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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hippokrates (Mathematiker) - Hippomanes
Hippokrates aus Chios, griech. Mathema-
tiker (Pythagorüer), der in der zweiten Hälfte des
5. Jahrh. v. Chr. in Athen lebte und lehrte. Er hat
bei dem Versuch, das Problem der Quadratur des
Kreises zu lösen, die nach ihm benannten Möndchen
(s. I^unulae llippooratiä) entdeckt. Das Problem der
Würfelverdoppelung führte er aus die Konstruktion
zweier mittlerer Proportionalen (9.: x - x. ^ -^ v: d)
zurück. Auch soll er das erste Elementarbuch der
Geometrie verfaßt und den Gebrauch eingeführt
haben, Punkte einer geometr. Figur mit Buchstaben
zu bezeichnen. - Vgl. Tannery, llippoci-a.ts äs
()1ii08 6t 1a. HUHäraturk äss 1unui63 in den "Ns-
nwil63 äs Voi-äsaux" (2) II, 179-184 (1878).
Hippokratische Möndchen, s.I^uniiiNe Hippo-
crHti8.
Hippokratisches Gesicht <^ci68 Hippoci-a-
tica.) nennt man in der Pathologie den Gesichts-
ausdruck eines Sterbenden. Kurz vor dem Tode
nämlich tritt gewöhnlich in dem Gesicht eine auf-
fallende Veränderung ein. Die Gesichtsfarbe wird
plötzlich bleich und fahl, an Wangen und Lippen
bläulich oder schwärzlich, die Stirnhaut glatt; die
Weichteile des Gesichts sinken ein; die Nase und
das Kinn werden spitzig; die Augen sinken tiefer in
ihre Höhlen, verlieren den Glanz und sehen stier
durch die halbgeöffneten Augenlider. Diese Verän-
derung (welche teils auf Stillstehen des Blutlaufs,
teils auf Lähmung der Gesichtsmuskeln zurückführ-
bar ist) kann indessen auch durch große Entträftung
nach langem Fasten oder starken Ausleerungen und
reichlichem Blutverlust entstehen und ist dann mit
geringerer Gefahr verbunden. Der Name rührt
davon her, daß der griech. Arzt Hippokrates zuerst
diefe Veränderung des Gesichts treffend befchrieb
und erklärte.^
Hippokrene (grch., d. i. Rohquelle), s. Helikon
(Gebirgszug) und Pegasos.
Hippolög (grch.), Pferdekenner; Hippolögie,
Pferdekunde, Lehre vom Pferd.
Hippolyte oder An tiop e, Königin der Amazo-
nen (s. d.), Mutter des Hippolytos (s. d. und Theseus).
Hippolytos, Sohn des Theseus (s. d.) und der
Amazone Antiope oder Hippolyte, wurde von seinem
Vater, als sich dieser mit Phaidra vermählte, zu
Pittheus nach Trözen geschickt, unter dessen Pflege
er zu einem eifrigen Jäger und Wagenlenter beran-
wuchs. Seine Stiefmutter Phaidra (s. d.) verliebte
sich in ihn und führte seinen Tod herbei, aus den: er
aber, wohl nach Epidaurischer Sage, durch Askle-
pios wieder erweckt wurde. In Trözen ward H.
als Gott verehrt und erzählt, er sei als Fuhrmann
unter die Gestirne versetzt worden. Wahrscheinlich
ist H. eine trözenische Lokalform des ion. Sonnen-
gottes, der, von der Mondgöttin Phaidra verfolgt,
ins Meer hinabtaucht. So erklärt sich auch seine
Beziehung zu Artemis, der er in Trözen einen Tem-
pel gestiftet haben sollte. In Athen gab es einen
Tempel der Aphrodite Hippolytia, welcher der Sage
nach von Phaidra errichtet war.
Hippolytus,Kirchenvater,SchülerdesIrenäus,
siedelte um 190 nach Rom über und nahm daselbst
an den Streitigkeiten über die Gottheit Christi und
die Grundsätze der Kirchenzucht lebhaften Anteil.
Nach dem Tode des röm. Bifchofs Zephyrinus (217)
wurde er von einem Teile des Presbyteriums zum
Gegenbischof gegen Callistus gewählt. Die Kirchen-
spaltung wurde, wie es scheint, erst 235 durch die
Deportation des H. und seines damaligen Gegners
Pontianus nach den sardin. Bergwerken beendigt.
