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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Herz; Herzabsceß; Herzberg; Herzbeutel; Herzbeutelentzündung

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Herz (technisch) - Herzbeutelentzündung

sondern die Leber betrachteten, jedoch hat sich nach und nach bei den modernen Völkern der Sprachgebrauch allgemein herausgebildet, daß man den Ausdruck "Herz" für Gemüt anwendet und damit den Begriff des Angeborenen, nicht erst durch Willenskraft Erworbenen verbindet. In noch engerm Sinne versteht man unter H. nur die teilnehmenden Empfindungen und Neigungen und gebraucht so die Ausdrücke herzlich, herzlos u. a.

Herz, Herzstück, s. Eisenbahnbau (Bd. 5, S. 839 b).

Herz, flammendes oder hängendes, s. Diclytra.

Herz, Henri, Komponist und Pianist, geb. 6. Jan. 1803 in Wien, war jahrzehntelang eine der bekanntesten Größen der Klaviermusik, der er sich als Virtuos und Komponist widmete. Nachdem er seine Ausbildung vom Vater und auf dem Pariser Konservatorium genossen hatte, durchreiste er den Kontinent und England, begab sich später (1845) auch nach Amerika. Diese Episode hat er selbst beschrieben in "Mes voyages en Amérique" (1866). Sein dauernder Wohnsitz war Paris, wo er 1824 Teilnehmer einer Klavierfabrik wurde und von 1842 bis 1874 am Konservatorium unterrichtete. Er starb 5. Jan. 1888 in Paris. H.' Kompositionen (über 200) folgen der Richtung Czernys, stehen aber geistig noch niedriger und erregten ihrer Zeit den besondern Haß R. Schumanns. Als reine Fingerübungen können manche für Unterrichtszwecke noch heute nützliche Dienste thun.

Herz, Henriette, eine durch Bildung und Schönheit ausgezeichnete Frau, geb. 5. Sept. 1764 zu Berlin, die Tochter des jüd. Arztes Benjamin de Lemos von portug. Abkunft, wurde 1779 mit dem Arzte und Professor Markus H. verheiratet und bildete bald den Mittelpunkt in dem Hause ihres Gatten, das allen geistigen Größen Berlins einen Vereinigungspunkt darbot. Ramler, Engel, Moritz, Schadow, beide Humboldt, Gentz, Friedrich und August Wilhelm von Schlegel, Fichte, Varnhagen u. a. verkehrten in diesem Kreise. In das engste und edelste Freundschaftsverhältnis und den regsten Ideenaustausch trat Henriette mit Schleiermacher. Auch mit ausgezeichneten Frauen stand sie in freundschaftlicher Beziehung. Ihre vertrauteste Freundin war Dorothea Veit (Schlegel). Borne verlebte einen Teil seiner Jugend in ihrem Hause und verliebte sich in sie (vgl. Briefe des jungen Borne an Henriette H., Lpz. 1861). Seit 1803 war sie verwitwet, 1817 trat sie zum Christentum über. Sie starb 22. Okt. 1847. - Vgl. Fürst, Henriette H. Ihr Leben und ihre Erinnerungen (Berl. 1850; 2. Aufl. 1858).

Herzabsceß, Herzaneurysma, s. Herzentzündung.

