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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Heraldische Farben - Herat
ist (Deutsches Reich, 5iig. 5); der königlich preuh.
Adler, schwarz mit goldenen Nassen (d. h. Schna-
bel und Klauen), Kleestengeln in den Flügeln,
Scepter und Reichsapfel, auf der Brust den golde-
nen Namenszug A tragend (Fig. 6); der königlick-
gekrönte, in der rechten Pranke ein goldbegnfftcs
Schwert schwingende, doppelschweifige, von Silber
und Not neunmal geteilte Löwe in Blau (Großher-
zogtum Hessen, Fig. 7); der Zwischen dem silbernen
Gehörn mit goldener Lilienkrone gekrönte schwarze
Büffelkopf mit abgerissenem Halsfell und heraus-
geschlagenerroterZunge im goldenenFeldc (Mecklen-
burg, Fig. 8); der goldene Löwe in Schwarz (Reuß,
Fig. 10); der gekrönte goldene Löwe in Blau
(Schwarzbura, Fig. 11); desgleichen in mit gol-
denen senkrechten Schindeln besätem blauen Schilde
(Nassau, Fig. 12); die drei übereinander liegen-
den schwarzen Hirschhörner in Gold (Württemberg,
Fig. 15); der gekrönte doppelschweifige silberne
8öwe in Rot (Böhmen, Fig. 18); die drei mit den
Köpfen im Dreipaß zusammengestellten silbernen
Fische in Blau (Fig. 19); das schreitende silberne
Lamm in Not (Fig. 20). Künstliche Figuren sind
beispielsweise die drei silbernen Becher in schwarzem
Felde mit goldenem Bord (s. Taf. II, Fig. 16);
Phantasietiers beispielsweise der aufgerichtete sil-
berne Greis in Grün (Fig. 17) und der aufgerichtete
Pegasus (Fig. 21).
Hausmarken (s. Taf. I, Fig. 34 u. 35) sind
alte Familienabzeichen (Initialen), die später auch
erblich wurden und vielfach an die Stelle von Wap-
penbildern traten. (S. Hausmarke.)
Die H. ist in Deutschland entstanden, weshalb
die deutsche Sprache auch fast lauter echt deutsche
Kunstausdrücke für dieselbe besitzt. Dagegen haben
später die Franzosen für die weitere Ausbildung
viel gethan. Wissenschaftlich behandelt wurde sie
seit der Mitte des 17. Jahrh, von Gellot, Palliot
und besonders von dem Jesuiten Menestrier. Letz-
terer gewann um 1662 in Lyon Philipp Jakob Spe-
ner (s. d.) für die H., der in i'einem Werke "ibLoi-ia
in3iZninin i1Iu8ti'iuin" (auch u. d. T.: "Opu8 kera,!-
äwim", Frankf. 1690; 2. Aufl. 1717) diese Wissen-
schaft in Deutschland zuerst umfassend bearbeitete.
Nnter den nachfolgenden Bearbeitern sind Gattercr
(Abriß der H., 2. Aufl., Gott. 1792; Praktifche H.,
Nürnb. 1791), Bernd (Allgemeine Schriftenkundc
der gesamten Wappenwissenschaft, 4 Bde., Lpz.
1830-41; ders., Die Hauptstücke der Wappen-
wissenschaft, 2 Bde., Bonn 1841-49), Warnecke
(Heraldisches Handbuch, 6. Aufl., Frankf. a. M.
1892), und vor allen Karl von Mayer (Heraldi-
sches A-B-C-Buch, Münch. 1857) sowie von Hef-
ner (Handbuch der theoretischen und praktischen H.,
2 Tle., Münch. 1861, 1863), unter den Wappen-
büchern Siebmachers Großes vollständiges Wappen-
buch (6 Tle., nebst 12 Supplementen, Nürnb. 1772
-1806; neue Aufl. 1854 fg.) zu nennen. - Vgl.
auch E. von Sacken, Katechismus der H. (5. Aufl.,
Lpz. 1893); Gritzner, Grundsätze der Wappenkunst,
verbunden mit einem Handbuch der heraldischen
Terminologie (Nürnb. 1890).
