Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

89
Herrgottsschnitzer - Herrmann (Ernst Adolf)
Verwaltungsbeamter hervorragendeBegabung,ins-
besondere galt er für einen ausgezeichneten Kenner
des Versicherungswesens und der Kommunalver-
waltung; die neuern Vorgänge auf dem Gebiete
der Kommunalsteuergesetzgebung sind vornehmlich
fein Werk. Nach Entlassung Puttkamers wurde
er 2. Juli 1888 zu dessen Nachfolger als Minister
des Innern ernannt. Er vertrat mit Nachdruck, aber
vergeblich das dem Reichstage im Winter 1889-90
in abgeänderter Form wieder vorgelegte Socia-
listengesetz und widmete dann feine Kraft vor allem
dem Zustandekommen einer neuen Landgemeinde-
ordnung, die 1891 für die sieben östl. Provinzen,
1892 für die Provinz Schleswig-Holstein zum Ab-
schluß gelangte, Gesetzeskraft erhielt, ihm aber die
Mißgunst der konservativ-agrarischen Richtung ein-
trug. Er bekämpfte auch die Miquelschen Steuer-
reformpläne, namentlich die Grundsteuerreform,
und nahm, als er nicht durchdrang, feine Entlassung,
die ihm 9. Aug. 1892 gewährt wurde. Im preuß.
Abgeordnetenhause, dem er seit 1888 angehörte, trat
er 22. Nov. 1892 gegen die Miquelsche Reform auf.
Neben staatswissenschaftlichen und verwaltungs-
rechtlichen Abhandlungen sind folgende größere Ar-
beiten H.s hervorzuheben: "Die Ausführung des
Art. 17 derVerfafsungsurkunde fürdenpreuh. Staat;
eine Studie über das Kirchenpatronat und die Be-
dingungen feiner Aufhebung" (Berl. 1872), "Bei-
träge zur Finanzstatistik der Gemeinden in Preu-
ßen" (ebd. 1879), "Finanzstatistik der Kreise des
preuß. Staats" (mit Studt, ebd. 1880), "Die Her-
anziehung der Versicherungsgesellschaften zu den
Gemeindeabgaben in Preußen" (ebd. 1880), "Bei-
träge zur Finanzstatistik der Gemeinden in Preußen"
(mit E. von der Brincken, ebd. 1882), "Statistik der
Kreisabgaben in Preußen" (ebd. 1882), "Das Gesetz
betreffend die Befähigung für den höhern Verwal-
tungsdienst vom 11. März 1879" (2. Aufl., ebd.
1884), "Beiträge zur Finanzstatistik der Gemeinden
in Preußen" (mit W. von Tzschoppe, ebd. 1884),
"Kommunalabgabengesetz" (mit F. Nöll, 2. Aufl.,
ebd. 1888), "Die Kommunalabgabenpflicht der
Aktiengefellschaften, Kommanditgesellschaften auf
Aktien, Berggewerkschaften und eingetragenen Ge-
nossenschaften in Preußen nach dem Gefetz vom
27. Juli 1885 systematisch dargestellt" (ebd. 1886).
Herrgottsschnitzer, in den bayr. und Tiroler
Gebirgsgegenden Bezeichnung der Holzbildhauer, die
vorzugsweise kleine Crucifixe aus Holz schnitzen.
Herrich-Schäffer, Gottlieb Aug., Entomolog,
geb. 18. Dez. 1799 zu Regensburg, studierte in
Würzburg, Heidelberg und Berlin Medizin und
Zoologie und begann 1821 seine ärztliche, 1824
seine gerichtsärztliche Laufbahn. Er starb 14. April
1874 zu Regensburg. H. fchrieb die Fortfetzung von
Panzers "I^una. inZsotoruni (^ermanias" (Heft
111-190, Regensb. 1830-44), "Xomenclatoi' 6Q-
toin0i0Fieu8" (2 Hefte, ebd. 1835-40), "Die wanzen-
artigen Infekten" (Bd. 3-9, als Fortfetzung des
Werkes von C. W.Hahn unter gleichem Titel, Nürnb.
1831-53), "Systematische Bearbeitung der Schmet-
terlinge von Europa" (69 Hefte, Regensb. 1843-56,
v^Hv^Vlnnten Kupsern), "I^piäoptLroruiii exo-
tieorum LpscieL novak" (l^erie 1,25 Lfgn.; Serie 2,
Lfg. 1-5, ebd. 1850-56), "Neue Schmetterlinge
aus Europa" (Heft 1-3, ebd. 1856 - 61).
