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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Helios - Heliotrop (mineralogisch)
tiär. Eine blaugcfärbte Art (lleUopora coorulea.
F?aMv.) findet sich lebend im Indischen Ocean.
Helkos (von den Römern mit Sol identifiziert),
die jüngste Form des griech. Sonnengottes. Er ge-
noß besonderes Ansehen nur ans der Insel Rhodos
(s. Telchinen), wo das Fest der Helieia mit Wett-
kämpfen begangen wurde. Auch war dort das Vier-
gespann des Lysippos und der berühmte Helioskoloß
des Chares von Lindos ihm zu Ehren aufgestellt
(s. Koloß). Als Opfer wurden ihm hauptsächlich
Werde dargebracht; in ganz Griechenland aber be-
grüßte man ihn bei Sonnenauf- und -Untergang
durch ein Gebet. Nach Hesiod ist er ein Sohn des
Titanen Hyperion (des Hohen), was aber bei Homer
nur ein Beiname des H. selbst ist. Seine Mutter
ist Theia (die Göttin), welche auch Euryphaessa (die
Weithinleuchtende, d. h. der Mond) genannt wird,
seine Schwestern sind Selene und Eos. Mit Perse,
der Glänzenden, zeugt er den Aie'tes, den König des
Sonnenlandes Aia, und die Mondheroine Kirke, mit
Klymene den Phaethon und die Heliaden. Es er-
zeugt also der alte Sonnengott mit der Mondgöttin
immer wieder den Sonnengott und die Mondgöttin
des jungen Tages. Zeus und Hera gegenüber
nimmt H. eine untergeordnete Stellung ein, auch
wird er oft nur als Titan bezeichnet. Gerühmt wird
aber an ihm, daß ihm, dem alles Schauenden, nichts
verborgen bleibt und jeder Frevel durch ihn an den
Tag kommt. Wegen der Schnelligkeit der schein-
baren Bewegung der Sonne gab man ihm matterer
Zeit, wie auch mehrere Vasenbilder beweisen,
Flügel, gewöhnlich aber erscheint er als schöner,
jugendkräftiger Lenker des mit vier feurigen Rossen
bespannten ^onnenwagens. Die ihr feuriges Wesen
andeutenden Namen derfelben sind Eoos, Aithiops,
Vronte und Sterope, oder Pyroeis, Eoos, Aithon
und Phlegon. Täglich fährt H. vom Okeanos im
Osten, wo er in einer Höhle wohnt, oder nach spä-
terer Dichtung bei den Athiopen einen Palast be-
sitzt, über den Himmel hin, bis er abends im Westen
in das Roteiland Erytheia gelangt und in das
Dunkel hinabtaucht. Von hier bringt ihn ein gol-
denes Fahrzeug, der von Hephaistos gefertigte
Sonnenbecher, auf dem Strom Oteanos in der
Nacht nach Osten zurück. Dort besitzt er auf der
Insel Thrinakia, welche gewöhnlich Sicilien gleich-
gesetzt wird, sieben Herden von je 50 Rindern und
ebensoviel Schafe, welche von Phaethusa und Lam-
petie, seinen Töchtern (Heliaden), gehütet werden.
(Diese Rinder werden als die 350 Tage und Nächte
des Mondjahres, oder auch als von der Abendsonne
gerötete Wolken erklärt.) Als Lenker seines Vier-
gespanns ist er bis an die Brust eben aus dem
Meere emportauchend im Ostgiebel des Parthenon
und in ganzer Gestalt im Relief des Tempels
von Priene und des Altars von Pergamon sowie
auf einer Metope von Neu-Ilion dargestellt. Die
antiken Münzen zeigen den Kopf des H. meist von
vorn mit runden Formen und strahlenförmig flie-
genden Haaren, fpäter auch mit einem wirklichen
Strahlenkranz. ^nenstich.
Heliosis (grch.),das Sonnen; Sonnenbad; Son-
Heliosköp (grch.),Vorrichtung zurAbfchwächung
des Sonnenlichts bei Beobachtung der Sonne durch
das Fernrohr. Die Konstruktion des H. beruht im
wesentlichen darauf, daß man das Sonnenlicht durch
Polarisation schwächt, was durch Kombinationen
von Prismen und Spiegeln, die in den Gang der
Strahlen eingeschaltet werden und das Licht reflek-
tieren, in verschiedener Weise erreicht werden kann.
