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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hille - Hiller (Ferd.)
Meschhed-Ali und Kerböla oder Meschhed-Hussein
ziehenden Pilgerkarawanen. H. ist ziemlich ärmlich
gebaut, hat gegen 10000 E., meist schulische Araber
und Perser, nebst wenigen Christen und Juden. Zahl^
reich sind die öffentlichen Gebäude und Moscheen.
Die Aazare sind ärmlich. Die Industrie erstreckt sich
auf Verfertigung von Meschlachs (arab. Wollmän-
teln), Käs (dünnem Hemdenstoff aus Seide), Topf-
waren und Dattelspiritus.
Hille, das weibliche Reh (s. d.).
Hille, das Obergeschoß im sächs. Vauernhaus
(s. d.. Bd. 2, S. 509d).
Htllebrand, Ios., Philosoph und Litterarhisto-
riker, geb. 1788 zu Grohdüngen bei Hildesheim,
trat in das Klerikalseminar zu Hildesheim und ging
dann zu weiterer Ausbildung in den altklassischen
und orient. Sprachen nach Göttingen. 1815 erhielt
er die Priesterweihe und eine Stellung als Lehrer
am Iosephinum in Hildesheim, die er jedoch bald
durch Übertritt zum Protestantismus aufgab. 1818
wurde er als Nachfolger Hegels ord. Professor der
Philosophie in Heidelberg und folgte 1822 einem
Rufe nach Gießen, wo er bald darauf auch Päda-
gogiarch an dem dortigen akademifchen Gymnasium,
später auch Mitglied des Oberstudienrates wurde.
In der Ständeversammlung von 1848 war er eine
Zeit lang Präsident der Zweiten Kammer, wo er,
wie auch auf den spätern Landtagen, stets mit der
liberalen Opposition stimmte. Nach Auflösung des
Landtags im Herbst 1850 in den Ruhestand versetzt,
lebte er seitdem in Rödelheim und Soden am Tau-
nus, wo er 25. Jan. 1871 starb. Er schrieb: "Die
Anthropologie als Wissenschaft" (3 Tle., Mainz
1822-23), "Lehrbuch der theoretischen Philosophie
und philos. Propädeutik" (ebd. 1826), "Litterar-
ästhetik" (2 Bde., ebd. 1826), "Nniversalphilos. Pro-
legomena" (ebd. 1830), "Der Organismus der philos.
Idee" (Dresd. und Lpz. 1842). An diese schließt sich
sein philos. Hauptwerk: "Philosophie des Geistes"
(2 Tle., Heidelb. 1835), in welchem er in Bezug auf
die Genesis des Geistes eine Vermittelung zwischen
Hegel und Leibniz versucht. Den meisten Anklang
jedoch hat "Die deutsche Nationallitteratur seit dem
Ansänge des 18. Jahrh." (3., von seinem Sohne
Karl besorgte Aufl., 3 Bde., Gotha 1875) gefunden,
ein durch Gründlichkeit und ansprechende Form aus-
gezeichnetes Werk.
Hittebrand, Karl, Historiker und Publizist,
Sohn des vorigen, geb. 17. Sept. 1829 zu Gießen,
studierte daselbst die 'Rechtswissenschaft, nahm 1849
am bad. Aufstande teil, entkam nach drei Monaten
Haft aus den Kasematten von Nastatt und lebte
seitdem in Frankreich, wo er 1863 als ord. Professor
der auswärtigen Litteratur an die philos. Fakultät
zu Douai berufen ward. Diese Stellung aab er
freiwillig auf, als der Krieg mit Deutschland aus-
brach, und ging als Korrespondent der "^ini68"
nach Italien, wo er sich in Florenz bleibend nieder-
lieh und 19. Okt. 1884 starb. Von seiner Bearbei-
tung einer "Geschichte Frankreichs" (von 1830 bis
1870, Bd. 1 u. 2 und Ergänzungsheft, Gotha 1877
-81) für das Heeren-Ukertfche Sammelwerk "Ge-
fchichte der europ. Staaten" erschienen die zwei
ersten Bände in zweiter Auflage unter dem Sonder-
titel "Geschichte des Iulikönigtums, 1830-48"
(ebd. 1881). In weitern Kreisen bekannt wurde
H. durch seine litterarhistor. und polit. Aufsätze im
<^ouri!Hi ä68 DedatL" und der "I^6vii6 ä68 voux
NonäsL", wo er unermüdlich die deutschen Interessen
und Ideen bei den Franzosen befürwortete. Von
H.s histor.-publizistischen Arbeiten sind zu nennen:
"Dino (^onipaZiii, 6wä6 Ki8toi-i<iu6 6t littsrairs
Lur 1'6po^ii6 äe Dante" (Par. 1862), die franz.
