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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hempel - Henckel von Donnersmarck
Hempel, Gustav, Buchhändler, geb. 9. Jan.
1819 zu Waltershausen bei Gotha, errichtete 1816
in Berlin eine Verlagsbuchhandlung, die populäre
Lieferungswerke, wie Försters "Preußens Helden
im Krieg und Frieden", Zimmermanns "Wunder
der Urwelt", Bernsteins "Naturwissenschaftliche
Volksbücher",Littrows "Wunder des Himmels" u.a.,
pflegte, den größten Erfolg aber durch die "National-
bibliothek sämtlicher deutscher Klassiker" (1. Samm-
lung 715 Lsgn.; 2. Sammlung 151 Lfgn.) errang.
Es war dies nach dem Erlöschen der Verlagsprivi-
legien 1867 die erste billige Ausgabe der Meister-
werke der deutschen Litteratur, wobei H. neben Voll-
ständigkeit der Werke eines jeden Autors auf fehler-
freie Wiedergabe der unverfälschten Terte die größte
Sorgfalt verwendete. Am meisten Anerkennung
fand seine Ausgabe von Goethes Werken (36 Bde.),
besorgt von G. von Loeper, Fr. Strehlke und W. Frei-
herr von Biedermann. H. starb 13. Jan. 1877. Die
Firma "Gustav Hempel" ging 1877 über an H.
Bernstein (gest.4.Nov.1887), Hugo Bernstein
und V. Frank; sie wurde 1. Jan. 1887 mit "Dümm-
lers Verlagsbuchhandlung" (s. d.) in Berlin vereinigt
und ist wie diese seit 1888 im alleinigen Besitz von
Hugo Bernstein. H. war auch Mitinhaber der Land-
wirtschaftlichen Verlagsbuchhandlung in Berlin (seit
1881 "Paul Parey", s. d.). - Vgl. Sabell, Gustav
H. (Berl. 1877).
^ein^)?'. e< ^/^bgf., nach naturwissenschaft-
lichen Namen Abkürzung für Friedrich Wilhelm
Hemprich und Christian Gottfried Ehrenberg (s. d.).
Hemprich, Friedr. Wilh., Naturforscher, s.
Ehrenberg, Christian Gottfried.
Hems, in Syrien, s. Emesa.
Hemskinder, s. Haimonskinder.
Hemsterhuis (spr. -Heus), Tiberius, Holland.
Philolog, geb. 9. Jan. (nach andern 1. Febr.) 1685
zu Groningen, wurde von seinem Vater, einem Arzte,
vorbereitet, sodaß er schon im 14. Jahre die Uni-
versität seiner Vaterstadt besuchen konnte, wo er vor-
züglich Mathematik studierte. Einige Jahre darauf
ging er nach Leiden, um die Handschriften der dor-
tigen Universitätsbibliothek zu ordnen, und erhielt
1704 die Professur der Mathematik und Philosophie
zu Amsterdam, 1717 die der griech. Sprache zu
Franeker, die er aber erst 1720 antrat. Er wurde
1740 als Lehrer der griech. Sprache und der Ge-
schichte nach Leiden berufen, wo er 7. April 1766
starb. Er ist das vollendete Muster eines echten
Humanisten. Nach den Vorarbeiten von I. Scali-
ger und Saumaise gab er zuerst dem Studium der
griech. Sprache eine wissenschaftliche Grundlage und
wurde so der Stifter einer eigenen Schule, aus der
Ruhnken und Valckenaer als seine berühmtesten
Schüler hervorgingen. Seine Hauptwerke sind die
Ausgabe des "Onomastikon" von Pollur (2 Bde.,
Amsterd. 1706), die ausgewählten Gespräche des
Lucian (ebd. 1708 u. 1732) und der "I>ww8" des
Aristophanes (Harlingen 1744; vermehrter Abdruck
von Schäfer, Lpz. 1811). Aus seinem Nachlaß gab
Geel die "^nocäota. H6ni8t6r1iu8i3,ng." (Leid. 1825)
heraus. - Ein treffliches Bild seines Lebens und
Wirkens giebt Ruhnken in dem "Niobium Hßmgtßi--
Kusu" (Leid. 1768,1789 u. 1824), das in Deutsch-
land von Lindemann in den "Vitas äuuniviroruin
1. ÜLN^m^v^i ^ D. Nnkukönii" (Lpz. 1822) u. a.
von neuem herausgegeben wurde.
Sein Sohn, Franz H., Kunstkenner und philos.