Am gebräuchlichsten sind die H. von Porro und von
Merz. Der Vorteil der H. vor den gefärbten zur
Beobachtung der Sonne benutzten Sonnengläsern
besteht darin, daß das Sonnenlicht nickt gefärbt er-
scheint und daß man den Grad der Abschwächung
beliebig ändern kann.
Heliostat (grch.), ein zu vielen optischen Ver-
suchen, bei denen man sich der Sonnenstrahlen be-
dient, unentbehrliches Instrument, das im wesent-
lichen aus einem Spiegel besteht, der durch ein auf
geeignete Weise angebrachtes Uhrwerk sich dem
Gange der Sonne gemäß so dreht, daß ein darauf-
fallender Sonnenstrahl ungeachtet der Fortrückung
der Sonne in unveränderter Richtung auf einen be-
stimmten Punkt zurückgeworfen wird. Der H. wurde
von 'sGravesande erfunden und nachher vielfach,
z. V. von Silbermann und August, abgeändert und
verbessert. Da der H. teuer ist und viel Platz zu
seiner Ausstellung beansprucht, so bedient man sich
gewöhnlich einer einfachern Vorrichtung, bei der
man einen Spiegel mittels Drehung zweier Stell-
schrauben aus freier Hand in zwei aufeinander senk-
rechten Richtungen nach kleinen Zeiträumen all-
mählich so weiter bewegt, daß das auf denselben
fallende Sonnenlicht in wenigstens nahe unveränder-
ter Richtung reflektiert wird. Besonders braucht man
auch in neuerer Zeit den H. in der Photographie bei
Herstellung vergrößerter Positive nach kleinen Ne-
gativen mittels der Solarcamera.
Heliotherapie (grch.), die Behandlung der
Krankheiten vermittelst der Sonnenwärme und des
Sonnenlichts (Sonnenbäder).
Heliothermometer, s. Aktinometer.
"oliötrips Ka.oinorrkoiaä1i8 Fonc/is, ein
Vlasenfuß, s. Schwarze Fliege.
Heliotrop oder Sonnen wende, lleliotropiuin
pei-uvianulli ^., Vanillen st rauch, eine aus Peru
stammende Zierpflanze, die in Deutschland im Ge-
wächshause kultiviert wird. Ihre sehr kleinen blauen
oder dunkelblauen Blumen stehen in Wickelähren,
welche an der Spitze der Zweige wieder dolden-
traubig gesammelt sind, und hauchen einen äußerst
angenehmen, an Vanille erinnernden Duft aus.
Von ihren Varietäten sind Voi^tei-ranum (fälschlich
VoitaiiLHuum) und ^i-ion^e ä6 Li6Z6 die be-
liebtesten, jene mit größern, dunkelblauen, im
Schlunde weißen, diese mit blaß-graublauen Blüten.
Die Vermehrung geschieht durch Stecklinge, die man
im Frühjahr von durchwinterten Pflanzen schneidet.
Das H. ist eine fürs Zimmer, aber auch sür Beete
geeignetePflanze.-Die weiße europäische Son-
nenwende, Hkiliotrn^iiiin ßiiroMLum Iv., hat
filzig-rauhe eiförmige Blätter und findet sich nicht
selten an bebauten Orten der deutschen Rhein-
gegenden. Ihr Kraut war früher ofsizinell.
Heliotrop, ein zur Benzidingruppe gehöriger
Azofarbstoff, aus Dianisidin und Methyl-ß-naph-
thylaminsulfosäure hergestellt. Er färbt Baumwolle
im Seifenbade bläulichrot.
Heliotrop, eine Abart des Minerals Chalcedon
(s. d.), besteht aus einer dunkellauchgrünen plasma-
artigen Masse mit blutroten Eisenockerstecken; der
orientalische H. nimmt eine sehr schöne Politur an
und wird oft zu Ring- und Siegelsteinen, Petschaft-
grisfen u. s. w. verarbeitet. Die dunkelgrüne Farbe
stammt von einem Helminthpigment her, das in mi-
krofkopifchen, wurmähnlich gekrümmten Stäubchen
in einer farblofen Chalcedonmasse eingebettet liegt.