Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

188

Himmelsgewölbe - Hinckeldey

die Sonne auf-, gegen Westen abends untergeht, gebraucht man hierfür auch die Ausdrücke Morgen oder Sonnenaufgang, Abend oder Sonnenuntergang ; gleicherweise wird der Südpunkt als Mittag, der Nordpunkt als Mitternacht bezeichnet.

Himmelsgewölbe, s. Himmel.

Himmelsglobus, s. Globus.

Himmelsgucker, Sternseher (Uranoscopus scaber L.), ein dem Petersmännchen verwandter Fisch des Mittelmeers, der sich durch die Manier, andere Fische zu ködern, auszeichnet. Im Schlamm vergraben, läßt er nur die Augen heraussehen und öffnet den Mund zu einer senkrechten Spalte. Ein Hautlappen in der Rachenhöhle macht wurmartige Bewegungen und dient so als Köder.

Himmelskarten, soviel wie Sternkarten (s. d.).

Himmelskönigin wird oft die Jungfrau Maria (s. d.) genannt.

Himmelskreise nennt man diejenigen Kreise, die entstehen, wenn man die scheinbare Himmelskugel durch verschiedene Ebenen schneidet; sie dienen zur Bestimmung der Örter der Gestirne am Himmel. Am gebräuchlichsten sind die H., die sich auf den Horizont (s. d.), den Äquator (s.d.) und die Ekliptik (s. d.) beziehen.

Himmelskugel, s. Himmel.

Himmelskunde, s. Astronomie.

Himmelsphotographie, die Anwendung der Photographie in der Astronomie, die namentlich in neuester Zeit große Wichtigkeit für die astron. Messungen erlangt hat. Wenngleich schon Daguerre Versuche machte, den Mond zu photographieren, so kann man doch von einer eigentlichen H. erst seit Mitte der fünfziger Jahre sprechen. Als Begründer der H. müssen namentlich Bond, Rutherford, Draper und Warren de la Rue bezeichnet werden. So günstige Erfolge man auch mit der Anwendung der Photographie auf das Studium von Sonne und Mond erzielt hatte, wollte es doch lange nicht gelingen, die lichtschwachen Gestirne, wie Fixsterne, Nebelflecken und Kometen so zu photographieren, daß durch nachträgliche Ausmessung der photogr. Abbildungen die Dimensionen und Lagenverhältnisse sicher festgelegt werden konnten. Der Lichtschwäche derselben konnte man zwar begegnen durch Verlängerung der Zeit der photogr. Aufnahme, der Expositionsdauer, dafür machte sich dann aber als neuer Mangel die Unvollkommenheit des Uhrwerkes bemerkbar, das dazu dient, das Fernrohr der täglichen Bewegung der Gestirne genau folgen zu lassen. Die Erfindung besonders lichtempfindlicher photogr. Platten, namentlich die Anwendung des Bromgelatineverfahrens, hat daher die H. wesentlich gefördert; namentlich aber ist es der Ausdauer der auch durch zahlreiche Planetoidenentdeckungen bekannten Gebrüder Prosper und Paul Henry in Paris zu danken, daß die H. jetzt im stande ist, ein Bild des Sternhimmels zu geben, das an Schärfe und Treue kaum noch zu wünschen übrigläßt. Die Sterne erscheinen jetzt auf der photogr. Platte als gut begrenzte Scheibchen, deren Durchmesser von ihrer Helligkeit und der Expositionsdauer abhängt. Da speciell die chemisch wirksamen Strahlen auf der photogr. Platte ein Bild des Sterns hervorrufen, verwendet man für die eigens für die H. bestimmten Fernrohre besonders konstruierte Objektive, die gerade diese Strahlen im Brennpunkte vereinigen. Am Okularende eines solchen Fernrohrs ist die photogr. Camera angebracht. Ein zweites Fernrohr nahe von denselben Dimensionen ist mit dem eigentlichen photogr. Rohre fest verbunden, sodaß die optischen Achsen beider einander genau parallel sind; ein gemeinschaftliches Rohr von elliptischem Querschnitt umschließt gewöhnlich beide. Das Ganze ist parallaktisch aufgestellt. (S. Parallaktische Aufstellung.) Auf Tafel: Astronomische Instrumente Ⅰ, Fig. 1 beim Artikel Sternwarte ist ein photogr. Refraktor von A. Repsold u. Söhne abgebildet. Das die gleichmäßige Weiterbewegung des Fernrohrs besorgende Uhrwerk muß besonders sorgfältig hergestellt werden. Während das photogr. Objektiv das Bild für die in seinem Brennpunkte befindliche photogr. Platte liefert, bietet das andere Fernrohr dem Beobachter die Möglichkeit, den ganzen Apparat immer genau auf den nämlichen Punkt des Himmels gerichtet zu halten und etwaige kleine Unregelmäßigkeiten des Uhrwerkes unschädlich zu machen. Eine größere Zahl von Sternwarten hat sich vereinigt, um nach einem gemeinsam vereinbarten Programm und mit Anwendung von Fernrohren nahe gleicher Dimension auf photogr. Wege Karten des Fixsternhimmels herzustellen, die alle Sterne bis zur 16. Größenklasse herab enthalten sollen. Um Irrtümer zu vermeiden, soll jede Partie des Himmels zweimal aufgenommen werden. Die betreffenden Arbeiten sind bereits im Gange und wenige Jahre werden genügen, die gestellte Aufgabe zu lösen. Bemerkenswert ist der Umstand, daß die Lichtempfindlichkeit der photogr. Platte eine weit größere ist als die des menschlichen Auges, und daß die photogr. Aufnahmen noch viele schwache Sterne und schwache Nebelflecke aufweisen, die der direkten Beobachtung mit dem Auge entgehen. – Auch die Untersuchung der Spektren der Gestirne ist durch Anwendung der Photographie gefördert und erleichtert worden.

