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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hochbahnen - Hochbau
Kupferstiches auch durch die geringere oder größere
Vertiefung der Linien erreicht wird. Die H. wurde
früher nur dazu verwendet, Ornamente, Schrift-
züge mit leichterer Mühe als durch Gravieren oder
Aushauen erhaben darzustellen; man findet fchon
Spuren diefer Verfahrungsart im Altertum, und
das Mittelalter bildete auf Rüstungen, Degenklin-
gen künstlerische Darstellungen. Das Bedürfnis,
Illustrationen in dem Text von Büchern abzu-
drucken, führte darauf, dergleichen Zeichnungen
erhaben in Holz oder Metall zu gravieren. Sene-
felder verfiel auf die Idee, Zeichnungen mit fettigen
Substanzen auf lithogr. Stein zu bringen und den
Grund fo tief fortzuätzen, daß Abdrücke gemacht
werden konnten. Diese Erfindung wurde nicht
weiter verfolgt, bis Eberhard in Darmstadt und
später Duplat, Didot, Motts in Paris, Bauer-
teller in Wertheim und, unter Mitwirkung von
Dr. Netto, Baumgärtner in Leipzig sie wieder
ausnahmen, auch Clichss in Schriftmasse dabei er-
zielten. Dies führte auf den Gedanken, das Ver-
sahren auf Metalle als geeigneteres Material an-
zuwenden und so Metallstöcke zu erzeugen, welche
die Holzschnitte ersetzen, aber wohlfeiler werden
sollten. Carrs in Toul lieferte bereits 1824 Proben
davon, Dembour in Metz vervollkommnete das
Verfahren, und Gillot in Paris brachte es unter der
Bezeichnung Panikographie oder Gillotage
zur größten Vollendung und praktischen Bedeutung.
Heute weit verbreitet, wird es unter dem Namen
Zinkätzung für die Herstellung bildlicher Dar-
stellungen, Landkarten u. s. w. auf der Buchdrucker-
presse angewendet. Piil stellte Hochdruckplatten durch
Chemitypie (s. d.) her.
Die Abbildungen, welche durch Atzungen in Hoch-
druckplatten umgewandelt werden sollen, können
sowohl auf Papier zur photogr. Übertragung auf
Zink oder direkt auf die Zinkplatte oder auf Umdruck-
papier gezeichnet und dann auf die Zinkplatte über-
gedruckt, als auch auf lithogr. Stein in Kreidemanier
oder mit der Feder gezeichnet, graviert oder auto-
graphiert, oder von Stahl und Kupferplatten auf
Hink übergedruckt werden; einen für H. geeigneten
Überdruck von einer photogr. Glasmatrize kann man
entweder durch unmittelbare Kopie, oder durch Über-
tragung auf lichtempfindliches Papierund von diesem
auf eine Zinkplatte gewinnen. Verkleinerungen wer-
den beim photogr. Verfahren mitdiesem, beidemUm-
druckverfahren mittels des Gummiplattenapparats
vorgenommen.
Das Verfahren besteht darin, daß man auf der
sein polierten Platte mit einer chem. Tusche mit
Feder oder Pinsel eine Zeichnung ausführt oder
ein Bild vom Lithographiesteine oder von einer
Metallplatte auf die Zinkplatte durch Umdruck über-
trägt und alsdann mit Säuren die unbezeichneten
Stellen tief ätzt. Eine andere Art, die erhabenen
Metallstöcke zu erzeugen, besteht darin, sie durch
einen Niederschlag von galvanischem Kupfer darzu-
stellen. Die Zeichnungen werden auf einer mit einem
Deckgrunde versehenen Kupferplatte dadurch hervor-
gebracht, daß man an den bezeichneten Stellen mit
der Nadel das Kupfer bloßlegt, nun die so bezeich-
nete Platte in einen galvanischen Apparat bringt,
dort als Matrize betrachtet und eine neue Kupfer-
platte darauf niederschlägt, welche dann alle Linien
der Zeichnung erhaben darstellt und als Vuchdrucker-
stock gebraucht werden kann. Neuerdings tritt die
Photographie vor allem helfend ein, um Hochdruck-
platten zu erzeugen. Der zum Teil komplizierten
Manieren giebt es eine große Zahl. (S. die beson-
dern Artikel über Zinkographie und Autotypie.)
