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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hesperis - Heß (Joh.)
vorkommende II. matronHiiä 1^., Frauen kilte,
Nachtviole, Nachtschatten oder Matronale,
eine ausdauernde Pstanze mit 75 cm hohen Stengeln
und purpurnen oder violetten, bei einer Varietät
(var. cauäiäi88img.) schneeweißen Blumen. In den
Gärten hochgeschätzte Ziergewächse sind die viel
niedrigern Varietäten mit gefüllten, namentlich die
mit weihen, zu langen dichten Trauben geordneten
Blumen. Die einfach blühenden Varietäten pflanzt
man durch Samen, die gefüllten durch Stecklinge
fort, zu denen man die sich nach der Blüte bilden-
den Seitentriebe verwendet. Sie verlangen einen
schweren Boden und etwas schattigen Standort. Eine
sehr interessante Art ist die zweijährige Trauer-
kilte (II. ti-i8ti8 !>.), in Ungarn und Niederöster-
reich einheimisch und in den Gärten kultiviert. Sie
unterscheidet sich von der vorigen Art durch gelb-
grüne violett geäderte Blumen und kürzere Schoten.
Hesperis, ursprünglicher Name der alten Stadt
Berenice (s. d.) in Kyrenaika.
Hesperitm, s. Hesperidin.
Ilsspsroriiis, ein fossiler Vogel aus der Fa-
milie der Ichthyornithen (s. d.) und zwar aus der
Unterfanülie der Oäontoicae, mit echten Vogel-
wirbeln, kiellosem Brustbein, sehr rückgebildeten
vordern Gliedmaßen und mit Zähnen im Unter- und
Obertiefer, während der Zwischenkieser unbezahnt
ist und im Leben wahrscheinlich mit einer Horn-
scheide bedeckt war. Der Vogel ist fast 1 m hoch,
hat sehr kräftige Ruderfühe und muß ein vorzüg-
licher Taucher gewesen sein. Seine Reste finden sich
in der Kreide von Nordamerika.
Hesperos, der Abendstern, der Sohn oder Bru-
der des Atlas, ward in den altgriech. Hochzeitsge-
sängen als Führer des nächtlichen Brautzugs ge-
feiert. Als man feine Identität mit dem Morgen-
sterne (Phosphoros, s. d.) erkannte, wurden auch die
Sagen von jenem auf diefen übertragen, wie beide
auch Stern der Aphrodite (Venus) heißen. H. sowohl
wie Phosphoros werden als empor- oder abwärts-
stiegendeKnaben mit Fackeln dargestellt, auch schwebt
ersterer öfters vor der Mondgöttin her.
Heß, Heinr. von, Maler, Bruder von Peter von H.
und KarlH., geb. 19. April 1798 zu Düsfeldorf, wurde
erst von feinem Vater, dann 1813 unter Langer an
der Münchener Akademie gebildet, war aber mit der
peruginesken Art feines Bildes Glaube, Hoffnung,
und Liebe (Leuchtenberggalerie in St. Petersburg)
bei Langer unhaltbar geworden. Gleicher Art waren
die heilige Familie (1815), St. Lukas (1816) und
die Grablegung (1817; Theatinerkirche zu München).
1821 ging er mit Unterstützung des Königs von
Bayern nach Rom, wo er bis 1826 verweilte und
sein großes, von dem Einflüsse Naffaels zeugendes
Gemälde Apollo und die neun Mufen (1821-23;
Neue Pinakothek in München) ausführte. 1826
ward er als Professor an die Akademie zu Mün-
chen berufen, und zugleich erhielt er den Auftrag,
die künstlerische Leitung der Glasmalereianstalt,
welche ein Jahr darauf erstand, zu übernehmen.
Um hier eine ernste künstlerische Richtung zu be-
gründen, zeichnete H. selbst 1826 die Kartons zu
einem Fenster des Regensburger Doms. Er ent-
warf ferner die Glasgemälde der 19 großen Fenster
in der Aukirche bei München (bis 1837), sowie die
dem Kölner Dom von König Ludwig I. geschenkten
4 Fenster. Als Freskomaler schmückte er 1827-37
die Allerheiligenkirche mit 67 Gemälden auf Gold-
giund, welche wohl als seine hervorragendste Lei-
stung gelten können, 1838-46 unter Mitwirkung
von I. Schraudolph u. a. die Basilika des heil.
