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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Historiograph - Historische Vereine
Historiograph (grch.), Geschichtschreiber; Hi-
storiographie, Geschichtschreibung (s. Geschichte).
Historisch (grch.), geschichtlich.
Historische Datnmgrenze, s. Datumdifferenz.
Historische Grammatik, f.S^achwissenschaft.
Historische Kommission, s. Historische Vereine.
Historische Malerei, s. Historienmalerei.
Historisches Genre, Bezeichnung für den Teil
der Historienmalerei (s. d.), welcher das Haupt-
gewicht aus die Darstellung des Kulturgeschichtlichen
(Kostüm, Architektonisches, Kunstgewerbliches) legte
und im Gegensatz zu der ältern rein idealistisch ge-
stalteten Darstellungsweise ein mehr wissenschaft-
liches und daneben ein mehr koloristisches Gepräge
hatte. In Deutschland kam das H. G. durch die
Belgier Gallait und Biefve in Aufnahme. Nach
der ältern Terminologie, die in den Werken des Cor-
nelius den besten Ausdruck der eigentlichen Historien-
malerei erblickte, sind die heutigen Geschichtsbilder
fast durchgängig als H. G. zu bezeichnen.
Historisches Institut (seit 1890 Königlich
preußisches H. I.), eine ursprünglich als "Histo-
rische Station" im Frühjahr 1888 vompreuß. Kultus-
ministerium errichteteAnstalt zurFörderung deutscher
Geschichtsforschung in Italien, besonders in dem seit
1881 geöffneten Vatikanischen Archiv in Rom. Es ist
einer durch die Berliner Akademie der Wissenschaften
gewählten Kommission unterstellt, deren Mitglieder
ursprünglich Heinr. von Sybel, Wattenbach und
Weizsäcker waren; an Stelle des 3. Sept. 1889 ver-
storbenen Weizsäcker trat 1890 M. Lenz. In Rom
selbst stand als Sekretär an der Spitze des Instituts
bis 1890 K. Schottmüller, der bei der Gründung sich
lebhaft beteiligt hatte; sein Nachfolger wurde Nov.
1890 L. Quidde, der 1. Okt. 1892 sein Amt nieder-
legte. An seine Stelle trat W. Friedensburg. Die
Hauptaufgabe des H. I., in der es von der preuh.
Archivverwaltung unterstützt wird, ist die in Ge-
meinschaft mit dem österreichischen H. I. unternom-
raeneHerausgabederNuntiaturberichte aus Deutsch-
land zur Zeit der Reformation; erschienen sind bis-
her von der 1. Abteilung (1533 - 59) Bd. 1 u. 2,
enthaltend die Nuntiaturen des Pietro Paolo Ver-
gerio 1533-36 und die Nuntiatur des Giov. Mo-
rone, 1536 - 38 (Bearbeiter W. Friedensburg).
Die 2. Abteilung, die Pontifikate Pius' IV. und
Pius' V. (1560-72) umfassend, wird von dem öster-
reichischen H. I. herausgegeben. Die dritte Abtei-
lung, Pontifikat Gregors XIII. (1572-85), ist wie-
derum dem preußischen H. I. zugefallen; von ihr
ist der 1. Band, enthaltend die Kölner Nuntiatur-
berichte 1576-84, durch I. Hänfen ediert worden.
Auch die Pontisikate Pauls V. und Urdans VIII.
sind bereits in Angriff genommen worden, und über
alle vier Epochen weitere Bände in Vorbereitung.
Neben diesem Unternehmen hat das H. I. feit Herbst
1892 ein zweites in Angriff genommen, das "ks-
z)6rt0i-ium <36liQ3,iiiciiiii", d. h. eine Registrierung
sämtlicher in den röm. Archiven vorhandenen Ur-
kunden über Deutschland, zunächst aus der Zeit des
Schismas und der Reformkonzilien, 1378 -1448;
die Leitung dieser Arbeit hat R. Arnold, dem drei
Hilfsarbeiter zur Seite stehen.