Schriftsteller, geb. 1722 in Groningen, bekleidete,
nachdem er längere Zeit in Leiden und im Haag
gelebt hatte, die Stelle eines ersten Commis bei der
Staatskanzlei der Vereinigten Niederlande und starb
1790 im Haag. Er widmete sich besonders dem Stu-
dium der alten Philosophie, namentlich der Sokra-
tischen, suchte auch den durch Locke verbreiteten Sen-
sualismus weiter auszubilden und auf populäre
Weise darzustellen. Zu seinen ästhetischen und
archäol. Schriften gehören die"I^6ttr68 8m laäculp-
turs" (Haag 1769) und die "I^ttrs 8ur uns pisrrs
anthue" (ebd. 1762). DerReligionsphilosophiesind
der Dialog "^ri8t66, ou äs 1a äivinite" (1779) und
die "I^sttrs äs viocis" a. Diotiins 8iii- 1'kt1i6i8ms"
(1785) gewidmet. Außerdem schrieb er "8ni- Is
äsgir", "Zur I'doiQUis st 868 rapportä", "äiuion,
ou äs8 tacults8 äs I'ains", die Dialoge "^Isxig,
ou äs 1'ä,F6 ä'or" (1787) und "ßopli^is, on äs
1a zM1o8optiis" (1778). Seine "Wuvrsä ^Iiil080>
pkiHU68" gab Iansen 1792 heraus; schon vorher
waren die wichtigern deutsch, als "Vermischte phi-
los. Schriften des Franz H." (3 Tle., Lpz. 1783-92),
erschienen. Die neueste Ausgabe besorgte Meyboom
(3 Bde., Leeuwarden 1846 - 50). - Vgl. Grucker,
?ra,n(M8 II., 8H vis st. 868 wuvr68" (Par. 1866).
Henäres (spr. en-), Fluß in den span. Provinzen
Guadalajara und Madrid, entspringt in der Sierra
Ministra, stießt nach SW. und mündet nach einem
Laufe von 150 km bei Mejorada del Campo in den
Iarama. Er speist den Henareskanal und bewässert
so 12 000lia. im Tbale von Guadalajara und Alcala.
Hencke, KarlLudw., Astronom, geb. 8. April
1793 zu Driesen in der Altmark, machte als frei-
williger Jäger die Freiheitskriege mit und wurde
bei Lützen verwundet. Später war er an verschie-
denen Orten als Postbeamter, zuletzt als Postmeister
zu Friedeberg in der Neumark thätig. Nachdem er
seinen Abschied genommen, widmete er sich in Drie-
sen der Astronomie, wurde der Entdecker zweier klei-
ner Planeten, der Asträa (1845) und Hebe (l847),
und lieferte eine der Berliner akademischen Stern-
karten. H. starb 21. Sept. 1866 zu Marienwerder.
Henckel von Donnersmarck, ein in Schlesien
ansässiges Geschlecht, das seinen Ursprung von Peter
von Thurzo auf Donnersmarck oder Csötörtökhely
im Zipser Komitat herleiten will, der um 1378 zu-
erst den Namen Hen-Kell geführt und beibehalten
haben soll. - Lazarus H. (geb. 1551, gest. 1624),
kaiserl. Hofdiener, Handelsmann und Hoflieferant,
später Direktor der Bergwerke in allen kaiserl. Erb-
landen, erlangte 1615 den Reichsfreiherrenstand und
brachte sein Haus zu großem Ansehen; unter an-
derm erwarb er 1623 die schles. Herrschaften Beuthen
und Oderberg. - Von seinen Söhnen wurde La-
zarus II. H. (geb. 1573) 18. Dez. 1636 auch in den
böhm. Freiherrenstand, dann von Kaiser Ferdi-
nand III. 29. Juli 1651 in den Reichsgrafenstand
erhoben. Er hinterlieh bei seinem 1664 ersolgten
Tode drei Söhne, von denen der älteste, Graf Elias
H. (geb. 1603, gest. 1667), Stifter der 1803 erlofche-
nen Oderberger Linie wurde, der zweite, Graf Ga-
briel H. (geb. 1609), ohne männliche Nachkommen
1666 starb, der dritte, Graf Georg Friedrich H. (geb.
26. Aug. 1611, gest. 8. Sept. 1671), der Erbe des
zweiten'Anteils der Herrschaft Veuthen, Tarnowitz-
Neudeck, als Stifter der Veuthenschen Hauptlinie
Stammvater der noch jetzt blühenden Linien des
Geschlechts wurde. - Von seinen beiden Söhnen
stiftete der ältere, Graf Leo Ferdinand H. (geb.
1640, gest. 24. Febr. 1699), die kath. Linie zu