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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hertz (Martin Jul.) - Hertz (Wilh. Ludw.)
das er nachher mit den beiden ersten u. d. T.
"Lystspil af H." (Kopenh. 1832) herausgab. In
"Gjengangerbreve, eller poetifke Epistler fra Para-
diis" (1830), einer in Form und Ton sich an Vaa-
gesens "Epistlen" anschließenden polemischen Dich-
tung, geißelt H. die Geschmacklosigkeit und das
Spießbürgertum in der Litteratur und Kritik. Mit
"Amors Geniestreger" (1830), einem lyrischen
Lustspiel, dem ersten gereimten Konversationsstück
in der dän. Litteratur, wurde ein positiver Fort-
schritt in der von Holberg vorgezeichneten Bahn in
der Komödie bewirkt. Dieselbe Richtung verfolgte er
in "Anonym Nytaarsgave" (1832) und "Foraarets-
Nytaarsgave" (1833). Mit vielem Erfolg hat sich
H. auch dem Gebiet der nordischen Nomantik zuge-
wandt in der Tragödie "Svend Dyrings Huus"
(1837), dem Schauspiel "Svanehammen" (1841)
und der Dichtung "Tyrsing" (Kopenh. 1849). Einen
über sein Vaterland hinausreichenden Ruf erwarb
er sich durch sein lyrisches Drama "Kong Rene's
Datter" ("König Renes Tochter", 1846; deutsch
von Leo, Vresemann u. a.). Von H.' übrigen
dramat. Arbeiten (gesammelt 18 Bde., Kopenh.
1854 - 73), deren er überhaupt 40 schrieb, sind
noch hervorzuheben: "Sparekassen" (1836), eins
der besten neuern dän. Lustspiele; "Scheik Hassan"
(1851), "De Deporterede" (1853), "Indquarte-
ringen" (deutsch zusammen mit dem Lustspiel "Die
Versuchung", Lpz. 1853); ferner die Vaudevilles
"Debatten i Politievennen" und "De Fattiges Dyre-
have" und die Lustspiele, "En Cuurmethode" und
"Advokaten og Hans Myndling". Von seinen ro-
mantischen Schauspielen sind noch zu nennen:
"Ninon" (1850; deutsch von Laeiß, Hamb. 1890),
"Tonietta" (1849), "Offeret" (1853) und "Den
Yngste" (1855). Die Komödie "Hundrede Aar"
(1849) war gegen die mangelhafte Leitung des Hof-
theaters zu Kopenhagen gerichtet. Von H.' novelli-
stischen Arbeiten zeichnen sich besonders aus die
"Stemninger og Tilstande" (Kopenh. 1839), in denen
er seine Lebensanschauungen in humoristischer Weise
ausspricht, der Roman "JohannesJohnsen" (4Bde.,
1858-62) und die "Eventyr oa. Fortällinger" (1862).
Trefflich sind auch seine Rerseschilderungen "Fra
en Udenlandsreise" (1863), die Frucht einer 1833
mit öffentlicher Unterstützung unternommenen Reise
nach Deutschland, der Schweiz und Italien. Eine
Sammlung seiner lyrischen Poesien hat H. selbst
(4 Bde., Kopenh. 1851-62) veranstaltet. Außer-
dem haben Leo und Vendix eine deutsche Über-
tragung von seinen "Gesammelten Schriften" (Lpz.
1848) herausgegeben.
Hertz, Martin Iul., Philolog, geb. 7. April 1818
zu Hamburg, studierte in Berlin und Bonn, habili-
tierte sich dann in Berlin und wurde 1855 ord. Pro-
fessor in Greifswald, 1862 in Vreslau. Er veröffent-
lichte kritische Ausgaben von Priscians "InLtiwtio-
N68 Zi-NinniÄtioas" in Keils "HrÄmmatioi I^tini",
Vd.2 u. 3 (Lpz. 1855-59), von Livius (4 Bde., ebd.
1857-63), von Gellius' "Noct68 ^ttioas" (2 Bde.,
Verl. 1883-85; Textausgabe, Lpz. 1853 u. 1886)
und von Horaz (Berl. 1892). Ferner schrieb er über
die Grammatiker Sinnius Capito (Berl. 1843) und
Nigidius Figulus (ebd. 1845), über den Namen
des Plautus (ebd. 1854 und Vresl. 1867), "Karl
Lachmann. Eine Biographie" (Berl. 1851), "Schrift-
steller und Publikum in Rom" (ebd. 1853), "Re-
naissance und Rokoko in der röm. Litteratur" (ebd.