Herzberg. 1) H. an der Elster, Stadt im Kreis Schweinitz des preuß. Reg.-Bez. Merseburg, an der schwarzen Elster und der Linie Jüterbog-Röderau (Bahnhof 2 km entfernt) der Preuß. Staatsbahnen, Sitz des Landratsamtes für den Kreis Schweinitz, eines Amtsgerichts (Landgericht Torgau), Steueramtes und einer Superintendentur, hat (1890) 4465 E., darunter 44 Katholiken; Post zweiter Klasse, Telegraph, Kreis- und städtische Sparkasse, Vorschußverein; Maschinen-, Stärke- und Stiefelfabrikation, Kunsttischlerei, Getreidehandel und Ackerbau. - H. ist 1160 gegründet und war während der Pest 1506 Sitz der Universtität Wittenberg. 1578 fand hier das Religionsgespräch zwischen sächs. und anhält. Theologen über den Kryptocalvinismus (s. Kryptocalvinisten) statt. - 2) H., Stadt im Kreis Schubin, s. Exin. - 3) H. am Harz, Flecken mit Stadtrechten im Kreis Osterode des preuß. Reg.-Bez. Hildesheim, an der Sieber, in 247 m Höhe am Rande des Harzes und an den Linien Ottbergen-Nordhausen und H.-Seesen (31,7 Km) der Preuß. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Göttingen) und zweier Oberförstereien, hat (1890) 3557 E., darunter 207 Katholiken; Post zweiter Klasse, Telegraph; Gewehr- und Holzwarenfabriken, Textilindustrie, Cigarrenfabriken und Canarienvogelzucht. H. wird als Luftkurort besucht; südwestlich aus einem Berge das Schloß H., die alte Residenz der Fürsten von Braunschweig-Grubenhagen, das Stammschloß des engl.-hannov. Königshauses, wo der Begründer desselben Kurfürst Ernst August sowie Georg I. und II. von England geboren wurden.

Herzbeutel, s. Herz (S. 97 b).

Herzbeutelentzündung (Pericarditis), die Entzündung des Herzbeutels. H. tritt nur sehr selten als selbständige Erkrankung bei vordem gesunden Menschen, häufiger im Verlauf des akuten Gelenkrheumatismus, der Brightschen Nierenkrankheit, der Lungentuberkulose, der Pyämie und des Kindbettfiebers sowie als Komplikation chronischer Herz- und Aortenkrankheiten auf und ist gewöhnlich mit einem mehr oder minder reichlichen Erguß einer wässerigen oder wässerig-eiterigen Flüssigkeit in die Höhle des Herzbeutels verbunden; dazu sind der seröse Überzug des Herzens und die Innenfläche des Herzbeutels in der Regel mit einer dickern oder dünnern Schicht von ausgeschwitztem Faserstoff überzogen. Die häufigste Ursache der H. sind entzündungerregende Batterien (Eiterkokken, Pneumoniekokken, Tuberkelbacillen u. a.), welche dem Herzbeutel durch das Blut zugeführt werden. Die Symptome der Krankheit bestehen meist in bald dumpfen, bald heftigen Schmerzen in der Herzgegend, Fieber, beschleunigter Pulsfrequenz, Herzklopfen, Angstgefühlen, Schweratmigkeit und ähnlichen Zeichen gestörter Herzthätigkeit, bieten aber an sich so wenig Charakteristisches dar, daß man aus ihnen allein niemals die Krankheit mit Sicherheit erkennen kann; hierzu ist eine genaue physik. Untersuchung der Herzgegend ganz unerläßlich. Das wichtigste physik. Symptom ist ein eigentümliches schabendes Geräusch, welches man bei der Auskultation des Herzens hört und welches durch das Aneinanderreiben der rauhen Innenflächen des Herzbeutels entsteht. Verlauf, Dauer und Ausgang der Krankheit sind sehr verschieden. Während in günstigen Fällen das ausgeschwitzte Exsudat ziemlich rasch, binnen ein bis zwei Wochen, wieder aufgesaugt wird und vollständige Genesung eintritt, kommt es in andern zu einer teilweisen oder gänzlichen Verwachsung des Herzbeutels mit dem Herzen, durch welche mannigfache Beschwerden zurückbleiben; bei ungünstigem Verlauf kann die H. schnell, oft binnen wenigen Tagen, durch Herz- und Lungenlähmung zum Tode führen. Die Behandlung besteht in absoluter Bettruhe, strenger entzündungswidriger Diät, in örtlichen Blutentziehungen und Hautreizen, in der Anwendung von Eisbeuteln auf die Herzgegend und milden Abführmitteln; die Wiederaufsaugung der ausgeschwitzten Flüssigkeit sucht man durch Harn- und schweißtreibende Mittel zu befördern. Bei drohender Herzschwäche sind Reizmittel (Äther, Kampfer, Wein) nicht zu entbehren; bei sehr reichlichem Exsudat und dadurch