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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Herodianus (Grammatiker) - Heroisch
in acht Büchern, welche den Zeitraum 180-238 n. Chr. von Commodus bis zur Erhebung von Gordianus III. umfaßt. H. ist wenig zuverlässig, bietet aber immerhin wertvolle Ergänzungen zu dem Geschichtswerke des Dio Cassius. Am meisten Wert haben die letzten Bücher. Die besten Ausgaben haben Irmisch (5 Bde., Lpz. 1789-1805), Bekker (Berl. 1826 und Lpz. 1855) und Mendelssohn (Lpz. 1883), deutsche Übertragungen Osiander (2 Bde., Stuttg. 1830) und Stahr (ebd. 1858) geliefert. - Vgl. Sievers, Über das Geschichtswerk des H. (im 26. und 31. Bande des "Philologus"); die Abhandlungen von Zürcher, Müller, Dädliker in den "Untersuchungen zur röm. Kaisergeschichte" (hg. von Büdinger, 3 Bde., Lpz. 1868-70); Hofner, Untersuchungen zur Geschichte des Septimius Severus (Gieß. 1872 fg.); A. Duncker im 33. Bande des "Philologus"; Kreutzer, De Herodiano rerum romanorum scriptore (Bonn 1881).
Herodiānus, Älius, griech. Grammatiker des 2. und 3. Jahrh. n. Chr., aus Alexandria, war der Sohn des Apollonius Dyskolos. Er gelangte in Rom unter Marc Aurel zu hohem Ansehen und verfaßte eine große Anzahl Schriften grammatischen und prosodischen Inhalts, von denen ein großer Teil in Auszügen oder in Bruchstücken noch vorhanden ist. Sein Hauptwerk war die "Katholikē prosōdia", eine Accentlehre in 21 Büchern. Das Erhaltene gab Lentz als "Herodiani technici reliquiae" (2 Bde., Lpz. 1867-70) heraus, wozu in Uhligs "Corpus grammaticorum graecorum" ein Ergänzungsband erscheinen soll.
Herodĭas, Gemahlin des Herodes Antipas, s. Herodes (der Große).
Herodĭus, Silberreiher, s. Reiher.
Herŏdot, der älteste griech. Geschichtschreiber, der "Vater der Geschichte", geb. um 500 v. Chr. zu Halikarnaß in Karien, bildete sich, durch Rat und Beispiele eines Verwandten, des Epikers Panyassis, aufgemuntert, vorzüglich durch die Lektüre der griech. Dichter, vor allen des Homer. Er scheint schon frühzeitig zu dem Entschlüsse gekommen zu sein, nach dem Vorgange der Logographen ein geschichtliches Werk von größerm Umfange zu schreiben und, unterstützt von dem Ansehen und Reichtum seiner Familie, für diesen Zweck die entlegensten Länder und Völker durch eigene Anschauung kennen zu lernen. Obgleich die Zeitfolge und Ausdehnung dieser Reisen von den Alten in widersprechender Weise erzählt wird, kann doch aus seiner eigenen Mitteilung als zuverlässig angenommen werden, daß er außer den von Griechen bewohnten Inseln und Küstenstrichen Kleinasiens die meisten der zum Persischen Reiche gehörigen Teile von Asien und Afrika durchwanderte, wo besonders Ägypten ein Gegenstand seiner Aufmerksamkeit und Forschung wurde. Ferner ist sicher, daß er sich nähere Kunde von Phönizien, von Tyrus und Sidon verschaffte, daß er bis Babylon und Arderikka bei Susa und bis Ekbatana vordrang, ebenso daß er die Küstenländer des Schwarzen Meers besuchte. In der Heimat beteiligte er sich an dem Sturz des Tyrannen Lygdamis von Halikarnaß (vor 454 v. Chr.) und begab sich dann nach Samos, wo er das zusammengebrachte Material zu verarbeiten begann. 445 v. Chr. soll H., außer an andern Orten, auch in Athen, wo er mit Perikles und Sophokles befreundet war, aus seinem Geschichtswerke öffentlich vorgelesen haben. Hierauf begab er sich, vielleicht mit dem Kolonistenzuge 444 v. Chr., nach Thurii in Italien. Zweifelhaft ist, ob H. sich noch einmal längere Zeit in Athen aufgehalten und ob er in Athen oder in Thurii sein Werk "Historiēs apodexis" bis zu der Gestalt, in der er es hinterließ, weiter geführt hat. Er starb wohl um 424 v. Chr. in Thurii.
