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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Helm (Kopfbedeckung)

Im griechischen Altertum trug man zunächst H. aus Fell, namentlich Seehundsfell, dann aus Bronze. Die ehernen H. hatten anfangs die einfache Haubenform, später waren sie mit Stirnschirm nebst Nasenstück, mit Nackenschirm und Backenstücken, oft auch mit unbeweglichen Visieren, in denen sich Öffnungen zum Durchsehen befanden, versehen. Der zugleich zum erhöhten Schutze des Schädels und Hinterkopfs mit einem Kamm versehene H., der seinerseits wieder einen Helmbusch, gewöhnlich aus Roßhaaren trägt, ist der eigentliche Typus eines griechischen H. (s. Fig. 1).

Die H. der Römer waren ursprünglich ebenfalls aus Leder mit ehernen Beschlägen (galea), wurden aber seit dem 4. Jahrh. v. Chr. durch halbkugelförmige H. ganz aus Bronze, später aus Eisen (cassis) ersetzt. Zum Schutze der Wangen und zur Befestigung des H. dienten meist lederne, mit Metallschuppen besetzte Backenstücke, die unter das Kinn herumgingen. Oben befand sich ein Ring oder Knopf, der als Helmzierde einen Federbusch von langen, gerade in die Höhe stehenden roten oder schwarzen Federn oder einen nach hinten herabhängenden Roßschweif trug (s. Fig. 2). Für das Fußvolk waren jedoch noch bis in die Kaiserzeit jene ledernen Helmkappen mit Metallbeschlägen in Gebrauch. H. mit Seitenflügeln und geflochtenem Drahtgitter als Visier wurden anfangs nur von den Gladiatoren getragen, aber später auch bei der kaiserl. Reiterei eingeführt.

Die Germanen kämpften entweder entblößten Hauptes oder hatten dasselbe mit der Kopfhaut des Auerochsen, Elens u. dgl. bedeckt oder sie trugen den Flügelhelm, einen an den Seiten mit Adlerflügeln geschmückten H. Die Zeit von der Völkerwanderung bis zum 11. Jahrh, läßt uns im Unklaren über Material und Konstruktion der H. german. Krieger; in den zahlreich geöffneten Gräbern haben sich keine H. vorgefunden, und was die Miniaturen (seit dem 9. Jahrh.) bieten, sind nur die allgemeinen Formen; soviel geht allerdings aus den Miniaturen hervor, daß der Kampf mit unbedecktem Haupt für die spätere Heit nicht mehr als Regel gelten kann. Wahrscheinlich trug man auch H., die aus Leder, Horn, Filz oder dergl. gebildet waren und denen durch Metallspangen größere Festigkeit verliehen wurde. Die H. des 11. Jahrh, zeigen von vorn konische, von der Seite ovale Form, mit Naseneisen und vier im Scheitel sich treffenden Bügeln. Ganz aus einem Stück Eisen getrieben kommen sie in gleicher Form mit Glocke ohne Bügel noch im 12. Jahrh. vor.

Im 13. Jahrh, kam gleichzeitig mit dem Topfhelm (Kübelhelm oder Stülphelm, s. Fig.3) die Kesselhaube (Becken Haube, Bassinet) auf. Die Topfhelme waren oben flach und folgten meistens der Wölbung des Gesichts. Bald mit schmalen, bald mit ziemlich weiten Augenschlitzen, meistens mit darunter befindlichen Luftlöchern versehen, wurden diese schweren, einem eisernen Topfe ähnelnden H. über den Kopf gestülpt, aus dem sie eigentlich nur hingen. Ende des 13. und Anfang des 14. Jahrh, ging dieser H. in eine Form über, die mehr auf den Schultern ruhte und mehr walzenförmig, oben rund oder stachkegelförmig geschlossen war. Während des ganzen 14. Jahrh, diente er namentlich als Kopfbedeckung im ritterlichen Lanzenkampf. Während die Ritter anfangs den Topfhelm über eine an der Brünne (s. d.) befestigte, den ganzen Kopf außer dem Gesicht bedeckende Haube aus Kettengeflecht (Helm brünne), wahrscheinlich jedoch erst im Augenblick des Kampfes, stülpten, trugen sie seit dem 13. Jahrh, unter dem Topfhelm, öfters aber auch ohne diesen, die Kesselhaube oder Beckenhaube, die dadurch entstand, daß der Oberteil jener Kapuze aus Kettengeflecht ausgeschnitten und in dieselbe eine anfangs der Schädelform angepaßte, später konisch mehr erhöhte und spitz geformte Haube aus glattem Blech eingesetzt wurde, um so das Drücken des Kettengeflechts auf den Schädel zu verhindern. Gleichzeitig mit der Kesselhaube entwickelte sich als eine besondere Kopfbedeckung für sich der mit einem Rand versehene, von Fußgängern im Kriege viel getragene Eisenhut (s. Fig. 4), der mittels eines ledernen, im Innern an angenieteten Plättchen befestigten Sturmbandes aus dem Kopfe festgebunden werden mußte.

Aus dem Topfhelm entstand durch Abplattung des Hirnstücks, verbunden mit einer Ausschweifung für das Gesicht, der schwere, auf Brust und Rücken herabreichende Stechhelm oder Krötenkopfhelm (s. Fig. 8), der in der Regel nur zum ernsten Turnier benutzt wurde. Aus der Verbindung des Eisenhutes als obern Kopfschutzes mit der von den Achseln aussteigenden Barthaube (Halsberge) gingen im 15. Jahrh. die Schallern (frz. salade; ital. celata) mit festem oder beweglichem Visier hervor (s. Fig. 5 u. 9). Um die Mitte des 15. Jahrh, war der von den Rittern gewöhnlich im Felde getragene H. der als Visierhelm bezeichnete Helmlin (f. Fig. 10), welcher, in der Höhe der Augen am weitesten ausladend, sich mit seinem kleinern, am Nackenteil oft mehrmals "geschobenen" Kragen über den Halsschutz der Rüstung legte. An der rechten Wange befand sich einStängelchen, dessen eines Ende um einen Knopf drehbar war, während das andere Ende einen gabelförmigen Einschnitt hatte, so daß es aufgestellt und das Visier offen gehalten werden konnte. Zwei Arten dieser Visierhelme unterscheidet man. 1) die nur einer kurzen Zeit angehörenden gestreiften