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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Herdersche Verlagshandlung - Hereford

machte er eine Reise nach Serbien, um den Bergbau dieses Landes wieder emporzubringen. Er starb 29. Jan. 1838 zu Dresden. Nach seinem Tode erschien die Schrift «Der tiefe Meißener Erbstolln» (Lpz. 1838) und «35 Tafeln Abbildungen der vorzüglichsten Apparate zur Erwärmung der Gebläseluft auf den Hüttenwerken» (Freiberg 1840).

Herdersche Verlagshandlung in Freiburg i. Br., gegründet 1801 als Buchhandlung und Buchdruckerei in Meersburg am Bodensee von Bartholomäus Herder (geb. 22. Aug. 1774 zu Rottweil, gest. 11. März 1839), bald darauf nach Konstanz und 1810 als «Herdersche Universitätsbuchhandlung» nach Freiburg verlegt. Herder druckte seit 1813 die «Teutschen Blätter» mit den offiziellen Armeenachrichten und begleitete 1815 als k. k. Feldbuchdrucker im Gefolge Metternichs die Verbündeten nach Paris. Nach der Rückkehr verband er mit der Buchdruckerei Anstalten für Lithographie, Kupferstich und plastische Kunst, aus denen hervorgingen die «Heiligen Schriften Alten und Neuen Testaments mit biblischen Kupfern» (200 Tafeln), die «Bildergalerie zum Konversations-Lexikon» (6. Aufl. 1839), die «Denkmale der deutschen Baukunst des Mittelalters am Oberrhein» (1825‒30), Weiß und Wörls «Atlas von Centraleuropa» (60 Blätter), Wörls «Atlas von Südwestdeutschland», Kauslers «Schlachtenatlas» (1830‒38, 213 Blätter). Der Verlag umfaßte außerdem kath. Theologie, Erziehungsschriften, Naturwissenschaften, Geschichte, darunter Rottecks «Allgemeine Geschichte» (9 Bde. bis zur 14. Aufl. 1840). Den kath. Charakter des Geschäfts entwickelten seine Söhne und Nachfolger, Karl Raphael Herder (geb. 1816, am Geschäft beteiligt bis 1856, gest. 1865) und Benjamin Herder (geb. 31. Juli 1818, gest. 10. Nov. 1888), besonders letzterer, noch kräftiger und machten es auf diesem Gebiete zu einem der bedeutendsten in Deutschland. Besitzer seit 1888 ist der Sohn des vorigen, Hermann Herder (geb. 14. Nov. 1864), Teilhaber seit 1868 Franz Jos. Hutter, geb. 25. Nov. 1840 in Ravensburg.

Der Verlag umfaßt das «Kirchenlexikon oder Encyklopädie der kath. Theologie», hg. von H. J. Wetzer und B. Welte (12 Bde., 1847‒56; 2. Aufl. 1882 fg.), die Volksschriften von Alban Stolz (16 Bde.), zahlreiche Unterrichtsbücher für kath. Elementar-, mittlere und höhere Schulen, die «Theol. Bibliothek» (Bd. 1‒24, 1873 fg.), Hefeles «Konziliengeschichte», die «Collectio Lacensis conciliorum recent.» (7 Bde., 1870‒92), Apologien des Christentums von C. H. Vosen, F. Hettinger, A. M. Weiß, die polemischen Schriften J. Hergenröthers, die Sammlung histor. Bildnisse (40 Bändchen, 1857‒91), Herders «Konversations-Lexikon» (4 Bde., 1875‒79), Janssens «Geschichte des deutschen Volks seit dem Ausgange des Mittelalters» (Bd. 1‒6, zum Teil in 16 Aufl.), die «Ascetische Bibliothek» (Bd. 1‒40),das «Jahrbuch der Naturwissenschaften» (1886 fg.), «Staatslexikon, herausgegeben im Auftrag der Görres-Gesellschaft» (1890 fg.); die Zeitschriften «Stimmen aus Maria Laach» (1864 fg.), «Kath. Missionen» (1873 fg.), «Litterar. Rundschau für das kath. Deutschland» (1875 fg.) u. a.