Herrieden, Stadt im Bezirksamt Feuchtwangen
des bayr. Reg.-Bez. Mittelfranken, 9 ^m im SW.
von Ansbach, an der Altmühl, Sitz eines Amts-
gerichts (LandgerichtAnsbach), Rentamtes und einer
Auffchlageinnehmerei, hat (1890) 991 E., darunter
53 Evangelifche; Postexpedition, Telegraph, eine
a,ot. Pfarrkirche, ehemals Stiftskirche mit den Ge-
beinen des heil. Gottlieb, ein ehemaliges Kollegiat-
stift, Ackerbau und Viehzucht.
Herrig, Hans, Dichter, geb. 10. Dez. 1845 in
Braunschweig, studierte in Berlin und Göttingen,
arbeitete dann am Berliner Stadtgericht bis 1872,
war 1881-88 Redacteur des "Deutschen Tage-
blattes" und lebte seitdem in Weimar, wo er
4. Mai 1892 starb. H. erwarb sich besondere An-
erkennung durch sein an vielen Orten mit großem
Beifall aufgeführtes Festspiel zum Luther-Jubiläum
1883. Im Anschluß an die hierin verkörperten
Ideen veröffentlichte er die Schrift "Luxustheater
und Volksbühne" (1887). H.s Stärke liegt mehr
in der edeln, geistvollen Sprache als in der hin-
reißenden dramat. Kraft; feinen Schauspielen haf-
tet etwas Epifches an. Er fchrieb die Dramen:
"Alexander" (3. Aufl., Verl. 1888), "Der Kurprinz"
(ebd. 1876), "Kaifer Friedrich der Rotbart" (4.Aufl.;
für die Volksbühne umgearbeitet, ebd. 1890), "Kon-
radin" (3. Aufl., ebd. 1885), "Nero" (ebd. 1883),
die Operndichtung "Harald der Wiking" (Musik
von Halle'n, ebd. 1881), und "Drei Operndichtun-
gen" (ebd. 1884), "Columbus" (ebd. 1887), das Weih-
nachtsfpiel "Christnacht" (ebd. 1887), das philoso-
phierende Gedicht "Die Schweine" (ebd. 1876) und
das humoristische Gedicht "Der dicke Köuig" (ebd.
1885; 2. Aufl. 1886). Ferner veröffentlichte er:
"Mären und Gefchichten" (2. Aufl., Verl. 1879),
"Die Meininger, ihre Gastfpiele und deren Bedeu-
tung für das deutsche Theater" (2. Aufl., Dresd.
1879), "Das Kaiserbuch. Acht Jahrhunderte deut-
scher Geschichte von Karl d. Gr. bis Maximilian I."
(Berl. 1890-91). H.s "Gesammelte Schriften" er-
scheinen seit 1891 in Berlin. - Vgl. Fokke, über
Hans H. (Wilhelmsh. und Emd. 1891).
Herrlein, s. Herr.
Herrliche Gerichte, soviel wie Patrimonial-
gerichte. (S. Patrimonialgerichtsbarkeit.)
Herrlitze, s. (^oi-img.
Herrmann, Emil, Präsident des evang. Ober-
kirchenrates, geb. 9. April 1812 zu Dresden, studierte
in Leipzig die Rechte, wurde 1834 Privatdocent da-
selbst, 1836 außerord. und 1842 ord. Professor in
Kiel, 1847 in Göttingen, 1868 in Heidelberg, 1873
Präsident des evang. Oberkirchenrates in Berlin.
In dieser Stellung wurde er wegen seines kirchlichen
Liberalismus von der konfessionellen Partei heftig
angefeindet, weshalb er 1878 feinen Abschied nahm.
Seitdem lebte er erst in Heidelberg, dann in Gotha,
wo er 16. April 1885 starb. Seine Bemühungen,
der evang. Kirche Preußens zu einer festen, wohl-
geordneten Verfassung zu verhelfen, fanden ihren
Abschluß durch das Zustandekommen der General-
synodalordnung von 1876. Von seinen Schriften
sind zu nennen: "Zur Beurteilung des Entwurfs
eines Kriminalgefetzbuchs für das Königreich
Sachsen" (Lpz. 1836), "über die Stellung der Reli-
gionsgemeinschaften im Staate" (Gott. 1849), "Das
staatliche Veto bei Bischofswahlen nach dem Rechte
der oberrhein. Kirchenprovinz" (Heidelb. 1869).
Herrmann, Ernst Adolf, Historiker, geb. 25.März
1812 zu Kämmerswalde im Erzgebirge, studierte in
Dorpat 1829-33 Philologie und alte Geschichte,
1834-37 in Berlin moderne Geschichte, lebte 1837
-39 in Dorpat,dannin Dresden. Er habilitierte sich