H.s Werk, welches erst spätere in neun nach den neun Musen benannte Bücher eingeteilt haben, ist im ion. Dialekt verfaßt. Es umfaßt einen Zeitraum von 320 Jahren bis zur Schlacht bei Mykale (479) und hat zur eigentlichen Aufgabe die Schilderung der Kampfe der Griechen und Barbaren. Schilderungen der den Hauptereignissen näher oder ferner liegenden Länder und Völker, wie der Lyder, Ägypter, Babylonier, Scythen, sind in zahlreichen Episoden eingefügt. Die Darstellung ist einfach und von großer Anmut. Die Treue und Genauigkeit der Angaben des H. ist von jeher anerkannt und bestätigt worden, wenn auch seine Unkenntnis fremder Sprachen ihn mitunter irreführte und ein gewisser Mangel an Objektivität im allgemeinen durch seine theol. Anschauungen hervorgerufen wurde, wie im einzelnen durch seine Voreingenommenheit für Athen, welche Spätere, wie z. B. Plutarch, angreifen zu müssen meinten. Unter den zahlreichen Ausgaben sind hervorzuheben die von Schweighäuser (6 Bde., Straßb. und Par. 1816), Bahr (4 Bde., Lpz. 1830-35; 2. Aufl., 1855-61) und Stein (2 Bde., Berl. 1869-71; kleine Ausg. 1884); unter den Bearbeitungen für den Hand- und Schulgebrauch die von Krüger (5 Hefte, ebd. 1855-57), Stein (5 Bde., ebd. 1856-63; 5. Aufl. 1883 fg.), Abicht (5 Bde., Lpz. 1859-65; 4. Aufl. 1884 fg.), Dietsch-Kallenberg (2 Bde., 2. Aufl., ebd. 1884 fg.); mit besonderer Verwertung der orientalistischen Forschungen gab Sayce Buch 1-3 heraus (Lond. 1883), mit Heranziehung der Ägyptologie A. Wiedemann Buch 2 (Lpz. 1890); bemerkenswert unter den deutschen Übertragungen sind die von Lange (neu hg. von Güthling, 2 Tle., Lpz. 1886), von Scholl und Köhler (3 Bde., Stuttg. 1855), von Bahr (3. u. 4. Aufl., Berl. 1886) und von Stein (2 Bde., Oldenb. 1875). Wegen ihrer Kommentare sind die franz. Übertragung von Larcher (7 Bde., Par. 1786) und insbesondere die englische von Rawlinson (4 Bde., 2. Ausg., Lond. 1876) zu nennen. - Vgl. Dahlmann, H., aus seinem Buche sein Leben (Altona 1824); Blum, H. und Ktesias, die frühesten Geschichtsforscher des Orients (Heidelb. 1836); Bobrik, Geographie des H. (Königsb. 1838, mit Atlas); Kirchhoff, Über die Abfassungszeit des H.schen Geschichtswerks (Berl. 1868, Nachtrag 1872; 2. Aufl. 1878); Bauer, Die Entstehung des H.schen Geschichtswerks (Wien 1878).
Herōen, s. Heros.
Heroīde, eine elegische Epistel, die Liebesklagen und Liebeswerbungen, in den Mund von Göttern und Heroen gelegt, enthält. Merkwürdige Personen des heroischen Zeitalters teilen sich gegenseitig ihre Liebe und Sehnsucht mit. Berühmt sind aus dem Altertum die H. des Ovid, der in England besonders von Pope, in Deutschland von Hofmannswaldau und Lohenstein nachgeahmt wurde. Herder griff in der "Adrastea" die H. heftig an; seit den Klassikern (vgl. Goethes "Alexis und Dora") ist sie entweder modernisiert oder ganz beseitigt.
Heroīne, weiblicher Heros, Heldin.
Herōisch, das, was der Heldenzeit eines Volks angehört oder an sie erinnert, jene Höhe der Thatkraft, die trotz aller Gefahr große Zwecke verfolgt.