Himmelsrichtungen, s. Himmelsgegenden.

Himmelsschlüssel, s. Primel.

Himmelsstraße, s. Beichtspiegel.

Himmelstau, s. Hirse.

Himmelsteiche, s. Teichwirtschaft.

Himmelswagen, s. Bär (Sternbild).

Himmelsziege, s. Becassinen.

Himmlisches Reich, richtiger Himmels-Unterlage (chines. Thien-hia), Bezeichnung für China (s. d.).

Himten, Himpten, älteres Getreidemaß mehrerer norddeutschen Staaten: in Hamburg und Altona = 27,481 l, in Hannover = 31,152 l, in Braunschweig = 31,145 l, in Cassel = 40,185 l, in Lauenburg = 27,445 l, in Schaumburg-Lippe = 32,969 l, in Schleswig-Holstein = 34,780 l.

Hīnajāna, s. Buddha (Bd. 3, S. 695 b).

Hinc illae lacrĭmae (lat., «daher jene Thränen»), sprichwörtliche Redensart für: das (also) ist der (wahre) Grund, Citat aus Terentius’ «Andria» (1, 1); der Ausdruck war schon im Altertum sprichwörtlich (vgl. Cicero «Pro Caelio», Kap. 25, und Horaz’ «Episteln», 1, 19, 41).

Hinckeldey, Karl Ludw. Friedr. von, Polizeipräsident von Berlin, geb. 1. Sept. 1805 auf dem Schlosse Sinnershausen bei Wasungen, trat 1826 in den preuß. Staatsdienst und wurde Regierungsassessor in Köln und Liegnitz, Regierungsrat in Liegnitz und Arnsberg, Oberregierungsrat in Merseburg, 1848 Polizeipräsident zu Berlin. Mit Energie trat er der demokratischen Agitation entgegen, erwarb sich aber auch Verdienste um das Armen- ^[folgende Seite]