1865), "^.N9.i6et3. aä oarminnili lloratianorum
KiLtoriain" (5 Tle., Bresl. 1876-82), "Zur Kritik
von Ciceros Rede für den P. Sestius" (Lpz. 1881),
"0pu8oui3. ^eiliLma" (Berl. 1886).
Hertz, Wilh., Dichter, Übersetzer und Sagen-
forfcher, geb. 24. Sept. 1835 in Stuttgart, studierte
1855-58 in Tübingen Philologie und Philosophie,
ging dann nach München, diente 1859 als Lieute-
nant in der württemb. Armee und machte 1860 eine
wissenschaftliche Reise durch England und Frank-
reich. 1862 habilitierte er sich in München für
german. Altertumskunde, verbrachte den Sommer
1865 in Italien und wurde 1809 auherord., 1878
ord. Professor der deutschen Sprache und Littera-
tur an der Technischen Hochschule zu München.
Er veröffentlichte: "Gedichte" (Hamb. 1859), die
Epen "Lanzelot und Ginevra" (ebd. 1860; englisch
von Bruce, Lond. 1865), "Hugdietrichs Brautfahrt"
(Stuttg. 1863; 3. Aufl. 1880; mit Illustrationen
von A. von Werner, 1872), "Heinrich von Schwaben.
Eine deutsche Kaisersage" (ebd. 1867; 2. Aufl. 1868),
"Bruder Rausch", ein Klostermärchen (3. Aufl.,
ebd. 1889), ferner die Übersetzungen: das altfranz.
"Nolandslied" (ebd.1861), "Marie de France", nach
altbretonifchen Liebessagen (ebd. 1862), "Aucassin
und Nicolette" (Wien 1865), "Tristan und Isolde"
(Stuttg. 1877), "Spielmannsbuch", Novellen in
Versen aus dem 12. und 13. Jahrh. (ebd. 1886);
endlich wissenschaftliche Schriften: "Der Werwolf.
Beitrag zur Sagengeschichte" (ebd. 1862), "Deutsche
Sage im Elsaß" (ebd. 1872), "Die Sage von Parzival
und dem Gral" (Bresl. 1882), "über den Namen
Lorelei" (Münch. 1886), "Aristoteles in den Alexan-
derdichtungen des Mittelalters" (ebd. 1890), "Die
Sage vom Giftmädchen" (ebd. 1893). Außerdem
lieferte H. Beiträge zu Geibels "Münchener Dichter-
buch" (Stuttg. 1862), Heyses "Neuem Münchener
Dichterbuch" (ebd. 1882), Paulus und Weitbrechts
"Schwab. Dichterbuch" (ebd. 1883) u.a. H. hat das
Verdienst, durch glänzende kongeniale Nach- und Nm-
dichtung german. und roman. Dichtungen des Mittel-
alters dem Verständnis eines modernen Publikums
näher gebracht zu haben, als das irgendeinem andern
deutschen Übersetzer gelungen ist.
Hertz, Wilh. Ludw., Buchhändler, geb. 26. Juni
1822 in Hamburg, erwarb 1847 die Sortiments- und
Antiquariatsbuchhandlung von Wilhelm Besser (ge-
gründet 1829 vonH. Eichler) in Berlin und errichtete
dazu 1847 eine Verlagsbuchhandlung unter eigenem
Namen. 1875 wurde das Sortiment und Antiqua-
riat aufgegeben, dafür der Name Besser in die Ver-
lagssirma aufgenommen, die feitdem lautet: "Wil-
helm Hertz (Bessersche Buchhandlung)". Seit 1875
ist Teilhaber sein Sohn Hans H., geb. 19. April
1848. H. war 1879 - 80 Vorsteher des Börsen-
vereins der Deutschen Buchhändler in Leipzig.
Der Verlag umsaht Theologie, Philosophie, Ge-
schichte (Veneke, L. Hahns "Fürst Vismarck" u. a.,
O. Lorenz, Niebuhr, von Schlözer, Wattenbach; die
Memoiren des Herzogs Ernst von Coburg, L. von
Gerlachs u. a.; Kügelgens "Iugenderinnerungen
eines alten Mannes"), Rechtswissenschaft (Geffcken,
K. von Richthofen, Stahl, Stobbe), Philologie (E.
Curtius, M. Hertz, A. Kirchhoff), Orientalisches
(R. Lepsius' sämtliche Werke, H. Oldenberg), Julian
Schmidts "Geschichte der deutschen Litteratur",
Werke zur Goethe-Litteratur vou H. Grimm, von
Loeper u. a., H. Grimms "Michel Angelo" und
"Rafael", die sämtlichen Werke von Paul Heyse und
Gottfr. Keller, Kürnbergers Novellen, einzelnes von