergnügungsorten sind der im NO. belegene Wartberg (307 m), das Jägerhaus und der Schweinsberg (380 m) mit weiter Rundsicht zu erwähnen. - Schon 745 schenkte der fränk. Majordomus Karlmann eine Michaeliskirche zu Heiligbronn dem Bistum Würzburg; 1225 wurde H. Stadt und 1360 reichsunmittelbar. H. wurde im Mittelalter zwar oft belagert, nie aber erobert. Im Bauernkriege 1525, im Schmalkaldischen, im Dreißigjährigen und in den Kriegen gegen Frankreich erlitt die Stadt große Drangsale. Am 23. April 1633 schloß Oxenstierna mit den Ständen des schwäb.-fränk., des ober- und niederrhein. Kreises den Vertrag zu H. (s. Dreißigjähriger Krieg, Bd. 5, S. 505 a). Am 7. Sept. 1802 nahm Württemberg von H. Besitz. - Vgl. Jäger, Geschichte von H. (Heilbr. 1828); Kuttler, H., seine Umgebungen und seine Geschichte (ebd. 1859); die vom königlichen württemb. Statistischen Bureau herausgegebene Beschreibung des Oberamtes H. (Stuttg. 1865); Freudenberger, H., seine Umgebung und das untere Neckarthal (Heilbr. 1892).

Heilbrunn, auch Oberheilbrunn, Dorf im Bezirksamt Tölz des bayr. Reg.-Bez. Oberbayern, 8 km von Tölz und 5 km nordöstlich von Benediktbeuern, am Fuße des Zwieselgebirges, hat (1890) 151 kath. E., Postexpedition, Telegraph, ein Kurhaus und ist bekannt durch die Adelheidsquelle, deren jod- und bromhaltiges Kochsalzwasser (10° C.) zum Trinken und Baden gegen skrofulöse Leiden, Kropf- und Frauenkrankheiten benutzt und versandt wird. - Vgl. Öttinger, Die Adelheidsquelle, ein jodhaltiges Bromwasser zu H. in Oberbayern (5. Aufl., Münch. 1881); Grundler, Mitteilungen über H. und seine Adelheidsquelle (ebd. 1888); ders., Der klimatische Gebirgskurort H. und seine jodhaltige Bromquelle (ebd. 1891).

Heilbrunn, Markt in Böhmen, s. Brünnl.

Heilbuth, Ferd., Maler, geb. 1830 zu Hamburg, eignete sich während eines längern Aufenthalts in Italien große Geschicklichkeit in der Darstellung des vornehmen Genres an, dessen Stoffe er dem ältern wie dem modernen Leben der höhern Stände entlehnte. Von seinen durch ein lebhaftes Kolorit und eine geistreiche Charakteristik ausgezeichneten Bildern sind zu nennen: Musikprobe Palestrinas (1857), Tasso (1860), Das Leihhaus (1861; im Luxembourg zu Paris), Der Spaziergang am Monte-Pincio (1862), Das Geständnis, An der Seine (1871), Am Ufer der Themse (1878), Promenade (1884), Sommertag (1887). Später ließ sich H. in Paris nieder, wurde 1881 Offizier der Ehrenlegion und starb 19. Nov. 1889.

Heilbutt oder Heiligbutt, s. Schollen.

Heil dir im Siegerkranz, die preuß. Nationalhymne, als deren eigentlicher Verfasser Heinrich Harries anzusehen ist; derselbe wurde 9. Sept. 1762 zu Flensburg geboren, studierte Theologie, redigierte dann bis 1790 das "Flensburger Wochenblatt", ward 1790 Pastor zu Sieverstedt im Amte Flensburg, 1794 zu Brügge, Amt Bordesholm, und starb daselbst 28. Sept. 1802. In seiner ursprünglichen Gestalt erschien das Lied im "Flensburger Wochenblatt" vom 27. Jan. 1790 und trug die Überschrift: "Lied für den dän. Unterthan an seines Königs Geburtstag zu singen in der Melodie des engl. Volksliedes "God save great George the king". Das Lied wurde von B. G. Schumacher zum "Berliner Volksgesang" umgearbeitet und in dieser Gestalt zur preuß. Nationalhymne. Zuerst gesungen wurde es bei der Rückkehr Friedrich Wilhelms II. aus dem ersten Koalitionskriege gegen Frankreich.

