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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Herba - Herbarien
chester, gest. 1847 in London; er schrieb besonders
über Arnaryllidaceen.
Uorda. (lat.), Kraut, pharmaceutische Bezeich-
nung der ofsizinellen Kräuter. In dem neuen Arznei-
buch für das Deutsche Reich werden aufgeführt:
II. ^däiMliii (s. Absinth); H. ^ai-äui dsnßäicti
<s. (^niciiF); II. Oßntani'ii (s. Tausendgüldenkraut);
II. Ooe^ieHi'iae (f. O^iearia); II. (^onii (s. (^">
nwin); H.H^osc^ami (s.II^oLc^muL); H.I^odsiiHß
is.I^odelia); H.Nßliloti (s. N6ii1ow8); H. goi-p^iii
fs. M71QU8I; H. Id^mi (s. 'Il^inuä); H. Viowk
tricolori" (s. Viola). - Früher galten noch als ofsi-
zinell: II. ^äi^nti rudi-i ss. ^Zpieninm); H. Vo-
N-.V03 N6xicHNH6 (s. (^ienopoäwin); II. lÜHpilioruili
V6U6li8 (s. ^äi^ntunl); H. l^6t6ra,cd (s. 06^613.cd);
H. ^IiLliäoiiii is. (üieliäouiuin); II. (rive^rrliixae
8i1v63tl-i8 (s. ^8tl-NFÄiu8).
Herbarien (lat.), Sammlungen getrockneter
Pflanzen, ausgenommen diejenigen Botanischen
Sammlungen (s. d.), die bloß bestimmte Pflanzen-
teile enthalten, wie Samen-, Frucht-, Holzsamm-
lungen u. s. w. Allerdings ist es nur in wenigen
Fällen möglich, ganze Pflanzen getrocknet aufzube-
wahren ; aber immerhin müssen doch in einem Her-
barium die charakteristischen Teile der Pflanzen
sämtlich vorhanden sein, wenigstens soweit es die
Art der Aufbewahrung zuläßt. Ein nach wissen-
schaftlichen Principien gesammeltes und geordnetes
Herbarium ist deshalb der wichtigste Teil aller botan.
Sammlungen, denn keine Abbildung und auch keine
Beschreibung kann bei vergleichenden Studien das
natürlich getrocknete Material ersetzen.
Die Anforderungen, die an ein Herbarium ge-
stellt werden müssen, sind vor allem: möglichste Voll-
ständigkeit sowohl in der Artenzahl als auch in der
einzelnen Pflanze, und zweitens genaue Angaben
über den Standort, die Zeit des Sammelns und
den Namen des Sammlers. Ferner ist eine leichte
Übersichtlichkeit dringend notwendig; diese wird am
besten dadurch erreicht, daß das Herbarium nach
einem größeren Kompendium der Systematik, wie
etwa Ventham und Hookers "(^snei-a plantNi-uin",
oder auch die einzelnen Familien nach bestimmten
Monographien geordnet werden. Für pflanzen-
geogr. Zwecke empfiehlt es sich auch, Specialher-
barien der einzelnen Florengebiete anzulegen.
Beim E ins am m e ln der Pflanzen für die H. muß
zunächst darauf Rücksicht genommen werden, die zum
Trocknen bestimmten Individuen in gesunden, kräf-
tigen Exemplaren und möglichst vollständig zu er-
balten. Ist die Möglichkeit vorhanden, von einem
Standort mehrere Exemplare derselben Pflanze mit-
zunehmen, so ist es am empfehlenswertesten, solche
zu sammeln, die in der Größe des Stengels, der
Blätter, überhaupt in allen Merkmalen am meisten
voneinander abweichen, was bei der großen Varia-
bilität mancher Pflanzen von großer Wichtigkeit ist.