Die Verlagshandlung hat Zweigniederlassungen in Straßburg (seit 1867), in München und St. Louis (seit 1873), in Karlsruhe (1880), in Wien (1886). Die Buchdruckerei hat 14 Schnellpressen, Stereotypie, Galvanoplastik und Buchbinderei. Gesamtzahl der beschäftigten Personen 300, für welche Sparkasse und Hilfskasse bestehen. – Vgl. Bartholomäus Herder und seine Buchhandlung (Münch. 1879); Weiß, Benjamin Herder. Fünfzig Jahre eines geistigen Befreiungskampfes (2. Aufl., Freib. i. Br. 1890). ^[Spaltenwechsel]

Herdfeuer, s. Feuerungsanlagen(Bd. 6, S. 744 b).

Herdfrischen, ein Prozeß der Eisenerzeugung (s. d., Bd. 5, S. 926 a); Herdfrischstahl oder Herdstahl, der durch H. erzeugte Stahl.

Herdgeld oder Schlüsselgeld, eine Summe Geldes, die in manchen Gegenden herkömmlich an die Ehefrau des Verkäufers oder an dessen Töchter beim Kauf eines Landgutes oder eines Hauses außer dem Kaufpreis vom Käufer gezahlt wird.

Herdglas, s. Glas (Bd. 8, S. 39 a).

Herdguß, Bezeichnung für Eisengußwaren (s. d.), die in offenen Gußformen (s. d.) hergestellt werden. (S. Formerei, Bd. 6, S. 978 b.)

Herdöfen, s. Feuerungsanlagen (Bd. 6, S. 744 b).

Herdstahl, der durch das Herdfrischen (s. Eisenerzeugung, Bd. 5, S. 926 a) erzeugte Stahl.

Herdsteuer, s. Gebäudesteuer (Bd. 7, S. 614 a).

Here, Göttin, soviel wie Hera (s. d.).

Heredĭa (spr. er-), Stadt in der centralamerik. Republik Costa-Rica, 10 km im NW. von der Hauptstadt San José, am Südfuße des erloschenen Vulkans Barba, an der Eisenbahn nach Alajuela, hat (1892) 6047 E., Viehzucht und Kaffeeplantagen.

Heredieren (hereditieren, lat.), erben; ein Schiffspartner sein; hereditär, erblich.

Hereditäre Belastung, die ererbte Anlage zu Geisteskrankheiten (s. d., Bd. 7, S. 707 b).

Hereditäre Krankheiten, s. Erbliche Krankheiten.

Heredĭtas (lat.), Erbschaft (s. d.); H. im biolog. Sinne, s. Erblichkeit.

Heredität oder Erblichkeit in physiol. Sinne, s. Erbliche Krankheiten.

Hereditātis petitĭo (lat.), s. Erbschaftsklage.

Hereford (spr. herrĕf’rd). 1) Grafschaft im westl. England, grenzt im W. an Wales, hat 2156,56 qkm und (1891) 115986 E., d. i. 54 auf 1 qkm. H. bietet einen schönen Wechsel von Hügeln, Thälern und Ebenen dar. Am höchsten sind die Malvern-Hills an der Ostgrenze. Gegen S. abgedacht, sendet das Land seinen bedeutendsten Fluß, den Wye (s. d.), zum Severn. Der Boden ist so fruchtbar, wie sonst nirgends in England. Neben Getreidebau, namentlich Weizen und Gerste, herrscht Obstkultur. Apfel- und Birnwein ist ein Stapelartikel. Der Absatz geht meist nach London und Bristol, von da nach Amerika und Westindien. Nebenbei wird Hopfen gebaut. Das hier gezüchtete Rindvieh wird sehr geschätzt, weniger bedeutend ist die Schaf- und Pferdezucht. Die Wälder geben viel Eichenholz, das Mineralreich fast nur Eisen und Marmor. Mit Ausnahme des Webens grober Wollstoffe fehlen Manufakturen. Nur 10 Proz. der Bevölkerung ist industriell thätig und die früher schwunghafte Tuchbereitung in Ledbury ist eingegangen. Die Grafschaft sendet zwei Abgeordnete in das Parlament. – 2) Hauptstadt der Grafschaft H. Municipal- und Parlamentsborough, in freundlicher und fruchtbarer Gegend links am Wye und am Gloucesterkanal, Kreuzungspunkt von fünf Eisenbahnen, ist seit 673 Sitz eines Bischofs, hat (1891) 20267 E., ein College für kath. Theologen und eine 1070 begonnene, 1530 vollendete und 1856‒63 restaurierte Kathedrale, 104 m lang, in den Querschiffen 44 m breit, die in ihren verschiedenen Teilen alle engl.