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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Heinrichswalde - Heinse
Heinrichswalde, Marktstecken im Kreis Niede-
rung des preuß. Reg.-Bez. Gnmbinnen, 17 km west-
südwestlich von Tilsit, unweit des Linkuhner Kanals
in der Tilsiter Niederung, an der Nebenlinie Königs-
berg-Labiau-Tilsit der Preuß. Staatsbahnen, Sitz
des Landratsamtes für den Kreis Niederung und
eines Amtsgerichts (Landgericht Tilsit), hat (1890)
1644, mit der Gemeinde Gassen 2070 meist evang. E.,
Post, Telegraph, eine schöne got. Kirche (1869)' und
wird als klimatischer Kurort besucht. In der Nähe
dasRittergutAdlig-Heinrichswaldemit116E.
Heinrici, Karl Iriedr. Georg, evang. Theolog,
geb. 14. März 1844 zu Karkeln in Ostpreußen,
studierte in Halle und Berlin, trat 1868 in das
Domkandidatenstift zu Berlin, dessen Inspektor er
1870 wurde, habilitierte sich 1871 für neutestament-
liche Exegese an der dortigen Universität, wurde
1873 außerord. Professor in Marburg, 1874 daselbst
ord. Professor; seit 1873 zugleich Mitglied des Kon-
sistoriums in Cassel, wurde er 1881 zum Konsistorial-
rat ernannt. 1892 folgte er einem Rufe als Pro-
fessor nach Leipzig. H. schrieb: "DieValentinianische
Gnosis und die Heilige Schrift" (Berl. 1871), "Er-
klärung der Korintherbriefe" (2 Bde., ebd. 1880
-87), die Neubearbeitung des Kommentars zu den
Korintherbriefen in H. A. W. Meyers "Kritifch-
exegetischem Kommentar über das Neue Testament"
in 6. und 7. Allst. (2 Bde., Gott. 1881-83 u. 1888
-90), "Dr. August Twesten nach Tagebüchern und
Briefen" (Berl. 1889), "Schriftforschung und Schrift-
autorität" (Marb. 1890), "Theol. Encyklopädie"
(Freib. i. Vr^und Lpz. 1893).
Heinrizianer, s. Heinrich von Lausanne.
Heinroth, Joh. Christian Friedr. Aug., Psychia-
ter und Psycholog, geb. 17. Jan. 1773 zu Leipzig,
studierte seit 1791 Medizin zu Leipzig und Wien
und wurde 1803 Arzt in seiner Vaterstadt, 1812
außerord., 1819 ord. Professor der psychischen The-
rapie daselbst und starb 26. Okt. 1843 zu Leipzig.
Er schrieb: "Beitrag zur Krankheitslehre" (Gotha
1810), "Lehrbuch der Seelenstörungen und ihrer
Behandlung" (2 Bde., Lpz. 1818), "Lehrbuch der
Anthropologie" (ebd. 1822; 2. Aufl. 1831), "Lehr-
buch der Seelengesundheitskunde" (2 Bde., ebd.
1824-25), "System der psychisch-gerichtlichen Me-
dizin" (ebd. 1825), "Die Psychologie als Sslbst-
erkenntnislehre" (ebd. 1827), "Geschichte und Kritik
des Mysticismus aller bekannten Völker und Zeiten"
(ebd. 1830), "Grundzüge der Kriminalpsychologie"
(Berl. 1833), "Orthobiotik oder die Lehre vom rich-
tigen Leben" (Lpz. 1839). Unter dem Namen
Treumund Wellentreter ließ er "Gesammelte
Blätter" (4 Bde., Lpz. 1818-26) erscheinen.
Heinsberg. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez.
Aachen, hat 243,49 hkin, (1890) 34940 (18017
männl., 16 923 weibl.) E., 1 Stadt und 33 Land-
gemeinden. - 2) Kreisstadt im Kreis H., 5 km von
der niederländ. Grenze, links an der Wurm, nahe
deren Mündung in die Roer, an der Nebenlinie
Lindern-H. (12,5 km) der Preuß. Staatsbahnen,
Sitz des Landratsamtes, eines Amtsgerichts (Land-
gerichtAachen) und Steueramtes, hat (1890) 2134 E.,
darunter 104 Evangelische und 93 Katholiken, Post
zweiter Klasse, Telegraph, Reste der ehemaligen
Festungswerke, eine evang. und zwei kath. Kirchen,
Kranken- und Armenhaus mit Kapelle, eine Syna-
goge, höhere Stadtschule, Fachschule für Korbflech-
terei, Haushaltungsschule, Sparkasse, Volksbank,
Viehversicherungsverein; mechan. Leinenweberei,
Nohrkörbe- und Rohrbesenfabrik, Korbflechterei,
Gerberei, Knochen- und Lohmühle, Korbweidenbau,
Kram- und Viehmärkte. H. ist der Geburtsort von
Karl Vegas (s. d.). Auf der Burg sind geboren
Philipp I. von H., Erzkanzler von Deutschland und
Erzbischof von Köln (1176-91) und Johann VIII.
von H., Bischof von Lüttich (1420-55). H. war
ehemals Hauptort einer Grafschaft, die 1472 durch
Heirat an das Herzogtum Iülich kam. Die Ruinen
der alten Bnrg stehen auf einer Anhöhe bei H.
