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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hirschhorngeist - Hirschwald, August
mit vielen Altertümern, neue got. Kirche (1892);
bedeutende Seidenfärberei, Fournierschneidewerk,
Steinhauerei, Sandsteinbrüche, Schiffahrt sowie
starken Handel mit Holz und Lohrinden und wird
als Sommerfrische befucht. Auf einem Sandstein-
felsen ein Schloß, ehemals Sitz der Herren von H.
Die Ersheimerkircbe jenseits des Neckar wird schon
795 erwähnt.
Hirschhorngeist,Hirfchhornöl,s. Hirschhorn.
Hirschhornsalz, veralteter Name für Ammo-
niumcarbonat (s. d. und Hirschhorn).
Hirschkäfer, Feuerschröter, Vaumschrö-
ter (I^ucanug C6rvu8 ^/., s. nachstehende Figur), so
genannt wegen der großen hirschgeweihartig gebil-
deten Kiefer der Männchen, gehört zur Familie der
Blatthornkäfer, ist der größte unserer einheimischen
Käfer, fchwarz, die Decken kastanienbraun, beim
Weibchen pechschwarz, der sehr große viereckige Kopf
^'
beim Männchen größer als das Halsfchild. Die
Größe variiert sehr stark, da man Exemplare von
27 bis 90 mm findet. Beim Weibchen ist der Kopf
kleiner als das Halsschild und statt der Geweihe hat
es nur kleine Zangen. Der Käfer fliegt des Abends
mit summendem Fluge und leckt bei Tage den Saft
laufender Eichen. Das Weibchen legt seine Eier
in hohle Stämme der Eichen, Buchen, Erlen und
Eschen und nach fünf- bis sechsjährigem Fraße
erfolgt die Verpuppung der Larve.
Hirschkrankheit, s. Starrkrampf.
Hirschkuh (Hindin), s. Edelhirsch.
Hirschlausstiege (I^poptsua e^rvi !>.), eine
4-5 mm lange, gelblichbraune Lausstiege, die auf
Vögeln, z. V. dem Haselhuhn, schmarotzt, später
stiegend Hirsche und Rehe aufsucht, hier die Flügel
abwirft und weiter lebt. Auch an Kleidungsstücken
von Menschen setzt sie sich zuweilen fest.
Hirschling, Pilz, s. Reizker.
Hirschruf, Instrument Zum Nachahmen des
Hirschgeschreies, dient zum Anlocken der Hirsche in
der Brunftzeit. Man benutzt dazu große Muscheln,
Blechrohre, Rohre von Liebstöckel, irdene Kruge
oder auch die hohle Hand.
Hirsch schwamm, s. Olavai-ia.
Hirschfprung, in der Reitkunst soviel wie Ka-
priole ss. d.).
Hirfchtalg (sedum oervinuin), Medikament ge-
^en wunde Stellen der Haut. Dem Hirsch hat man
,eit alters her in der Heilkunde große Bedeutung
beigelegt, und so schreibt man im Volksglauben
auch noch heute dem H. ganz besonders heilkräftige
Wirkung zu, obgleich längst in keiner Apotheke
dieser Stoff mehr geführt, sondern dafür Hammel-
talg geliefert wird.
Hirschthaler, grast. Stolbergsche Speciesthaler,
auf denen das Wappentier diefes Geschlechts, ein
an einer Säule stehender Hirsch, dargestellt ist.
Hirfchthränen, soviel wie Bezoar (s. d.).
Hirschtrüffel, s. N^om^sZ.
Hirschvogel (vielleicht richtigerHirsvogel ge-
schrieben), Nürnberger Künstlerfamilie, diesich beson-
ders in der Glasmalerei einen Namen gemacht hat.
Der Ahnherr war H einz H. Dessen Sohn V eit H.
der Altere (1461-1525) war Stadtglaser und schon
ein berühmter Glasmaler. Von ihm sind noch einige
Fenster in der Sebalduskirche erhalten. Der berühm-
teste seiner Söhne war Au au stin H., geb. um 1488,
erlernte die
Glas- und
Emailmalerei.
Einige Glas-
gemälde seiner
Hand vom I.
1520 sind noch
erhalten. Spä-
ter widmete er
sich der Töpfe-
rei, ging 1534
nach Venedig,
blieb hier min-
destens drei
Jahre und
kehrte dann zur
Ausübung der
verbesserten
Töpferei nach
Nürnberg zu-
rück. 1542 gab
er dieseThätigkeit wieder auf,befchäftigtesich nun mit
Geometrie und Perspektive und nahm das Land ob
der Enns kartographisch auf; das Gleiche geschah mit
Kärnten, Ungarn, Siebenbürgen, Bosnien, Slawo-
nien u. s. w. Zu gleicher Zeit beschäftigte er sich mit
der Astronomie und machte eine Menge Entwürfe
für die Goldschmicdekunst, radierte Wappen, Land-
schaften, Porträte, figürliche Bilder u. s. w.; 1543
gab er seine "Geometrie" heraus und 1550 eine Bil-
derbibel in Wien, wo er bis zu seinem Tode, 1569,
blieb. Sein Hauptwerk in Wien war der Grundriß
dieser Stadt nach der ersten Türkenbelagerung.
Nach ihm wird eine besondere Art Kruge Hirsch-
vogelkrüge genannt (s.Tafel: Fayence, Fig.5);
es ist aber fraglich, ob überhaupt ihm etwas davon
gebührt. Mit größerer Sicherheit können ihm Ofen
zugewiesen werden, deren einer auf der Burg in
Nürnberg seine Art charakterisiert und ihn als
einen vorzüglichen Meister in der Anwendung der
Renaissanceformen und Renaissanceornamente er-
kennen läßt. - Vgl. Karl Friedrich, Augustin H.
als Töpfer (Nürnb. 1885).
Hirsch vom ersten (zweiten, dritten) Kopf,
s. Geweih (Bd. 7, S. 972d und 973d).
Hirfchwald, August, Verlagsbuchhandlung
in Berlin, gegründet 1816 von August H. (geb.
18. Jan. 1774 in Rawitsch, gest. 3. Sept. 1848) und
1840 von dessen Neffen, Eduard AberinRawitsch
(geb. 10.Nov. 1810 in Rawitfch), übernommen. Teil-
haber sind: seit 1848 der Sohn des Begründers,