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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hieroglyphen
tischen Wert für die einzelnen Zeichen in den Na-
men Ptolemäus, Alexander, Arsinoe, Berenike und
noch sechs andem. Das hiernach aufgestellte Alpha-
bet war im wesentlichen richtig. Zugleich hatte er
im hieroglyphischen Texte mehrere Zahlzeichen
richtig erkannt. Er hatte demnach in Wahrheit
die ersten ägypt. Schriftzeichen entziffert. Hier
blieb aber das Werk vorerst stehen. Die 1804 vom
Grafen Palin (anonym) erschienene "^na,1^86 äs 1'in-
äcription ä6 I5086tt6" mußte ihr Ziel schon deshalb
gänzlich verfehlen, weil er von der irrigen Voraus-
setzung ausging, daß uns die hieroglyphische In-
schrift in der vollständigen Anzahl von Zeilen er-
halten sei, sodaß er die erste griech. Zeile mit der
ersten erhaltenen hieroglyphischen verglich. Ebenso
unrichtig oder unbedeutend waren die Versuche von
Bailey, Sickler, Spohn u. a. Von mittelbarer
Wichtigkeit ward nur die 1808 publizierte gelehrte
Untersuchung von E. Ouatremöre: <(K6c1i6lcd63
ci-itiHU68 6t 1ii8t0riM68 3ar 1a IanZU6 6t 1a 1itt6-
rHMrs äs i'N^pte", worin dieser bewies, daß die
kopt. Sprache wesentlich dieselbe wie die altägyp-
tifche sei. In den I. 1809 - 13 war die um-
fangreiche "O68cripti0n äs 1'^Z^pt6", die ruhm-
reiche Frucht der Napoleonischen Expedition, er-
schienen; aber sie blieb ein Bild ohne Licht und
Schatten und ohne Perspektive, weil die vielen In-
schriften, die den Kommentar liefern und alles in
seiner hiftor. Folge erkennen lassen konnten, noch un-
verständlich blieben.
Erst 1819 wurde die Aufmerksamkeit wieder auf
diese wichtigen Untersuchungen gelenkt durch einen
Aufsatz des berühmten Physikers Th. I)oung, der
im Supplement zum ersten Teil des vierten Ban-
des der "Nnc^eioplVäig, Zritkmuica" zu Edinburgh
erschien. In diesem wichtigen Artikel "I^^pt"
wurde die Entdeckung Akerblads vom demotischen
auf den hieroglyphischen Text angewendet und auf
eine äußerst scharfsinnige Weise mittels der zwi-
schen beiden stehenden hieratischen Schrift nachge-
wiesen, daß die einzelnen Zeichen in den hiero-
glyphischen Namensschildern den bereits erkannten
Zeichen der demotischen Namensgruppen ent-
sprechen. Er erhielt auf diese Weise ein kleines
hieroglyphisches Alphabet, mit dem er auch eine
Reihe anderer hieroglyphischer Königsnamen zu
erklären suchte. Der Versuch war im allgemeinen
gelungen, aber doch in den einzelnen Anwendungen
noch so mangelhaft, daß er mehrere Namen ganz
unrichtig las, z. B. Arsinoe statt Autotrator, Euer-
getes statt Cäsar u. s. w. Jean Francois Cham-
pollion (s. d.), der sich bereits seit 1807 vorzüg-
lich mit Ägypten beschäftigt und schon 1814 seine
wertvollen Untersuchungen über die ägypt. Geo-
graphie herausgegeben hatte, war wohl mit dem
Artikel Joungs bekannt und scheint durch ihn
zu neuen Versuchen der Entzifferung von H. an-
geregt worden zu sein. 1821 erschien zu Grenoble
eine Broschüre in,Folio: "D6 1'6ci-itni-6 tiiei-g.-
Uhue ä63 anci6N3 N^pti6ii8", worin cr nachwies,
daß, wenn die hieroglyphische Schrift, wie bis
dahin allgemein, auch von ^ounq, angenommen
wurde, eine mit Ausnahme der Eigennamen nur
ideographische Wortschrift sei, dies auch ebenso von
der hieratischen gelten müßte, da sich die von ihm
untersuchten Totenpapyrus in beiden Schriftarten
Zeichen für Zeichen entsprächen, während es den
frühern Gelehrten wahrscheinlicher erschien, daß die
hieratische Schrift syllabisch sein möchte.
