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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Heyden (Jan van der) - Heydt

berg in Ostpreußen, studierte die Rechte in Königsberg, Berlin und Göttingen und trat 1813 bei einer preuß. Iägerabteilung ein, die jedoch am Kriege nicht teilnahm. Nach dem Frieden wurde er Regierungsreferendar in Königsberg, dann in Oppeln, 1826 Regierungsrat zu Breslau und starb als Oberregierungsrat daselbst 5. Nov. 1851. Während seinen poesievollen, aber wenig bühnenwirksamen Dramen (z. B. "Renata", "Album und Wechsel", "Nadine", das Lustspiel "Die Modernen"; gesammelt als "Theater", 3 Bde., Lpz. 1842) ein dauernder Erfolg versagt blieb, bewährte sich H. mit großem Glück in der poet. Erzählung, die seinem sinnig-kontemplativen Wesen entsprach. So entstanden "Die Gallione" (Lpz. 1825), der "Reginald" (Berl. 1831), das noch heute viel gelesene "Wort der Frau" (Lpz. 1843 u. ö.), der "Schuster von Ispahan" (ebd. 1850) und "Die Königsbraut" (ebd. 1851); sie alle sind durch formellen Reiz, durch edle Phantasie und zuweilen durch behaglichen Humor ausgezeichnet. Auch

Novellen in Prosa und Romane ("Die Intriganten", 2 Bde., Lpz. 1840) hat H. geschrieben. Seine schon 1820 gesammelten "Dichtungen" gab mit des Dichters Leben Th. Mundt heraus (Lpz. 1852). H. wird oft verwechselt mit einem Schriststeller von der Heyden, der unter dem Pseudonym Emerentius Scävola die Romane "Leonide" (4 Bde., Lpz. 1835) und "Learosa" (3 Bde., ebd. 1835) veröffentlichte.

Heyden, Jan van der, Holland. Maler, geb. 1637 zu Gorkum, erhielt durch einen Glasmaler die erste künstlerische Unterweisung und bildete sich dann auf Reisen weiter aus. Später lebte er in Amsterdam, wo er 28. Sept. 1712 starb. Um diese Stadt machte sich H. vielfach verdient, gab 1669 den Straßenlaternen eine bessere Einrichtung und verbesserte namentlich die Feuerspritzen durch Hinzufügung des Schlauchs oder die Erfindung der sog. Schlangenfeuerspritzen, weshalb er auch als Direktor der Löschanstalten angestellt wurde. Über die mit den von ihm verbesserten Feuerspritzen gelöschten Feuersbrünste gab er ein besonderes Werk (Amsterd. 1690) heraus. In der Malerei gelang ihm besonders die

Wiedergabe von Städten, Dörfern, Schlössern, Palästen und einzelnen Häusern, die er mit Sorgfalt und großer Natürlichkeit in zierlichen Landschaften darstellte. Unter seinen Gemälden ist berühmt die Ansicht des Stadthauses in Amsterdam (1683; im Louvre zu Paris); vier kleine Bilder von ihm besitzt die Dresdener Galerie. Den Wert mehrerer derselben erhöhen die Staffagen von Adr. van der Velde, den H. in seinen spätern Landschaften besonders nachahmte. Auch seine Zeichnungen in Tusche und Rotstein stehen in hohem Werte, sowie seine trefflichen Radierungen.

