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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Heimbach (Karl Wilh. Ernst) - Heimfallsrecht
"'^ix32i"" (3 Bde., Lpz. 1838-43), "^ntiientieum"
(2 Bde., ebd. 1846-51), "UkrmknoMii manuale
ißFum" (ebd. 1851).
Heimbach, Karl Wilh. Ernst, Jurist, Bruder
des vorigen, geb. 29. Nov. 1803 zu Merseburg,
wurde 1828 ord. Professor des sächs. Rechts zu
Jena, 1832 Oberappellationsgerichtsrat, später
Vizepräsident des Oberappellationsgericht daselbst
und starb 4. Juli 1865 in Jena. Er veröffentlichte
namentlich: "Lehrbuch des partikulären Privat-
rechts der zu den Oberappellationsgerichten zu Jena
und Zerbst vereinigten Länder" (Jena 1848; Nach-
trag 1853), "Lehrbuch des sächs. bürgerlichen Pro-
zesses" (3 Bde., ebd. 1852-61), "Inrist. Abhand-
lungen und Rechtsfälle" (mit Ortloff, Schüler und
Guyet, 2 Bde., ebd. 1847-57), "I^ilicornm liwi
I.X" (6 Bde., Lpz. 1833-70).
Heimburc, s. .Hainburg.
Heimburg, Gregor von, einer der tüchtigsten
Rechtsgelehrten und edelsten dentschen Männer sei-
ner Zeit, geb. zu Anfang des 15. Jahrh, in Würz-
burg, trat während des Konzils zu Bafel in die
Dienste des ihm befreundeten Aneas Sylvius (nach-
maligen Papstes Pius II.) und verteidigte, wie da-
mals auch dieser, energisch den Standpunkt des
Konzils gegenüber dem des Papstes. 1433 wurde
er in Nürnberg als Syndikus angestellt, was ihn
nicht hinderte, an den Händeln seines Vaterlandes
teilzunehmen und in den Diensten verschiedener
Fürsten zu arbeiten. So hatte er einen bedeutenden
Anteil an der Neutralitätserklärung der deutschen
Kirche in dem fortdauernden Streite zwischen dem
Konzil und Papst Eugen IV. am 17. März 1438;
serner war er ein Mitglied der kurfürstl. Gesandt-
schaft an Papst Ellgen I V. 1446, die die Wieder-
einsetzung der vom Papst wegen ihrer Hinneigung
zu dem Gegenpapst Felix V. abgesetzten Kurfürsten
von Köln, Mainz und Trier bewirken sollte. Auf
dem Tage von Wienerifch-Neustadt 1452 vertrat
er die Rechte der Stadt Nürnberg in dem Streite
mit Albrecht Achilles von Brandenburg und be-
tämpfte namentlich das Gesetz der Goldenen Bulle
über die Fürstengerichte. Mehrere Jahre später löste
er sein Verhältnis zu Nürnberg und diente seit 1458
dem Erzherzog Albrecht von Österreich. Als dessen
Gesandter geriet er auf dem Kongreß zu Mantua
1459 durch sein persönliches Benehmen gegen den
frühern Freund, durch die Verteidigung Erzbischof
Diethers von Mainz und durch feine Opposition
gegen den geplanten Türkenzug mit dem Papst
Pius II. in Konflikt, der sich durch die Verhand-
lungen über die Besetzung des Brirener Bistums,
bei denen H. als Sachwalter Herzog Sigismunds
von Tirol auftrat, so verschärfte, daß im Herbst
1460 der Bann über H. verhängt wurde. Nach
der Aussöhnung Sigismunds mit dem Papst 1464
fand H. Aufnahme bei dem König Georg Podie-
brad von Böhmen und nach dessen Tode, 22. März
1471, bei den Herzögen von Sachsen in Dresden.
1472 erlangte er durch Papst Sixtus IV. Lösung
vom Bann und starb im August desselben Jahres.
