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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Herzogenbusch - Herzverfettung

raliensammlung, einer Rüst-, Kunst- und Wunderkammer mit vielen Altertümern, die in der Umgebung ausgegraben wurden.

Herzogenbusch, Holland. s'Hertogenbosch, auch einfach Den Bosch (der Busch) genannt; frz. Bois-le-Duc, Hauptstadt der niederländ. Provinz Nordbrabant, am Zusammenflusse der Dommel und Aa, am Süd-Wilhelms-Kanal und an den Linien Lage-H. (47 km), Boxtel-Utrecht und Nimwegen-Tilburg der Staatsbahn, hat (1891) 27 594 meist kath. E. H. ist Sitz eines kath. Bischofs, besitzt eine spätgot. St. Jan-Kathedrale, 1458-98 erbaut, mit zahlreichen Kunstwerken im Innern, eine St. Katharinenkirche, bischöfl. Palast, Rathaus mit wertvoller Sammlung, Kunstmuseum der Provinz mit röm. und mittelalterlichen Funden. Wohlthätigkeitsanstalten sind zwei Krankenhäuser, zwei Waisenhäuser, eine Besserungsanstalt und das Irrenhaus. Sehr lebhaft ist die Industrie, namentlich in Gold- und Silberwaren, Schuhmacher- und Tischlerarbeiten, in Fabrikation von Cigarren, Spiegeln, Band und Garn. Auch Binnenhandel und Schiffahrt sind von Bedeutung. - H. war früher starke Festung, wurde aber 1876 als solche aufgegeben. Der Ort wuchs aus einem Jagdhause der brabant. Herzöge allmählich zu einem Flecken empor, dem Herzog Gottfried III. 1184 Stadtgerechtigkeit gab. Vergebens ward die Stadt 1601und 1603 belagert; erst 1629 eroberte sie nach fünfmonatiger Belagerung Prinz Friedrich Heinrich von Oranien. Nachdem der Herzog von York 14. Sept. 1794 bei Boxtel und am 15. an der Aa geschlagen worden, berannten die Franzosen unter Pichegru den Platz, der sich bald ergab. Am 14. Jan. 1814 wurde H. von den Preußen genommen.

Herzogenstand, Gipfel des Wallgauer Gebirges in den Altbayrischen Alpen (s. Ostalpen), 3 km westlich von der Nordspitze des Walchensees, ist 1757 m hoch, gewährt eine vorzügliche Aussicht auf das Hochgebirge bis zu den Ötzthaler Fernern und in die bayr. Hochebene und trägt ein Unterkunftshaus (früher königl. Jagdschloß). Ein schmaler, fast 2 km langer, gangbarer Grat verbindet den H. mit dem Heimgarten (1787 m) im W.

Herzog Ernst, der Held einer deutschen Dichtung, die um 1180 von einem mittelfränk. Dichter in Bayern nach lat. Quelle verfaßt wurde. Ihr erster auf histor. Grundlage ruhender Teil verschmilzt die Geschichte H. E.s II. von Schwaben, der im Aufstand gegen seinen Stiefvater Konrad II. 1030 fiel, mit der Empörung Liudolfs gegen seinen Vater Otto I.; der zweite rein märchenhafte läßt H. E. wunderbare Abenteuer im Orient bestehen, etwa in der Art der Reisen Brandans und Sindbads. Das ursprüngliche Gedicht ist nur in Bruchstücken erhalten; es liegt aber zu Grunde zwei deutschen Bearbeitungen des 12. und des 13. Jahrh., der lat. Dichtung Odos von 1206 und einer lat. Prosa (in der "Zeitschrift für deutsches Altertum", Bd. 7). Namentlich aber lebte die Sage fort in dem Bänkelsängerlied im Herzog Ernst-Ton (der Bernerweise) aus dem Anfang des 14. Jahrh. (abgedruckt in der "Zeitschrift für deutsches Altertum", Bd. 8).- Vgl. Bartsch, H. E. (Wien 1869); L. Uhland, Schriften zur Geschichte der Dichtung und Sage (Bd. 5 u. 7, Stuttg. 1870 u. 1868); Dümmler und Jänicke in der "Zeitschrift für deutsches Altertum", Bd. 15.