Litteratur. Scherer, Lehrbuch der Chemi-
graphie (Wien 1877); Toifel, Handbuch der Chemi-
graphie (ebd. 1883); Krüger, Die Zinkogravüre
(2. Aufl., ebd. 1884); Vöck, Die Zinkographie in
der Vuchdruckerkunst (Lpz. 1885); Husnik, Die Zink-
ätzung (Wien 1886).
Hochbahnen (frz. ek6uiiQ8 ä6 lsr ".srißnZ; engl.
^Isvateci raili-okläg), Eisenbahnen, deren Schienen-
weg auf besondern Bauwerken (Viadukten) in solcher
Höhe über das Gelände geführt ist, daß der Verkehr
auf den darunter liegenden Straßenzügen nicht ge-
stört wird. Im Gegensatz hierzu heißen Untergrund-
oder Tiefbahnen solche Eisenbahnen, deren Gleise
unter dem Gelände in Tunneln liegen. Da H. nur
in verkehrsreichen Städten vorkommen, so versteht
man darunter auch Stadtbahnen (s.d.) mit zwecks
Unterführung der Straßenzüge hoch angelegten
Gleisen. Zu den H. gehören z. B. die Berliner
Stadtbahn (s. Berliner Stadt- und Ringbahn,
Bd. 2, S. 817) und die Neuyorker Hochbahn (s. d.).
EineeigenartigeHochbahnbesitztdieStadtBoston
in den Vereinigten Staaten von Amerika. Lokomo-
tiven und Wagen haben zur bessern Überwindung
des Luftwiderstandes cylindrische Form; die Wa-
gen besitzen acht unten zueinander geneigte Räder
und die Lokomotiven wagerecht angebrachte Trieb-
räder. Der Unterbau, auf nur einer Reihe von
eisernen Pfeilern 8 m über dem Boden ruhend,
besteht aus zwei übereinander liegenden Trägern
(Schwellen). Die untere Schwelle nimmt die eigent-
liche Belastung auf und dient zur Führung der
Räder; die obere Schwelle verhütet ein Kippen des
Zuges, sodaß ein Entgleisen ausgeschlossen ist.
Zu den mit Dampf betriebenen H. gesellen sich
in neuesterZeit dieel ektrischenH. Im Febr. 1893
wurde in Liverpool an den Docks die erste derartige
Hochbahn eröffnet. Ihrfolgte als zweite die Chicagoer
Ausstellungsbahn, welche 5 kin lang, zweigleisig
und an den Enden mit Schleifen zum Wenden der
Züge versehen, auf hölzernen, 7,6 m voneinander
entfernten Jochen ruhte. Sie sollte eine schnelle Ver-
bindung in dem ausgedehnten Ausstellungspark er-
möglichen, ohne die Besucher durch Rauch zu be-
lästigen. Man hoffte, daß die Bahn als Vorbild für
die in verschiedenen großen Städten Amerikas ge-
planten elektrischen Z. dienen werde, und insoweit
war die Anlage als Ausstellungsgegenstand zu be-
trachten. Eine Rundfahrt in der Ausstellung dauerte
einschließlich derAufenthalte auf den zehn Stationen
40 Minuten, der Fahrpreis betrug 10 Cents. In
Baltimore befindet sich (1893) eine 3,2 km lange elek-
trische Hochbahn im Bau. In Berlin wird neuer-
dings eine elektrische Hochbahn geplant (s. Berlin,
Verkehrswesen, Bd. 2, S. 810d), die noch durch
eine Linie "Bahnhof Friedrichstraße-Potsdamer
Bahnhof-Grunewald" und "Bahnhof Friedrich-
straße-Gesundbrunnen-Pankow", zum Teil als
Straßenbahn, eine Erweiterung erfahren soll.
Hochbau oder Land bau bezeichnet im allge-
meinen alles, was im Gegensatz zu Wasser-, Stra-
ßen-, Maschinen-, Bergbau u. s. w. zur Ausführung
und Einrichtung von Gebäuden (Hochbauten) ge-
hört, und umfaßt die drei Gebiete: Schön- oder
Staats- (öffentliche) Baukunst, bürger-
liche oder städtische und landwirtschaftliche
Baukunst. Je nach dem Zwecke der Gebäude