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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hellenomanie - Hellhoffit

Hellenomanie, soviel wie Gräkomanie (s. d.).

Hellenopontus, s. Pontus.

Hellenotamien, Name einer Behörde, die seit der Stiftung des Delischen Inselbundes (476 v. Chr.) die jährlichen Beiträge der Bundesgenossen in Empfang zu nehmen, die Bundeskasse zu verwalten, den (anfangs in Delos befindlichen, später, um 455 v. Chr., nach der athenischen Akropolis verlegten) Bundesschatz zu verwahren und die Zahlungen für das Kriegs- und Festwesen zu leiten hatten. Mit der Zertrümmerung der athenischen Macht am Ende des Peloponnesischen Krieges (404 v. Chr.) verschwanden auch die H.

Heller, eigentlich Häller, alte deutsche Scheidemünze im Werte eines halben Pfennigs, benannt nach der Stadt Hall in Schwaben, wo sie seit Anfang des 13. Jahrh, zuerst oder in besonders großer Menge geprägt wurde. Ursprünglich von Silber geprägt, wurden die H. später im Gehalte sehr verringert, schließlich ganz von Kupfer hergestellt. Mit Einführung der neuen deutschen Reichsmünze verschwanden die H., deren Ausprägung sich zuletzt nur auf Bayern, Kurhessen und Coburg beschränkt hatte. In der neuen österr. Kronenwährung dagegen ist die Krone (s. d.) wieder in 100 H. geteilt.

Heller, Joseph, Kunstschriftsteller, geb. 22. Sept. 1798 zu Bamberg, widmete sich dem Studium der Kunstgeschichte und lebte als Privatgelehrter zu Bamberg, wo er 4. Juni 1849 starb. Er veröffentlichte: "L. Cranachs Leben und Werke" (Bamb. 1821; 2. Aufl., Nürnb. 1854), "Geschichte der Holzschneidekunst" (Bamb. 1822), "Das Leben und die Werke Albrecht Dürers" (Bd. 2, in 3 Abteil., Lpz. 1827-31), "Monogrammenlexikon" (Bamb. 1831), "Handbuch für Kupferstichsammler" (3 Bde., ebd. 1823-36; 3. Aufl., bearbeitet von Andresen und Wessely, 2 Bde., Lpz. 1870-73), "Leben Georg Erlingers" (Bamb. 1837), "Die gräfl. Schönbornsche Gemäldesammlung" (ebd. 1845) sowie mehrere Einzelschriften, betreffend die Geschichte Bambergs, wie z. B. "Reformationsgeschichte des Bistums Bamberg" (ebd. 1825), "Beschreibung der bischöfl. Grabdenkmäler in der Domkirche" (Nürnb. 1827), "Geschichte der Bischöfe zu Bamberg" (Bamb. 1837).

Heller, Karl Bartolomäus, Naturforscher, geb. 20. Nov. 1824 zu Mysliboritz in Mähren, gest. 16. Dez. 1880 als Professor am Theresianum in Wien, unternahm 1845 eine dreijährige Reise nach Mittelamerika und veröffentlichte u. a. "Reisen in Mexiko in den J. 1845-48" (Lpz. 1853).

Heller, Rob., Schriftsteller, geb. 24. Nov. 1814 zu Großdrebnitz bei Stolpen im Königreich Sachsen, studierte seit 1832 in Leipzig die Rechte und wurde 1836 Accessist beim dortigen Kriminalamt. Diese Laufbahn vertauschte er mit der literarischen, als seine ersten belletristischen Arbeiten eine günstige Aufnahme fanden. Er gründete 1838 die Zeitschrift "Rosen", 1842 das Taschenbuch "Perlen". Als die Bewegung von 1848 der vormärzlichen Belletristik ein Ende machte, ging H. nach Frankfurt a. M., wo er als Publizist auftrat. Seine anonym erschienenen "Brustbilder aus der Paulskirche" (Lpz. 1849) fanden vielen Beifall. Seit Ende Sept. 1849 führte H. die Redaktion der "Deutschen Zeitung" bis zu ihrem Eingehen im Sommer 1850. Hierauf wandte er sich nach Berlin, von da nach Hamburg, wo er seit 1851 das Feuilleton der "Hamburger Nachrichten" redigierte und 7. Mai 1871 starb. H.s zahlreiche Romane und Novellen behandeln weit überwiegend histor. ↔ und kulturgeschichtliche Stoffe: so "Die Kaiserlichen in Sachsen" (2 Bde., Lpz. 1845), "Florian Geyer" (3 Bde., ebd. 1848), "Der Reichspostreiter in Ludwigsburg" (Frankf. 1857), "Hohe Freunde" (Lpz. 1861), "Posenschrapers Thilde" (ebd. 1863) und "Primadonna" (2 Bde., Berl. 1871); einem exotischen Thema gilt das "Erdbeben von Caracas" (Lpz. 1846). H.s "Nachgelassene Erzählungen" (5 Bde., Brem. 1874) gab Laube heraus.