Vonifacius, welchen er im Klosterrefektorium ein
großes Abendmahl anreihte. Später wandte sich
H. wiederum der Ölmalerei zu und führte unter
anderm ein großes, durch Formenstrenge aus-
gezeichnetes Altarbild aus: Madonna mit vier
Heiligen (Neue Pinakothek in München). An der
Vollendung eines Abendmahlsbildes (Neue Pina-
kothek) hinderte ihn fein 29. März 1863 erfolgter
Tod. Auch als Porträtmaler erwarb er sich einen
wohlverdienten Ruf. In der letzten Zeit war er
auch Direktor der königl. Sammlungen zu München.
Heß, Heinr. Herm. Ios., Freiherr von, österr.
Feldmarschall, geb. 17. März 1788 zu Wien, trat
1805 in die österr. Armee und wurde bald dem
General-Quartiermeisterstabe zugeteilt und zu tri-
gonometr. Arbeiten verwendet. Nachdem er sich
als Oderlieutenant bei Aspern und Wagram aus-
gezeichnet hatte, kam er 1813 als Hauptmann wie-
der in den General-Quartiermeisterstab. Nach dem
ersten Frieden von Paris ging er in besondern
Aufträgen nach Piemont, und beim Wiederaus-
bruch des Krieges 1815 wurde er zum Major be-
fördert und im Hauptquartier des Fürsten Schwar-
zenberg verwendet. Hierauf wirkte er zwei Jahre
lang als zweiter Militärkommissar in Piemont.
Als Nadetzky im März 1831 den Oberbefehl in
Italien erhielt, trat ihm H. als Chef des General-
Quartiermeisterstabes zur Seite. Nach den Andeu-
tungen Radetzkys entwarf er eine neue Manövrier-
instruktion für Infanterie, Kavallerie und Artillerie,
die sich ausgezeichnet bewährte. 1834 wurde H. Bri-
gadegeneral in Mähren. 1840 wurde ihm die Lei-
tung des General-Quartiermeisterstabes übertragen.
1842 wurde er Inhaber des 49. Infanterieregiments,
das jetzt feinen Namen trägt. 1843 erfolgte seine
Ernennung zum Feldmarschalllieutenant. BeimAus-
bruch der Revolution von 1848 trat H. wieder als
Chef des Generalstabes zu Radetzky und schloß 8. Aug.
den Waffenstillstand ab, wonach die Piemontesen
sich hinter den Ticino zurückziehen muhten. In dem
Feldzuge von 1849 erkannte Radetzky durch Tages-
befehl den großen Anteil feines Generalstabschefs
an dem Siege bei Novara an. H. wurde zum Ge-
heimrat, außer der Reihe zum Feldzeugmeister und
gleichzeitig zum wirklichen Chef des General-Quar-
tiermeisterstabes sowie zum Freiherrn, Ende 1850
zum Generalstabsches des Kaisers ernannt. In den
folgenden Jahren mehrmals mit militär. Missionen
nach Warschau, Petersburg und Berlin betraut, be-
fehligte er 1854 während des Orientkrieges die in
Galizien und Siebenbürgen aufgestellten österr.
Truppen und veranlaßte die Russen zur Räumung
der Donaufürstentümer. 1859 wurde H. erst nach
der Schlacht von Magenta nach Italien entsendet.
Er wurde zum Feldmarschall befördert und 1860,
unter Enthebung von feiner Stelle als Chef des
Generalstabes, zum Hauptmann der Trabanten-
garde ernannt. 1861 erfolgte feine Berufung in
das Herrenhaus. H. starb 13. April 1870 zu Wien.
- Vgl. General H. in lebensgeschichtlichen Um-
rissen (Wien 1855).
Heß, Joh., Reformator von Vreslau, geb. 1490
in Nürnberg, studierte zu Leipzig und Wittenberg,
ward 1513 Sekretär des Vreslauer Bischofs Johann
Turzo, verweilte 1520 wieder in Wittenberg und
schloß sich aufs engste an Luther und Melanchthon
! an. Er wirkte dann als Hofprediger des Herzogs