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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Heinrich Ⅳ.

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Heinrich Ⅳ. (König von Frankreich)

seines Bruders, des Herzogs von Alençon (10. Juni 1584), war bei H.s Kinderlosigkeit der nächste Erbe des Throns König Heinrich von Navarra, das Haupt der Hugenotten, und H. sicherte ihm die franz. Thronfolge unter der Bedingung zu, daß er zum Katholicismus zurückkehre. Die Aussicht auf den hugenottischen König trieb jedoch die Liga den Spaniern in die Arme; Heinrich von Navarra wurde verbannt, H. selbst aber wurde durch die fanatische Agitation so eingeschüchtert, daß er auf Anraten seiner Mutter 1585 mit der Liga einen Vergleich schloß und im Edikt von Nemours über die Protestanten Verlust aller ihrer Rechte und Verbannung aus Frankreich verhängte. H. stellte nun (1587) gegen die Hugenotten drei Armeen ins Feld, von denen die eine der Herzog Heinrich von Guise wider die andringenden Deutschen, die andere der Herzog von Joyeuse gegen den König von Navarra, die dritte der König selbst an der Loire befehligte. Der Sieg, den der König von Navarra 20. Okt. 1587 über Joyeuse bei Coutras davontrug, wog in diesem «Kriege der drei Heinriche» die Erfolge Guises gegen die Deutschen auf. H. aber suchte, im alten Stil seiner Mutter, die Parteien im Gleichgewicht zu erhalten und die Liga, die ihn an sich fesselte, geschickt zu lähmen. Infolgedessen legte diese ihm im Jan. 1588 ein Ultimatum vor, worin er zum aufrichtigen Anschluß an ihre Sache, Einführung der Inquisition u. s. w. aufgefordert wurde. Der Kampf um diese Forderungen spitzte sich, als H. und Guise im ligistischen Paris sich trafen, 12. Mai 1588 zu offenem Aufruhr zu; Barrikaden wurden erbaut (la journée des barricades) und H.s Truppenmacht vernichtet; mit Mühe entkam er nach Chartres. Seine Mutter vermittelte eine neue, ganz der Liga günstige Abmachung; die seit September in Blois versammelten ligistischen Reichsstände trieben ihn aber so in die Enge, daß er, für sein polit. Dasein fürchtend, 23. Dez. 1588 den Herzog von Guise, gleich darauf dessen Bruder, den Kardinal von Lothringen, im Schlosse von Blois ermorden ließ. Diese Blutthat erregte bei den Ligisten namenlose Wut; in Paris sprach die Sorbonne das Volk der Treue gegen den «neuen Herodes» ledig, blutige Rache traf allerorten die Anhänger des Königs. Durch den Tod seiner Mutter (5. Jan. 1589) völlig ratlos, floh H. nach Tours und warf sich, als er hörte, daß der Herzog von Mayenne, der Bruder der Ermordeten, zu Paris zum Generalstatthalter erklärt worden sei, Heinrich von Navarra in die Arme. Die Vereinigung geschah 3. April 1589 und hatte zur Folge, daß auch über H. vom Papste der Bann verhängt wurde. Beide Herrscher, der König und sein rechtmäßiger Nachfolger, zogen mit dem bis auf 40000 Mann verstärkten Heere der Hugenotten und Royalisten nach Paris und brachten die von dem Herzog von Mayenne verteidigte Stadt bald der Übergabe nahe. Am 1. Aug. 1589 wurde H. jedoch durch den Dominikaner Jacques Clement (s. d.) mit einem vergifteten Messer tödlich verwundet und starb am folgenden Tage (2. Aug.); mit ihm erlosch das Haus der Valois. – Vgl. de Noailles, Henri de Valois et la Pologne (3 Bde., 1867); de la Barre-Duparcq, Histoire de Henri Ⅲ (Par. 1882); Robiquet, Paris et la Ligue sous Henri Ⅲ (1886), und die Litteratur zu dem Artikel Hugenotten.