Den entscheidendsten Schritt in der Geschichte
der Hieroglyphenentzifferung that Champollion
aber erst im nächsten 1.1822 durch die Veröffent-
lichung seiner berühmten "I^6tti-6 a N. vaci^",
worin er durch die Analyse einer Reihe von Kö-
nigsnamen ein wenn auch noch beschränktes hiero-
alyphisches Alphabet aufstellte, dessen Anwendbar-
keit sich überall bewährte, wo dieselben Zeichen wieder-
kehrten. Obgleich nun dieses glänzende Resultat in
gewisser Beziehung nur als eine Berichtigung und
Erweiterung der besonders durch ihren Scharfsinn
verdienstvollen Entdeckung von Joung erschien, der
den einzelnen Zeichen zum Teil bereits dieselbe Be-
deutung beigelegt hatte, so unterschied es sich doch
wesentlich dadurch, daß Champollion einen viel ein-
fachern und sicherern Weg einschlug als sein Vor-
gänger. Champollion wurde dabei durch einen be-
sonders günstigen Umstand unterstützt. Der Eng-
länder Bankes hatte 1815 einen Obelisken auf der
Infel Philä aufgefunden, den er famt dem zuge-
hörigen Piedestal 1821 nach England brachte und
auf seinem Landsitz in Kingston-Hall in Dorsetshire
aufstellte. Noch in demselben Jahre publizierte er
die hieroglyphischen Inschriften des Obelisken und
die griechische des zugehörigen Postaments. Diese
enthielt einen Brief der Isispricster von Philä an
Ptolemäus Euergetes 11., seine Schwester Kleo-
patra und seine Gemahlin Kleopatra. Es lag daber
nahe, dieselben Namen in den hieroglyphischen In-
schriften zu vermuten. Obgleich nun die Voraus-
setzung irrig war, daß ein Zusammenhang stattfinde
zwischen der griech. und hieroglyphischen Inschrift,
die sich zwar beide auf denselben König bezogen,
aber in verschiedene Jahre gehörten, so fand sich
doch in der That außer dem in der Inschrift von
Nofette bereits gelesenen Namen Ptolemäus auch
der Name der Kleopatra auf dem Obelisken. Auf
diefelbe Vermutuna gründete nun Champollion feine
vergleichende Analyse der beiden Namen. Es traf
sich überaus günstig, daß die Namen ?101X6)m3,i08
und kl.6()?.V1'i-^ vier gleiche Buchstaben enthalten
und sich außerdem im zweiten Namen das a wieder-
holt. Die Probe war daher so einfach, daß über die
Richtigkeit der Lesung im allgemeinen nicht der min-
deste Zweifel sein konnte. Diese beiden Namen er-
gaben sogleich ein Alphabet von 11 Lautzeichen, die
sich bald durch weitere Anwendung auf die Namen
Alexandros, Berenike und viele andere bedeutend
vermehrten. Hiermit war der feste und bald von den
bedeutendsten Gelehrten, wie Silvestre de Sacy, Nie-
buhr, W. von Humboldt, anerkannte Grund für alle
folgenden Entdeckungen auf diesem Felde gelegt.
Aber selbst noch in dieser "I.6tti6 ä U. Oaci^"
hatte Cbampollion so wenig den wahren Organis-
mus des ganzen Hieroglyphensystems erkannt, daß
er noch immer mit Joung und andern die irrige
Meinung teilte, daß die phonetische Bedeutung der
einzelnen H. sich nur auf die Eigennamen beschränke,
der übrige fortlaufende Text aber aus rein ideo-
graphischen Zeichen bestehe. Hiervon kam er erst in
seinem nächsten Werke, "?r6ei8 äu 8)'8t6M6 liisro-
Z1ypkihii6" lPar. 1824; 2. Aufl. 1828), zurück, worin
er zeigte, daß das durch die Namen gefundene Alpha-
bet auch auf alle übrigen Gruppen anwendbar ist,
wo sich dieselben Zeichen wiederfinden. Die letzten
und vollständigsten Resultate seiner sprachlichen
Untersuchungen liegen aber in der erst nach seinem
Tode publizierten "üraininaii-ß s^ptisnns" (3 Tle.,
1836-41) vor, worin er das ganze System der
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