Heinfe, Joh. Jak. Wilh., Schriftsteller, geb.
16. Febr. 1749 zu Langewiesen im Schwarzburg-
Sondershausenschen, widmete sich in Jena und Er-
furt jurist. Studien. Wieland, der H.s poet. Talent
erkannte, empfahl ihn Glenn, der ihm im Herbst
1772 eine Hauslehrerstelle in Halberstadt verschaffte,
wo H. unter dem Namen Rost lebte, bis er 1774
als Mitredacteur von Joh. Georg Iacobis Zeit-
schrift "Iris" nach Düsseldorf ging, wo durch das
Studium der Gemäldegalerie sein Kunstsinn und
seine Sehnsucht nach Italien geweckt wurden. 1780
trat er die Reise dahin an und verbrachte drei Jahre
in Italien. Er übersetzte hier das "Befreite Ierusa-
lem" (4 Bde., Mannh.1781-83) und den "Orlando"
(4 Bde., Hannov. 1782-85) in Prosa. Nach seiner
Rückkehr 1784 hielt er sich einige Zeit wieder in
Düsseldorf auf. Dann wurde er Vorleser des Kur-
fürsten von Mainz, Friedrich Karl Joseph, später zu
Aschaffenburg, 1787 dessen Privatsekretär und, als
nach des Kurfürsten Tode dessen Bibliothek Staats-
eigentum geworden war, Bibliothekar mit dem Titel
Hofrat. Er starb 22. Juni 1803 in Aschaffenburg.
Seine litterar. Laufbahn hatte H. durch Heraus-
gabe der "Sinngedichte" (Halberst. 1771) eröffnet.
Diesen folgten die "Begebenheiten des Encolp,
aus dem Satiricon des Petron übersetzt" (2 Bde.,
Rom ^Schwabach^ 1773), die "Kirschen", ein schlüpfri-
ges Gedicht nach Dorats "lÜ6i-i868", und "Laidion,
oder die eleusinifchen Geheimnisse" (Lemgo 1774),
weniger ein Roman als ein wilder Dithyrambus,
worin H. die Himmelserhöhung der Lais und die
Genüsse der griech. Helden im Elystum schildert.
Seine schriftstellerische Höhe erreichte er mit dem be-
rühmten Roman "Ardinghello und die glückseli-
gen Inseln" (2 Bde., Lemgo 1787; 2. Aufl. 1794),
der außer einer sinnlich leidenschaftlichen Handlung
auch noch H.s Ansichten über bildende Kunst und
Malerei enthält. Ihm folgten noch "Hildegard von
Hohenthal" (2 Bde., Verl. 1795-96) mit Betrach-
tungen über musikalische Kompositionen, und Briefe
aus Italien u. d. T. "Anastasia und das Schach-
spiel" (2 Bde., Franks. 1803; 3. Ausg. 1831).
In ihrer poet. Komposition sind H.s Romane unbe-
friedigend; um fo mehr zeichnen sie sich durch Kraft
und Glut der Darstellung und sinnliches Feuer
aus. Durch feine Apotheose des Nackten, die er
freilich oft bis zum Äußersten trieb, trug er jeden-
falls viel dazu bei, die Ansichten von der Antike zu
berichtigen und die damals herrschenden beschränk-
ten Knnstprincipien zu erweitern. In dieser Hinsicht
das Vorzüglichste sind vielleicht seine Charakteristi-
ken der ausgezeichneten Gemälde der Düsseldorfer
Galerie, in den anziehenden Briefen zwischen Gleim,
H. und Johannes von Müller (2 Bde., Zur. 1806),
die Körte veröffentlichte. H.s "Sämtliche Schrif-
ten" gab h. Laube heraus (10 Bde., Lpz. 1838;
wiederholt 1851 fg.). - Vgl. Pröhle, Lessing, Ww
land, H. (Berl. 1877); Schober, Joh. Jak. Wilh. H.,
sein Leben und seine Werke (Lpz. 1882).