Seine Schriften, wesentlich polemischen Inhalts,
spiegeln sein wahrhaftiges und treues, aber zugleich
stürmisches Wesen wider und zeugen von der ihm
nachgerühmten hohen Beredsamkeit. Sie erschienen
gesammelt als "8cript3.n6i-v()8ll iii8titia0^ii6 pisnw)
(Franks. 1608). Gustav Pfizer'hat den Gegensatz
des Charakters von H. und Aneas Sylvius in einem
poet. Werke: "Der Welsche und der Deutsche"
(Stuttg. 1844), geschildert. - Vgl. Clem.Vrockhaus,
Gregor von H. (Lpz. 1861); Joachimsohn, Gregor
von H. (Münch. 1889).
Heimburg, Helene von, s. Damrosch.
Heimburg, W., s. Behrens, Bertha.
Heimbürge, Aufseher, Verwalter einer Ge-
meinde, Gemeindevorsteher, Dorfrichter; der Aus-
druck war namentlich im Elsaß und Hessen ge-
bräuchlich, ist aber jetzt als Amtsbezeichnung aus-
gestorben. In Dresden und an manchen Orten in
Thüringen heißen H. und Heimbürginnen mit
der Leichenbesorgung beauftragte Perfonen.
Heimchen oder Hausa^rille ((^rMus äomegti-
c.u8 /v.; s. beistehende Figur), eine 15 - 20 mm
lange, gelblichbraune, schlanke Grille (s. d.), die in
Mauerritzen an warmen Stellen, in Küchen und
Bäckereien sich ansiedelt und von Abfällen lebt.
Die Männchen zirpen laut.
Heimdall, eine Gottheit in der nordgerman.
Mythologie, wacht auf dem Himmelsberge an der
Brücke Bifröst (s. d.), die das Reich der Afen mit
dem der Menfchen verbindet. Er sieht und hört
fchärfer als alle andern Gefchöpfe; daher kann nichts
feiner Wachsamkeit entgehen. Vor dem Weltunter-
gange wird er in sein Horn, das Gjallarhorn,
blasen, um die Götter zum Kampfe gegen die böfen
Elemente zu rufen. H. ist nach den Eddas der Sohn
Odins; nach anderm Mythus der Sohn von neun
Schwestern, Personifikationen der Meereswellen;
golden sind seine Zähne, Golltopp (Goldmähne) heißt
das Roß, auf dem er reitet; hiervon rührt auch sein
Name, denn H. heißt "der über die Welt Glänzende".
Er ging einst als Rigr zu den Menschen und ward
liier der Gründer der drei Stände (Unfreien, Freien,
Edlen). Im Mythus vom Halsbande der Freyja
(f. Brisingamen) erscheint H. als Vertreter des guten
Elements im Kampfe mit dem böfen Loki. Nach der
schönen Deutung Nhlands ist H. ein lichter Himmels-
gott, der Gott alles Anfangs und steht als solcher im
Gegensatz zu Loki (s. d.), dem alles endigenden Gott.
Heimfall, die bei der Beendigung des Rechts
des Vasallen, des bäuerlichen Grundbesitzers u. s. w.
eintretende Wirkung, daß das Gut an den Lehns-
herrn oder Gutsherrn (den Obereigentümer) zurück-
fällt. Das grundherrliche und gutsherrliche Heim-
fallsrecht ist fast durchweg aufgehoben (Preuß. Ab-
lösungsgesetz vom 2. März 1850, z. 2, Nr. 4). Der
H. au den Lehnsherrn besteht in vielen deutschen
Staaten nicht inchr, da in neuern Gesetzen die Ober-
lehnsherrlichkeit beseitigt oder doch nur für den Fall
des Vorhandenseins weniger Lehnserben vorbehal-
ten ist, in welchem Fall dieselbe überdies noch ab-
gelöst werden kann.
Heimfallsrecht (lat. ^us aldiuNFü; frz. äroit.
ä'^udains), das Recht des Staates, den Nachlaß,
welchen ein im Inlande verstorbener Ausländer bei
sich hat, mit Ausschließung der Erben desselben sich
zuzueignen. In Deutschland besteht dasselbe nicht
mehr. Dagegen beruhten die Vorschriften der Art.
726, 912 des (^(xie civil auf ähnlichen Gedanken.
Für Frankreich sind dieselben durch das Gesetz vom
14. Juli 1819 aufgehoben. Das bad. Gefetz vom
4. Juni 18t)4 bestimmte, daß Inländern, welche im