Der Transport der gesammelten Pflanzen geschieht
am besten in einer sog. Botanisiertrommel oder in
einer Mappe, die einige Buch Fließpapier enthält,
über das Einlegen und Trocknen der gesammelten
Pflanzen lassen sich kaum allgemeine Vorschriften
geben, weil die einzelnen Pflanzen je nach ihrer hol-
zigen,steifchigen,zarten Beschaffenheit verschieden be-
handeltwerden müssen. Da es nicht darauf ankommt,
die Pflanzen nach ästhetischen Rücksichten zu präpa-
rieren, sondern vielmehr darauf, daß die charakte-
ristischen Merkmale auch an den getrockneten Exem-
vlaren deutlich hervortreten, so wird man stets beim
Zurichten für das Herbarium die Laa^e der ein-
zelnen Teile so treffen, daß dieselben ein möglichst
treues Bild des natürlichen Zustandes geben und
eine nachträgliche genauere Untersuchung noch zu-
lassen. Man legt am besten die zu trocknenden
Pflanzen zwischen Stöße von Fliehpapier, nachdem
man sie vorher sorgfältig auf einem Bogen ausge-
breitet hat und zwar so, daß die einzelnen Teile
möglichst wenig aufeinander zu liegen kommen,
bringt fodann die so vorbereiteten Pakete in eine
Presse und beschwert dieselben mit größern oder ge-
ringern Gewichten, je nach der derben oder zarten
Beschaffenheit der Pflanzen. Um ein schnelles Trock-
nen zu erzielen, was zur Erhaltung der natürlichen
Farbe viel beiträgt, muh man die gepreßten Pflanzen
häufig zwischen andere trockne Stöße von Flieh-
papier einlegen; hauptsächlich ist dies bei saftigen
Pstanzenteilen notwendig, da bei diesen sonst leicht
ein Verschimmeln eintritt. Für schnelles Trocknen,
vorzugsweise auf längern Reisen, wo man nicht
immer die nötige Menge frischen Fließpapiers zur
Hand hat, eignen sich ganz besonders gut die sog.
Drahtgitterpressen, die aus zwei rechteckigen, von
einem Rahmen aus starkem Eisenblech umgebenen
Drahtgittern bestehen und mit Ösen versehen sind.
Die fertig getrockneten Pflanzen werden sodann
unter genauer Angabe des Standortes, der Boden-
verhältnisse an demselben, der Zeit des Sam-
melns u. s. w. in das Herbarium eingereiht, am
besten in der Weise, daß man jedes Exemplar lose
in einen Bogen starken Papiers legt. Da viele
Pstanzenteile im Herbarium sehr leicht durch In-
sektenfraß zerstört werden können und somit un-
brauchbar werden, so ist es notwendig, insettenver-
tilgende Mittel anzuwenden; es giebt deren mehrere,
hauptsächlich starkriechendeSubstanzen,wieKampfer
u. dgl. Doch alle diese wirken nicht so sicher als ein
vollständiges Vergiften der Pflanzen selbst. Man
nimmt hierzu am besten die alkoholische Quecksilber-
ckloridlösung, taucht in diese die aufzubewahrenden
Pflanzen längere Zeit ein und läßt sie dann an der
Luft wieder trocknen. Für die niedern Kryptogarnen,
hauptsächlich Algen und Pilze, sind besondere Vor-
sichtsmahregeln notwendig. Manche Pilze, haupt-
sächlich die parasitisch auf höhern Pflanzen lebenden,
lassen sich leicht mit den betreffenden Wirtspflanzen
selbst aufbewahren, dagegen bieten andere, wie die
Hutpilze, dem Präpaneren große Schwierigkeiten
dar; man thut am besten, wenn man ein paar Längs-
lamellen durch Hut und Stiel macht und diese wie
andere Pflanzen behandelt. Die meisten niedern
Pilze, wie Myxomyceten, Bakterien, Schimmelpilze
u. s. w., eignen sich überhaupt nicht fürs Herbarium,
sondern sie müssen in Alkohol oder in einer andern
konservierenden Flüssigkeit aufbewahrt werden. Das-
selbe gilt auch von den Algen, nur die größeren For-
men derselben, wiedieRhodophyceen,Phaeophyceen,
können in ähnlicher Weise wie die höhern Pflanzen
präpariert werden. Um dieselben in möglichst na-
türlicher Lage auf einem Bogen ausbreiten zu kön-
nen, legt man sie in ein flaches Gefäß mit Wasser,
in dem sie aber immerhin noch herumschwimmen
können, sodann fährt man mit einem Bogen festen
Papiers unter die Alge und hebt sie allmähkcy so
aus dem Wasser heraus, daß ihre Lage unverändert
bleibt und das Wasser langsam abfließen kann.
Man erhält auf diese Weise sehr gute Präparate.
Das Herbeischaffen des Materials für große H.
läßt sich natürlich nur durch ausgedehnte botan.