Heller, Stephen, Klavierspieler und Komponist, geb. 15. Mai 1814 zu Pest, wurde in Wien durch Czerny und Anton Halm als Pianist ausgebildet und machte 1829 mit seinem Vater eine Kunstreise durch Ungarn, Polen und einen Teil von Deutschland. Auf der Rückreise blieb er in Augsburg, wo er sich unter der Leitung von Chelard der Komposition widmete und unter dem Pseudonym "Jean qui rit" seine ersten gelungenen schriftstellerischen Versuche machte, die ihn mit der "Neuen Zeitschrift für Musik" und deren Redacteur Rob. Schumann in Verbindung brachten. 1838 wandte er sich nach Paris, wo er dauernden Aufenthalt nahm und 14. Jan. 1888 starb. H. hat nur Kompositionen für das Klavier veröffentlicht; die Zahl derselben beträgt 150 (Sonaten, Phantasie- und Charakterstücke, einiges Instruktive u. s. w.). Sie gehören, mit Ausnahme einiger instruktiven Hefte, alle dem von Schumann angebahnten Gebiet des modernen Charakterstücks an. Den großen Formen des Konzerts ist H. ausgewichen, aber im Rahmen des musikalischen Genrebildes war er ein Meister. Als Hauptwerke H.s können die Etüden, die "Im Wald" betitelten Kompositionen und die Tarantellen bezeichnet werden.

Hellerlinse, s. Linse (Frucht).

Hellespont, d. i. Meer der Helle (s. d.), hieß im Altertum die jetzige Straße der Dardanellen (s. d.). Die schmalste, nur sieben Stadien breite Stelle zwischen den Städten Sestos und Abydos ist im Altertum durch die aufopfernde Liebe des Leander zur Hero (s. d.) und durch den von Xerxes hier bewerkstelligten Übergang aus Asien nach Griechenland berühmt geworden.

Hellet-Abbas, s. Berbera.

Hellevoetsluis (spr. -futsleus) oder Helvoet, Festung in der niederländ. Provinz Südholland, 11 km im SSW. von Briel, an der Südseite der Maasinsel Voorne, am Haringvliet und dem Voorneschen Kanal gelegen, hat (1891) 4601 E., einen Hafen mit zwei großen Docks, eine sichere Reede, bedeutende Magazine und Schiffswerfte, ein großes Artilleriemagazin, Kaserne, Krankenhaus für die Marine auf einem Wachtschiffe und eine Unterrichtsanstalt für Maschinisten. Von H. segelte Wilhelm von Oranien im Nov. 1688 mit 50 Schiffen und 14000 Mann zur Eroberung Englands ab. Die Franzosen nahmen H. 22. Jan. 1795, die Engländer besetzten es Dez. 1813.

Hellewart, Hellewirt, alte Bezeichnung für den Teufel (s. d.).

Hellhoffit oder Grusonscher Sprengstoff, ein 1881 von dem Artilleriehauptmann a. D. Hellhoff in Berlin erfundener sog. Sicherheitssprengstoff. Das H. beruht auf zwei Komponenten, deren jeder für sich unexplodierbar ist und die erst unmittelbar vor dem Gebrauch gemischt zu werden brauchen, sodaß die Explosivität des Sprengstoffs erst mit der Anfertigung der Sprengpatronen zu beginnen hat. Das H. besteht aus rauchender Salpetersäure einerseits und Nitrobenzol oder Dinitrobenzol anderer-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 0017.