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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Herbiferisch - Herbst (Eduard)
zunächst wieder im Ministerium, beteiligte sich 1876
als Delegierter Frankreichs an den Beratungen der
Europäischen Donaukommission (s. d.), 1878 an
denen des Berliner Kongresses (s.d.), trat im selben
Jahre in das Ministerium zurück und wurde dort
1880 zum Direktor ernannt. Seine hohe Begabung
und außergewöhnliche Arbeitskrast verschafften ihm
bald das Vertrauen des Ministers Freycinet. H.
leitete die Personal- und Centralabteilung des
Ministeriums, nahm an der Beratung aller wich-
tigen polit. und diplomat. Fragen teil und war dem
Ministerpräsidenten häufig bei den parlamentari-
schen Verhandlungen eine wertvolle Stütze. Als
1882 Freyeinet, der ihn zu seinem Kabinettschef
gemacht batte, aus dem Ministerium schied, verlieh
auch H. den Staatsdienst, trat jedoch mit Frcy-
cinet 1885 wieder in seine frühere Stellung zurück.
Als 1886 der Votschafterposten in Berlin erledigt
wurde, erhielt ihn H., der durch sein versöhnliches,
maßvolles Auftreten der Sache des Friedens wich-
tige Dienste leistet. Ein offizieller Bericht, den H.
an seine Negierung erstattete, ist u. d. T. "1.68 con-
äitiong clu travaii 6n ^.1l6inÄFN6" (Par. 1890)
veröffentlicht worden. ^kräuterreich.
Herbiferifch (lat.), Kräuter hervorbringend,
Noi-dipolis, lat. Name für Würzburg.
Herbivoren (Ilni-divöra, lat., d. h. Kräuter-
fresser), im Gegensatz zu Karnivoren (s. d.) diejenigen
Tiere, welche ihre Nahrung ausschließlich oder vor-
zugsweise aus dem Pflanzenreiche wählen.
Herbolzheim, l^tadt im Amtsbezirk Emmen-
dingen des bad. Kreises Freiburg, an der Bleich
und der Linie Heidelberg-Basel der Bad. Staats-
bahnen, Sitz eines Nebenzollamtes, hat (1890)
2269 meist kath. E., Post, Telegraph, Cigarren-
fabriken, Dlmühle, mechan. Neberei und Bleiche,
Sand- und Kalksteinbrücke, Wein-, Tabak- und
Hanfbau. Dabei die Wallsahrtskapelle Mariasand.
Herborn, Stadt im Tillkreis des preuß. Reg.-
Bez. Wiesbaden, am Fuß des Westerwaloes, an
der Dill und an der Linie Deutz-Gießen der Preuh.
Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landge-
richt Limburg) und einer Obcrförsterei, hat (1890)
3125 E., darunter 193 Katholiken und 55 Israeli-
ten; Post zweiter Klasse Telegraph, Reste der alten
Befestigungen <13. Jahrh " altes Rathaus, 1589-
1629 erbaut, spätgot. Kirche, 1231 dem Deutschen
Orden gehörig, kath. Klrcde, Synagoge, ein Schloß
(1100), ein Seminar im Schloß, 1817 aus der 1584
von Graf Johann dem Altern von Dillenburg ge-
aründeten Hohen Sckule hervorgegangen, eine Real-
schule, eine Präparandenanstalt 'für'Volksschulleh-
rer, städtisches Krankendaus; Gasanstalt, Hochdruck-
wasserlcitung, Agentur der Landesbank, Volksbank,
Altertums- und Geschichtsverein; serner zwei Eisen-
gießereien, Lederfabriken und -Färbereien, Fabrika-
tion von eisernen Pumpen und Feuerherden, Che-
mikalien, eisernen Möbeln und Teigwaren, sechs
Brauereien, Buchdruckerei, photogr. und lithogr.
Anstalten, Vieh- und Jahrmärkte.
Herbort von Fritzlar, Dichter, aus der Hess.