Heyden, Otto, Maler, geb. 8. Juli 1820 zu Ducherow in Pommern, studierte anfangs in Berlin Theologie, seit 1843 aber an der Kunstakademie bei Wach und A. von Kloeber, ging 1847 und 1848 nach Paris, wo er Cogniets Schüler ward, und hielt sich dann 1850-54 in Italien auf. Dort sich im Genre (Die Winzerin) und in der Landschaft (Das röm. Forum) und endlich auch in religiös-histor. Stoffen versuchend (Hiob mit seinen Freunden, in Rom 1853 begonnen), wandte er sich nach seiner Rückkehr dem Geschichtsbilde zu. Der: Stiftung der Universität Greifswald durch Herzog Boguslaw IX. von Pommern 1455 (1856; Aula der Greifswalder Universität, Geschenk des Künstlers) folgten: Boguslaw X. auf seiner Wallfahrt nach Jerusalem von Seeräubern überfallen (Stettin, Museum), Feldmarschall Schwerin in der Schlacht bei Prag (Berlin, königl.Schloß). Im übrigen war H. mit Bildnismalerei beschäftigt, bis der Deutsche Krieg von 1866, den H. im Gefolge des Kronprinzen mitmachte, in der Zeit von 1866-69 das Schlachtbild wieder in den Vordergrund brachte: Das Schlachtfeld von Königgräh (1868; Nationalgalerie zu Berlin), Die Begegnung des Kronprinzen und des Prinzen Friedrich Karl, Das Eingreifen der Zweiten Armee, König Wilhelm übergiebt dem Kronprinzen den Orden pour le merite auf dem Schlachtfelde (sämtlich im Besitz des Deutschen Kaisers). Eine Orientreise 1869 lieferte dann den Stoff zu dem Bild: Teppichbazar

von Kairo (1870) und einigen andern später gemalten Genre- und Landschaftsbildern aus dem Nillande. Die Teilnahme am Kriege 1870 ließ wieder Kriegsdarstellungen entstehen, unter welchen hervorragt: Besuch des Deutschen Kaisers bei den Verwundeten von Versailles. Eine mytholog. Komposition: Apoll unter den Musen und Grazien (1878), fand im Theater von Pofen Verwendung, eine Darstellung des Abendmahls nebst der Geburt und Auferstehung Christi (1883) in Wandgemälden der Dankeskirche zu Berlin. In der letzten Zeit schöpfte der Künstler gelegentlich aus ägypt. und ital. Reminiscenzen (1893: Ruinen des Junotempels in Girgenti), ist aber hauptsächlich mit Porträtmalerei beschäftigt; so malte er mehrmals (1892) die Königin Elisabeth von Rumänien. H. ist Ehrendoktor der Universität Greifswald, Professor und kaiserl. Hofmaler.

Heydcn-Cadow, Will). Karl Heinr. von, preuß. Minister, geb. 16. März 1839 zu Stettin, studierte in Heidelberg und Berlin Rechts- und

Staatswissenschaftcn, wurde 1868 Landrat des Kreises Demmin, den er auch als Mitglied der konservativen Partei im Abgeordnetenhause seit 1877 vertrat. Später wurde er Landesdirektor von Pommern und 1881 Regierungspräsident zu Frankfurt a. O. 1884 wurde er in den Staatsrat berufen

und im Nov. 1890 an Stelle des Freiherrn Lucius von Ballhausen zum Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten ernannt. Im Sinne der

Caprivischen Politik der Handelsverträge steht er den agrarischen, namentlich vom "Bunde der Landwirte" vertretenen Forderungen nicht gerade ablehnend, aber doch mäßigend gegenüber.

Heydrich, Heinr. Moritz, Dichter, geb. 13. März 1825 zu Dresden, studierte in Leipzig und Berlin Philologie und lebte später in Loschwitz bei Dresden, wo er 27. Jan. 1885 starb. Er schrieb: "Tiberius Gracchus", Trauerspiel (Dresd. 1861), "Prinz Lieschen", Posse (ebd. 1861), "Der Schatz", Lustspiel (ebd. 1861), "Sonnenschein auf dunklem Pfade", Gedichte (Lpz. 1870). Ein großes Verdienst erwarb er sich durch Herausgabe von Otto Ludwigs "Nachlaßschriften" (Lpz. 1873).

Heydt, Aug., Freiherr von der, preuß. Staatsmann, geb. 15. Febr. 1801 zu Elberfeld, widmete sich dem Kaufmannsstande, übernahm nach längerm

Aufenthalt in Frankreich und England mit seinen Brüdern Karl und Daniel das väterliche Bankgeschäft in Elberfeld und wurde 1831 Mitglied des

Handelsgerichts daselbst, dem er mehrere Jahre präsidierte. Als städtischer Abgeordneter saß er seit 1841 im rhein. Provinziallandtage und im Vereinigten Landtage von 1847, auf dem er im liberal-konstitutionellen Sinne wirkte. Nach Verlegung der preuß. Nationalversammlung nach Branden