Übersetzung von Otfried Müllers "Geschichte der
griech. Litteratur" (3. Aufl., 3 Bde., ebd. 1883),
"1^3. ?ru386 contmnpoi-Hine 6t 868 in8titutioii8 "
(Bd. 1, ebd. 1867), "1)68 c0näiti0Q3 ä6 1k 1)011116
C0ni6äi6" (gekrönte Preisschrift, ebd. 1863), "1.3.
r6f0ri!i6 ä6 1'6N86iFN6ni6nt 8up6ri6ur" (ebd. 1867),
"^Wä68 it9>1i6nn68" (ebd. 1868), "Zeiten, Völker
und Menschen. Gesammelte Aufsätze" (7 Bde., Verl.
1872-85, deren erster: "Frankreich und die Fran-
zosen", 1881 in 3., deren zweiter und dritter: "Wel-
sches und Deutsches", "Aus und über England",
1892 in 2. Aufl. erschien). Auch hat H. seine 1879
im N07I.I In8tiwti0n of <Fi-6Ht LritÄiu gehaltenen
Vorträge über die Entwicklung der deutschen Welt-
anschauung u. d. T. "Histor^ 0k i36i'maii tliou^Iit"
(Lond. 1880) veröffentlicht. - Vgl. Homberger,
Karl H. (Berl. 1884).
Hilleh, türk. Stadt, f. Hillah.
Hillel, jüd. Gelehrter und Rabbi zur Zeit Christi,
genannt "der Alte", starb als Vorsitzender des Hohen
Rats etwa 10 n. Chr., stammte aus Vabylonien und
trug zum nachmaligen Emporblühen der jüd. Hohen
Schulen zu Tiderias, Lydda, Cäsarea u. s. w. dadurch
bei, daß er zuerst bei seinen Lehrvorträgen zu Jeru-
salem über das Alte Testament kritisch-exegetische
lich fortgepflanzt und als Masora (s. d.), d. i. Über-
lieferung, allmählich gesammelt wurden. H. zeich-
nete sich durch seine Milde aus, und die nach ihm
benannte Gesetzesschule (Beth H.) wird der des
Schammai (Beth Schammai), die einer strengern
Auffassung huldigte, vorgezogen. - Ein anderer
H., der die jüd. Zeitrechnung von Erschaffung der
Welt einführte, lebte um 340 n. Chr.
Hiller, Eduard, Philolog, geb. 14. April 1844
zu Frankfurt a. M., studierte seit 1862 in Bonn und
Göttingcn, habilitierte sich 1869 in Bonn, wurde
1874 Professor in Greifswald und 1875 in Halle,
wo er 7. März 1891 starb. H.s litterar. Thätigkeit
galt vorzugsweise den Schriftstellern des griech.
Altertums, auf dem Gebiete des römischen hat er
die Tibull-Ausgabe (Lpz. 1883) geliefert. Er fchrieb
unter anderm: "(jua68tioii68ll6i-0äiaii6H6" (Bonn
1866) und "Beiträge zur Textgefchichte der griech.
Bukoliker" (Lpz. 1888) und gab heraus: "Nra-
t08tli6ni3 carmirmiu r6li<iuiH6" (ebd. 1872) und
"111601118 3m^riia6i Nx^ositio i-6rum MHt1i6iiikti-
cHruW aä i6F6uäuiu klaton^in utilium" (ebd. 1878);
ferner besorgte er die 3. Aufl. von Fritzsches Aus-
gabe der Gedichte Theokrits (ebd. 1881), die 4. Aufl.
von Vergks "I'ostg.e I^i-ici Ft-^ci", Bd. 2 u. 3 (ebd.
1882) und die 4. Aufl. von desselben "^ntKoloFia
I^rica" (ebd. 1890).
Hiller, Ferd., Musiker, geb. 24. Okt. 1811 in
Frankfurt a. M. von israel. Eltern, erhielt befonders
durch Hummel in Weimar seine musikalische Bildung.
In seinem 10. Jahre trat H. zum erstenmal öffent-
lich auf. Während eines siebenjährigen Aufenthalts
zu Paris (feit 1829) wirkte er mit Erfolg für Aner-
kennung gediegener Musik, namentlich Bachs und
Beethovens. Im Winter 1836 -37 leitete er in
seiner Vaterstadt den Cäcilienverein, ging hierauf
nach Italien, wo jedoch feine Oper "Romilde" in
Mailand kein Glück machte, und lebte dann im
Winter 1839-40 zu Leipzig, wo er zum erstenmal