Heinrich Ⅳ., König von Frankreich (1589‒1610), dritter Sohn Antons von Bourbon und der Johanna d’Albret, wurde 13. Dez. 1553 zu Pau in Béarn geboren. Sein charakterloser Vater fiel 1562 vor Rouen, die Mutter aber hielt fest zur Sache der Hugenotten. Sie wußte sich und ihren Sohn den Anschlägen Katharinas von Medici zu entziehen und erklärte H. nach der Ermordung Ludwig Condés (1569) zum Haupt des prot. Bundes. Nach dem Frieden von St. Germain-en-Laye (1570) schlug der franz. Hof, um die Annäherung an die Hugenotten zu besiegeln, die schon früher geplante Vermählung mit Margareta von Valois, Schwester Karls Ⅸ., neuerdings vor. Während der Verhandlungen starb Johanna 9. Juni 1572, und H., der nun König von Navarra war, vollzog 18. Aug. seine Vermählung. Schon am 24. brach über die Hugenotten die Bartholomäusnacht (s. d.) herein, H. wurde zwar verschont, mußte aber fortan die Messe besuchen und als Gefangener am Hofe bleiben, wo er wesentlich seinen Vergnügungen zu leben schien. Endlich im Febr. 1576 entwich er vom Hofe, trat zum Protestantismus zurück und half mit bewaffneter Hand den vorteilhaften Religionsfrieden von Beaulieu 6. Mai herbeiführen. Diese Stellung behielt er der Liga und dem Hofe gegenüber, so oft ihn die Königin-Mutter auch durch Unterhandlung, Verführung und Friedensschlüsse zu gewinnen suchte.

Nach dem Tode des Herzogs von Alençon 1584 überkam H. als erster Prinz von Geblüt die Anwartschaft auf den franz. Thron, die sofort den entschiedensten Widerstand der Liga (s. d.) entfesselte. Sein Oheim, Kardinal Bourbon, wurde ihm als Kandidat entgegengestellt und Heinrich Ⅲ. auf die feindliche Seite hinübergezwungen. H., überdies vom Papste Sixtus Ⅴ. im Sept. 1585 in den Bann gethan, stellte sich wieder an die Spitze der Hugenotten und erfocht mit engl. und deutsch-prot. Hilfe 20. Okt. 1587 den Sieg bei Coutras. Schon längst hatte Heinrich Ⅲ., durch den Herzog Heinrich von Guise bedroht, eine feste Verbindung mit dem Navarresen im Auge gehabt. Die schlimme Lage, in die Heinrich Ⅲ. durch die Ermordung der Guisen geriet, brachte endlich die Vereinigung 3. April 1589 zu Tours zu stande. H. führte nun sein Heer vor Paris, wo ihm plötzlich, inmitten der Belagerung, durch den Tod des Königs, 2. Aug. 1589, die franz. Krone zufiel. Aber die kath. Mehrheit der Nation wollte den hugenottischen König nicht. Der Herzog von Mayenne stellte sich ihm entgegen; H. suchte die Normandie zu erobern und sich so der engl. Hilfe zu versichern. Dabei wurde er von Mayenne angegriffen, siegte aber 21. Sept. 1589 bei Arques nahe Dieppe, und zum zweitenmal 14. März 1590 bei Ivry an der Eure. Nunmehr belagerte er Paris. Schon dem Erfolge nahe, wurde er (Aug. 1590) von Alexander von Parma verdrängt, denn Philipp Ⅱ. von Spanien, der seine Tochter Isabella, die Enkelin Heinrichs Ⅱ., auf den franz. Thron zu setzen strebte, unterstützte die Katholiken nachdrücklich, und auch Rom und Savoyen traten für sie ein. Diese Gefahr galt es abzuwenden und die Wahl der span. Infantin, zu deren Durchführung ligistische Stände 1593 in Paris zusammentraten, zu verhindern. Von seinen eigenen kath. Anhängern gedrängt, vollzog H. 25. Juli 1593 aus polit. Gründen den Übertritt zum Katholicismus. «Paris vaut une messe», «Paris ist eine Messe wert», soll er gesagt haben.

Dieser Schritt entwaffnete die Ligisten. Das ganze Land fiel H. zu, 22. März 1594 auch Paris. Im Kriege gegen den Nationalfeind Spanien verschmolz H. vollends sein lange durch innere