Stadt Fritzlar gebürtig, geistlichen Standes, dichtete
noch jung, bald nach 1200, in mitteldeutscher Mund-
art auf Anregung des Landgrafen Hermann von
Thüringen als Erstlingswerk sein "Liet von Troie",
die älteste deutsche Bearbeitung der Trojanersage,
nach dem franz. "lioinan äe ^roie" von Benoit
(s. d.) de Sainte-More. Trotzdem erHeinrich vonVel-
dcke stark benutzt, zeigt er wenig Einfluß des höfi-
schen Stils, neigt zu den Roheiten, aber auch zu
der Wahrheit der volkstümlichen Rede; das Origi-
nal kürzt er stark und flicht deutsche Anschauungen
ein. Aus antiken Autoren bessert er Benoits Entstel-
lungen. Ausgabe von Irommann (Quedlinb.1837).
- Vgl. Frommann in Pfeiffers "Germania", Bd. 2.
Herbos (lat.) oder herbös (frz.), kräuterreich.
Herbst, im gewöhnlichen Leben diejenige Jahres-
zeit, die den Übergang vom Sommer zum Winter
bildet und während welcher die Temperatur sinkt und
die Vegetation allmählich abstirbt; in der Astrono-
mie diejenige Zeit des Jahres, in der sich die Sonne
dem Äquator nähert und die Tage abnehmen. Der
astronomische H. beginnt daher mit der Nacht-
gleiche (s. Äquinoktium) und dauert bis zur nächsten
Sonnenwende (s. d.), wenn die Sonne um Mittag
ihren tiefsten Stand über dem Horizont und der Tag
die kürzeste Dauer erreicht hat. Auf der nördl. Halb-
kugel beginnt er um den 23. Sept. und dauert bis
zum 21. Dez., auf der füdl. Halbkugel beginnt er
um den 21. März und dauert bis zum 21. Juni.
Auf der nördl. Halbkugel ist seine Dauer sonach
3Tage kürzer als auf der südlichen. (S.Jahrcszeiten.)
Der meteorologische H. ist von dem astrono-
mischen H., den die Kalender angeben, verschieden;
in Mitteleuropa setzt man den Anfang des erstern
meist auf den 1. Sept., da die herbstliche Witterung,
die durch das Verfärben und Abfallen der Blätter
aller blattwechselnden Bäume, durch das Verwelken
der kraut- und grasartigen Pflanzen, durch das Er-
scheinen gewisser Blumen (Herbstblumen) und das
Reifen einer Menge Früchte charakterisiert ist, im
September beginnt. In Meteorolog. Hinsicht und in
Bezug auf Bodenkultur wie im allgemeinen Sprach-
gebrauch gelten daher als H. die drei Monate Sep-
tember, Oktober und November.
In der Landwirtschaft begreift man unter H.
die Zeit des Einfammelns der Früchte und nament-
lich beim Wein die Ernte oder Lese (Weinlefe).
Herbst, Eduard, österr. Politiker, geb. 9. Dez.
1820 zu Wien, studierte daselbst die Rechte, trat
hierauf bei der Hofkammerprokuratur in den Staats-
dienst und wurde 1847 zum ord. Professor der Rechts-
philosophie und des Strafrechts an der Universität
Lemberg ernannt. 1858 ging er in gleicher Eigen-
schaft nach Prag. Nach "Erscheinen des Februar-
patents von 1861 wurde H. von dem Landwahlbe-
zirk Hainspach-Schluckenau im nördl. Böhmen ein-
stimmig als Abgeordneter in den böhm. Landtag
gesandt und von diesem in das Abgeordnetenhaus
des Neichsrats gewählt, wo er als Führer der deut-
schen und konstitutionellen Partei zu den thätigsten
Mitgliedern und vorzüglichsten Rednern zählte.
1867 trat H. in das Bürgerministerium des Fürsten
Carlos Auersperg als Iustizminister. Als solcher
sührte er wichtige Reformen durch, z.B. die Auf-
hebung derPerfonalhaft des Schuldners, die Einfüh-
rung der Jury für Prehdelikte, die Organisierung der
Bezirksgerichte und insbesondere die konfessionellen
Gesetze von 1868. Im 1.1870 legte er dieses Amt
nieder und trat an die Spitze der verfassungstreuen
parlamentarischen Opposition, bekämpfte mit Nach-
druck das Ministerium Potocki und im Reichsrat
wie im Landtag diePolitik des Ministeriums Hohen-
wart und dessen Fundamentalartikel bis zum Sturze
Hohenwarts im Okt. 1871. Dann gehörte H. zu
den Führern der verfassungstreuen Regierungspar-
tei im Abgeordnetenhaufe und war Mitglied des
Vorstandes der alle liberalen deutschen Abgeordne-