Hier scheint H. bald nachher in hohem Alter ge-
storben zu sein. Als gelehrter Kenner der philos.
und gnostischen Systeme seiner Zeit und als scharf-
sinniger Verteidiger der kirchlichen Logoslehre
nimmt H. unter den ältern Kirchenvätern eine her-
vorragende Stelle ein. Ein Verzeichnis seiner größ-
tenteils verlorenen Schriften ist auf dem Posta-
ment einer ihm zugeeigneten, 1551 wieder ausge-
grabenen Statue angebracht. Auch die Kirchen-
historiker Eusebius und Hieronymus liefern Ver-
zeichnisse derselben. Die Frage, ob er wirklich der
Verfasser der "Widerlegung aller Ketzereien" sei,
wovon bis 1842 nur das erste Buch bekannt war
und u. d. T. "I'InIoLopIiuineiiI." dem Origenes zu-
geschrieben wurde, ist noch nicht endgültig gelöst.
Das neunte Buch dieser Schrift erzählt ausführ-
lich die röm. Parteikämpfe seit dem Bifchof Zephy-
rinus. Eine kleinere Schrift wider 32 Ketzereien,
die H. weit früher verfaßte, ist verloren, aber durch
Lipsius aus Pfeudotertullian, Philaster und Epi-
phanius, die sie, wie Lipsius entdeckte, ausgeschrieben
haben, zum großen Teile wiederhergestellt, über-
dies machte sich H. durch Verbesserung des Oster-
cyklus um die Feststellung des christl. Kirchenjahres
verdient und gilt auch für den Verfasser der ältern
bis 234 fortgeführten Weltchronik, welche der von
Mommsen neudearbeitete Chronist der semigen von
354 zu Grunde gelegt hat. Die Fragmente seiner
Schriften gab Lagarde heraus (Lpz. 1858). - Vgl.
Bunsen, H. und seine Zeit (2 Bde, Lpz. 1852-53;
auch englisch); Döllinger,H.und Kallistus (Negensb.
1853); Volkmar, H. und die röm. Zeitgenossen
(Zür. 1855); Lipsius, Zur Quellenkritik des Epi-
phanios (Wien 1865); ders., Die Quellen der ältesten
Ketzergeschichte (Lpz. 1875); Harnack, Zur Quellen-
kritik der Geschichte des Gnosticismus (ebd. 1873);
Langen, Geschichte der röm. Kirche bis zum Ponti-
sitat'Leos I. (Bonn 1881); Stähelin, Die gnostischen
Quellen Hippolyts in seiner Hauptschrift gegen die
Häretiker (Lpz. 1890); Ficker, Studien zur Hippolyt-
fraae lebd. 1"93). MMpp von.
Hippolytus a Lapide, s. Chemnitz, Bogislav
Hippomachie (grch.), Kampf zu Pferde.
Hippoman (grch.), leidenschaftlicher Pferdelieb-
haber, Pferdenarr; Hippomanie, übertriebene
Liebhaberei für Pferde.
Hippoinanv, Pflanzengattung aus der Fami-
lie der Euphorbiaceen (s. d.). Die wenigen tropisch-
amerik. Arten sind wegen ihres scharfen, giftigen
Milchsaftes bekannte Bäume. Am berühmtesten ist
11. NNiiciii6iiH I>., der Manschinellen- oder
M anz ani ll ab aum der Antillen. Er gleicht einem
Birnbaum, hat eine glatte, graue Rinde, langge-
stielte, eiförmige, spitze Blätter, grünliche männliche
Blüten in zuiammengeknäuelten Gruppen, unter
denen die weiblichen einzeln stehen, und apfelför-
rniae, gelb- und rotbäckige Früchte, die sehr verführe-
risch aussehen, aber äußerst giftig sind. Der Frucht-
saft diente in Westindien als Ätzmittel gegen Haut-
ausschläge. Doch ist der Baum hier selten gewor-
den, weil seine Ausrottung seiner großen Schädlich-
keit wegen anbefohlen worden ist.
Hippomanes (grch., d. i. roßtoll), eigentlich der
Brunftfchleim der Stuten, dann auch eine Pflanze
und endlich Füllenmilz oder Füllenbrot ge-
nannte, olivenförmige, grünliche bis gelblichbraune,
bei der Geburt der Fohlen mit den Fruchthäuten
Zum Vorschein kommende Gebilde, die aus verödeten