Herzogskrone, eine Rangkrone (s. d.); bei souveränen Herzogen eine offene, aus vier Bügeln gewölbte und auf dem Scheitelpunkt dieser mit einem Reichsapfel besetzte Krone (s. Tafel: Kronen I, Fig. 6), während den mediatisierten Herzögen die in Fig. 2 abgebildete Krone zusteht. In England ist eine andere Kronenart in Gebrauch (s. Tafel: Kronen II, Fig. 35), ebenso in den Niederlanden (s. Fig. 45), während die italienische H. (s. Fig. 31) sich mehr der Form der Marquiskrone (s. d.) der roman. Länder anschließt, wie ja auch der Stand eines ital. "Duca" keineswegs demjenigen eines deutschen oder engl. Herzogs entspricht.

Herzohr, s. Herz (S. 98 a).

Herzpalpitationen, Herzpochen, s. Herzklopfen.

Herzpuls, soviel wie Herzstoß (s. Herz, S. 99 a). Herzruptur, s. Herzentzündung.

Herzschild, in der Heraldik im Gegensatz zu dem größern Haupt- oder Rückenschild ein diesem mitten aufgelegter kleiner Schild. Seine Stellung gilt als bevorzugt, weshalb er bei zusammengesetzten Wappen gewöhnlich das Stammwappen enthält. Liegen drei Schilde aufeinander, nennt man den auf dem Rückenschilde, aber unter dem Herzschilde liegenden Schild den Mittelschild.

Herzschlag, in der Physiologie soviel wie Herzkontraktion, Herzstoß (s. Herz, S. 99 a); in der Pathologie soviel wie Herzlähmung (s. d.).

Herzschlechtigkeit, s. Dampf (in der Tierheilkunde).

Herzschwäche, s. Herzkrankheiten.

Herzschwielen, s. Herzentzündung.

Herzstärkende Mittel (Cardica), solche Arzneimittel, welche die gesunkene Lebensthätigkeit schnell, wenn auch nur vorübergehend, wieder zu wecken und zu erheben im stande sind. Hierher gehören die Herzmorsellen, Herzpulver, Herzspecies und der äußerlich angewandte herzstärkende Balsam der ältern Medizin. Gegenwärtig bedient man sich zu diesem Zwecke mit Vorliebe des Weins und Cognacs, des starken Kaffees und Thees, des Kampfers und Äthers; bei manchen Herzkrankheiten bewirken Digitaline die beste Herzstärkung.

Herzstoß,s. Herz (S. 99 a).

Herzstück, s. Eisenbahnbau (Bd. 5, S. 839 b).

Herztöne, s. Herz (S. 99 b).

Herzventrikel, soviel wie Herzkammer (s. Herz, S. 98 a).

Herzverfettung oder Fettherz (Cor adiposum), eine Herzkrankheit, welche in zwei wesentlich voneinander verschiedenen Formen auftritt, und zwar als einfache Fettanhäufung und Fettwucherung in der Umgebung des Herzens und Herzbeutels, wobei das Herz von einer mehr oder minder dicken gelblichen Fettschicht eingekapselt erscheint und so eine Beeinträchtigung seiner normalen Beweglichkeit erfährt, oder als eine allmählich sich entwicklnde fettige Entartung der eigentlichen Muskelsubstanz des Herzens, wobei die letztere blaß, gelblich verfärbt und mürbe wird und so die Fähigkeit verliert, sich in normaler Weise zusammenzuziehen und dadurch die physiol. Herzarbeit zu verrichten. Häufig kommen beide Formen der H. bei einem und demselben Kranken vor. Unter den Ursachen der Krankheit stehen die allgemeine Fettsucht (s. d.) und die chronische Alkoholvergiftung der Gewohnheitstrinker (s. Alkoholismus) obenan; doch kann sich die fettige Entartung des Herzfleisches auch bei magern und mäßigen Personen infolge von anhaltendem hohen Fieber (Typhus, Pocken, Pyämie) oder allgemeinen Ernährungsstörungen (langwierigen Eiterungen und Blutungen, Blutarmut, Lungentuberkulose, Skorbut u. a.) sowie durch anhaltende Über-^[folgende Seite]