Historische Vereine bestehen in Deutschland
seit Begründung der auf Anregung des Ministers
von Stein 20. Jan. 1819 zu Frankfurt a. M. ge-
stifteten "Gesellschaft für Deutschlands ältere Ge-
schichtskunde", welche sich die kritische Gesamtausgabe
der Quellenschriftstcller des deutfchen Mittelalters
("NormniLQtk (^lmauiak biätorica", s. o.) als Auf-
gabe stellte. Bald entstanden zahlreiche andere H. V.,
welche sich teils die Sammlung, teils die Nutzbar-
machung des Materials für Geschichte und Alter-
tumskunde einzelner Provinzen, Gaue und Städte
zum Zwecke setzten und die im wesentlichen ziemlich
übereinstimmend eingerichtet sind, Bibliotheken und
Sammlungen angelegt und periodische Schriften
begründet haben, in denen sie die Ergebnisse ihrer
Forschungen veröffentlichen. Auf ihre Veranlassung
und teilweife auf ihre Kosten wurden auch Quellen-
schriften, Urkundenfammlungen u. s. w. bearbeitet
und herausgegeben. Eine nähere Verbindung und
wechselseitige Teilnahme an den Arbeiten dieser
Vereine suchte zuerst Wigand durch die "Jahrbücher
der Vereine sür Geschichte und Altertumskunde"
(12 Hefte, Lemgo 1831-32) zu bewirken. Nach
deren Eingehen erhielten sie in A. Schmidts "All-
gemeiner Zeitfchrift für Geschichte" (10 Bde., Verl.
1844-48) ein gemeinschaftliches kritifches Organ.
Hervorzuheben ist auch Walthers "Systematisches
Nepertorium über die Schriften sämtlicher histor.
Gesellschaften Deutfchlands" (Darmst. 1845). End-
lich gelang es auf den allgemeinen Versammlungen
der deutschen Geschichts- und Altertumsforfcher zu
Dresden und zu Mainz 1852, die zahlreichen Ein-
zelvereine zu einem Gefamtverein zu vereinigen,
der eine jährliche Wanderverfammlung abhält und
dessen Verwaltungsausfchuh feit 1853 das "Korre-
spondenzblatt des Gesamtvereins der deutschen Ge-
schichts- und Altertumsvereine" herausgiebt. 1885
wurde die Besorgung aller Verwaltungsgeschäfte
dieses Gesamtvereins dem Vorstand des Vereins
für die Gefchichte Berlins übertragen. Durch die-
selbe Generalversammlung von 1852 ward das
Römisch-Germanische Centralmuseum in Mainz
begründet, dessen Aufgabe ist, eine übersichtliche
Sammlung der heidn. Altertümer aus allen deut-
fchen Ländern durch plastische und farbige Nach-
bildungen herzustellen. Das gleichzeitig begründete
Germanische Museum (s. d.) in Nürnberg beschränkt
sich im wesentlichen auf das Mittelalter und die
neuere Zeit. Eines besondern Gedeihens erfreute
sich von Anfang an das histor. Vereinswesen in
Bayern, wo es von der Regierung unterstützt wird
und mit der Akademie der Wissenschaften zu München
in Verbindung steht. Unter König Maximilian II.
wurde 1858 auf Anregung L. von Rankes eine
eigene Historische Kommission begründet, die
für allgemeine deutsche Geschichte viel geleistet hat
(Sammlung und Herausgabe der deutschen Reichs-
tagsakten, der ältern Hanserezesse, der deutschen
Städtechroniken, der deutschen Weistümer, der
histor.Volkslieder u. s. w., Allgemeine deutsche Bio-
graphie und Geschichte der Wissenschaften in Deutsch-
land); auch werden mit ihrer Unterstützung die
"Jahrbücher des Deutschen Reichs" und wurden die
"Forschungen zur deutschen Geschichte" (1861-85)
herausgegeben. Ahnliche Ziele hat die 1883 ent-
standene "Badische histor. Kommission", welche
gleichfalls mit Staatsmitteln arbeitet, fowie die
"Gefellschaft für rhein. Gefchichte" und der die
preuß. Gefchichte pflegende "Verein für Gefchichte
der Mark Brandenburg", der die "Forfchungen zur
brandend.-preuß. Geschichte" herausgiebt. Auch
das Königreich Sachsen soll in nächster Zeit eine
histor. Kommission erhalten. Von großer Bedeu-
tung ist der 1870 gegründete "Hansische Geschichts-
verein". Ein erster allgemeiner deutscher Histo-