Heilgehilfe, eine für die Ausübung der kleinen Chirurgie sowie für die Beihilfe der größern Operationen geprüfte Medizinalperson, meist dem Stande der Barbiere (s. d.) angehörend.

Heilgymnastik, Kinesiatrik, Kinesitherapie, die methodische Anwendung von Körperbewegungen und Leibesübungen behufs eines Heilzwecks. Während das gewöhnliche Turnen (s. d.) die harmonische Ausbildung der Bewegungsapparate in ihrer Gesamtheit zum Ziele hat, ist die H. auf die Kräftigung einzelner Muskelgruppen gerichtet in Fällen, wo man diese zur Beseitigung von Verbildungen und Verkrümmungen des Körpers, z. B. der Wirbelsäule, oder zur Erhöhung der Funktionen gewisser Organe, z. B. des Unterleibes, für nötig erachtet. Systematisch zur Anwendung gebracht wurde die H. zuerst vorzüglich durch den Schweden Pehr Henrik Ling (s. d.).

Diese sog. schwedische H. unterscheidet drei Arten von Bewegungen: aktive, bei welchen der Kranke, meist in liegender Stellung, allein die Bewegungen ausführt; halbaktive oder duplizierte, bei welchen den Bewegungen des Kranken durch eine zweite Person ein bald stärkerer, bald schwächerer Widerstand entgegengesetzt wird; endlich passive, welche nicht der Kranke, sondern der Heilkünstler am Körper des Kranken vornimmt und welche zumeist mit knetenden, klopfenden oder streichenden Manipulationen (s. Massage) verbunden werden. Dieses künstliche, sich in einer oft barocken Nomenklatur bewegende System leistet zwar in einzelnen Fällen Vorzügliches, wird aber im allgemeinen hinlänglich durch das deutsche Gerät- und Freiturnen ersetzt, wie es zu Heilzwecken namentlich von Schreber (s. d.) angewendet wurde und seitdem als Zimmergymnastik nicht bloß zur Beseitigung krankhafter Zustände, sondern auch als diätetisches Mittel bei mangelnder anderweiter Körperbewegung mehr und mehr in Aufnahme gekommen ist. Freilich muß beim Turnen zu Heilzwecken durchaus von einem sachverständigen Arzt eine passende Auswahl der Bewegungen getroffen werden. Neuerdings versucht man vielfach mit gutem Erfolge heilgymnastische Übungen ohne jedwede manuelle Beihilfe, ausschließlich mit Hilfe sinnreich konstruierter Maschinen auszuführen und hat insbesondere Zander in Stockholm eine Reihe derartiger außerordentlich genial erdachter Maschinen und Apparate konstruiert. Man pflegt diejenigen heilgymnastischen Institute, welche sich ausschließlich oder vorwiegend dieser Zanderschen Apparate bedienen, als medico-mechanische Institute zu bezeichnen. Von den krankhaften Zuständen, gegen welche die H. sich besonders wirksam erweist, sind namentlich Muskelschwäche und Lähmungen, alle Verkrümmungen und Verbildungen des Körpers, die durch eine angewöhnte fehlerhafte Körperhaltung zu stande kommen, ferner die nach Gicht und Rheumatismus zurückbleibende Gelenksteifigkeit, mangelhafte Entwicklung des Brustkastens und dadurch bedingte Neigung zu Lungenaffektionen, übermäßige Fettbildung und Unterleibsbeschwerden sowie manche Nervenleiden (Hypochondrie, Hysterie, Gemütsverstimmungen) hervorzuheben; auch gegen fehlerhafte Blutmischung und Störungen im Blutlauf der verschiedenen Organe pflegen sich regelmäßige und methodische Bewegun-^[folgende Seite]