HeraldifcheFarben,s.Farben(inderZeraldik).
knöpf mit einem heraldischen Adler (s. Adler, Bd. 1,
S. 146 d). Feldwebel und Sergeanten tragen einen
großen, Gefreite einen kleinen H. A. an beiden
leiten des Kragens über den Achseltlappen; Unter-
offiziere tragen nach dem Besuch der Schießschule in
Spandau auf den Armelpatten anstatt der sonst
üblichen Uniformknöpfe solche mit einem heraldischen
Adler. - Die heraldischen Knöpfe der andern Kon-
tingente sind dem Wappen nach verschieden. So
zeigen die sächsischen das sächs. Landeswappen, die
bayrischen das bayrische u. s. w.
Heraldische Tinkturen, s Farben (in der
Heraldik) und Heraldik.
Heraldus, s. Herault, Didier.
Heräon, s. Heraien.
Herapathit, schwefelfaures Jod-Chinin,
402<)Il24^202-3Il2304-6'l4'3Il20, eine organische,
wegen ihrcr optischen Eigenschaften bemerkenswerte
Verbindung, wird dargestellt, indem man saures
schwefelsaures Chinin in einer Mischung von Essig-
säure und Weingeist löst und Jodtinktur hinzufügt.
Nach einiger Zeit scheiden sich Krystalle aus, die
entweder in Form von kreuzweis gruppierten Nadeln
oder viereckigen, achteckigen, rhombischen Tafeln er-
scheinen. Die Krystalle sind, im durchfallenden Licht
gesehen, hell grasgrün, bei reflektiertem Licht metall-
glä'n?end, kantharidengrün. Ihr Polarifationsver-
mögen ist fünfmal größer als das des Turmalins.
Herät. 1) Landschaft in Afghanistan, im NO.
des Hochlandes von Iran, das alte Aria, reicht vom
Sesid-koh, der westl. Fortsetzung des Hindukusch, süd-
wärts bis in die Gegend des Hamunsumpfes in
Seistan und wird im W. von der pers. Provinz
Chorassan, im O. und SO. von der afghan. Pro-
vinz Kandahar begrenzt. Zwischen den innern Aus-
läufern des Sesid-koh und des Sija-koh, und zwar
mehr nördlich, bildet die Thalebene des Herirud ss. d.),
der Hauptteil des Landes, einen fruchtbaren Isth-
mus zwischen Bergeinöden, Steppen- und Wüsten-
gebieten. Im nördl. Teile wohnen die Kisilbasch,
persisch redende Schiiten türk. Abkunst, die Aimak,
ein Zweig der die ursprüngliche iran. Bevölkerung
noch repräsentierenden Tadschik und Sunniten,
unddieschiitischenHasara,turanischcrAbstammung.
In der Thalebene weiter südlich besteht die Bevölke-
rung in der Mehrzahl aus Tadschik, in der Minder-
zahl aus Afghanen, sowie teilweise aus Turkmenen
und Juden. Man schätzt die Einwohnerzahl von
H. mit den abhängigen Bezirken auf 754000 E.
- 2) Hauptstadt der Landschaft, der einzige wichtige
Ort der Provinz, liegt 34° 22' nördl. Br. und 62° 3"
öftl. L. von Greenwich, 640 km im W. von Kabul
in der fruchtbaren Thalebene des Herirud und zwar
6 km im N. des hier von einer Brücke mit 26 Bogen
überspannten Flusses. Die Stadt hatte früher
100000, jetzt infolge wiederholter Eroberungen etwa
noch 45000 E. Dieselbe bildet ein längliches Vier-
eck mit einem Erdwall, der oben mit einer Vackstein-
mauer, Türmen und Thoren versehen ist. Am nördl.
Ende befindet sich eine Festung mit einem 10 in
breiten Wassergraben. H. hat finstere und schmutzige
Gassen, einen unansehnlichen fürstl. Palast und eine
verfallende Moschee (13. Jahrh.). Die Umgegend
zeigt Spuren einstiger Größe und Herrlichkeit; stun-
denweit erstrecken sich die Ruinen. Das Flußthal
ist mit Frucht- und Blumengärten, Weinbergen,
Kornfeldern, Dorfschaften, Landhäusern, grünem
Rasen, Buchen, Quellen und Springbrunnen be-
deckt. Der Königsgarten, Vagh-i-Schahi, galt einst
für ein Wunder der Welt. H. produziert Säbel-
klingen, Rosenwasscr, Seide- und Wollteppiche und
vermittelt die Versorgung von Kerman, Iesd und
Ispahan mit ind. Erzeugnissen. Die Stadt gilt als
Schlüssel zu der einzigen Straße, die aus Persien