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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hofceremoniell - Hofer (Andreas)
Hofceremoniell, s. Ceremoniell und Etikette.
Hofchargen oder Hofämter, s. Hof (S.243K)
Hofdekret, s. Dekret. lund Hofstaat.
Hofdienste, soviel wie Fronen (s. d.).
Hofdyk (fpr.-deik), Willem Jakob, niederländ.
Schriftsteller, geb. 27. Juni 1816 zu Alkmaar, war
1837-39 Lehrer an einer Dorfschule und erhielt
1851 eine Anstellung als Lehrer der niederländ.
! Sprache und Geschichte am Amsterdamer Gym-
nasium. Im Sommer 1888 siedelte H. nach Arn-
heim über, wo er 29. Aug. desselben Jahres starb.
Von seinen Dichtungen sind hervorzuheben: "Rosa-
muiiäs" (Amsterd. 1839), "v6 Li-uiä8äHii3" l Alk-
maar 1842), "1)6 .loiillkr van Lrsäeroäo" (Amsterd.
1849), "^6iiil.6 NErikmä. VallHäsu)) (5 Tle., Haarlem
1850-52; 2. Ausg., Maassluis 1875), "^eääon"
<Delft 1852), "(^risso äs 8Nli(w) (Haarlem 1852),
"ll6i6Q6" (Amsterd. 1854), "Vonäki F6iir00nä"
(ebd. 1858), "^Icmaria Victrix" (ebd. 1873), "In
tiet F6d6i-Ft6 vi-6u^" (Beverwijk 1884), "vaMiiF
8o6indi" (Amsterd. 1887). Unter seinen Prosa-
werken sind die bedeutendsten "(^68c1ii6li6ni8 äer ^6-
66ri2.nä3c:1i61.6tt6rkunä6" (Amsterd. 1853; 7. Aufl.,
Haag 1886), "llßt ^ßä^riHnäsetiL voik ^68c1i6t8t
IN äß V6r3C>1ii1i6Nä6 ti^äp6ll!6I1 21^116!' 6Ut^iKK6>
linF" (Amsterd. 1856; 3. Aufl. 1882), "0n8 vooi--
ß68iHc1it" (6 Bde., Haarlem 1858-64; neue Ausg.,
Leid. 1873-75), und im Verein mit I. van Lennep
"Nsrk^HNi'äiAS Kg.8t66iou in ^6ti6i'lHnä') (6 Bde.,
Amsterd. 1852-61; 2. Aufl., Leid. 1881 fg.).
Höfe, Bezirk im schweiz. Kanton Schwyz, hat
33,7 hkm und (1888) 4849 E., darunter 293 Evan-
gelische und 4555 Katholiken, in 3 Gemeinden. Im
S. von den Nagelfluh- und Sandsteinketten des
Hohen Rhonen (Dreiländerstein 1190m) und des
Etzel (Hochetzel 1102 m) durchzogen, welche durch
das Thal der Sihl voneinander getrennt werden,
nördlich gegen den See abgedacht, sind die H. ein
fruchtbares, wohlangebautes Voralpengelände, reich
an Alpweiden, Waldungen und Obstgärten. Haupt-
ort ist Wollerau (s. d.). - Im 13. und 14. Jahrh,
zur Grafschaft Rapperswyl gehörig, kamen die H.
1358 an Österreich, 1396 an Zürich und 1440 an
Schwyz, bei dem sie als Nnterthanenland blieben,
bis sie 1798 bei dem Umsturz der alten Eidgenossen-
schaft dem Kanton Linth der Helvetischen Republik
zugeteilt wurden. Durch die Mediation 1803 tamen
die H. unter Aufhebung des frühern Unterthanen-
verhältnisses wieder an Schwyz.
Hofeinspanler, Vorreiter bei feierlichen Auf-
zügen am Wiener Hof. Das Wort kommt von Ein-
spänner, d. i. ursprünglich ein berittener Söldner,
der keinen reisigen Knaben hatte.
Höfen, Schloß, s. Friedrichshafen.
Hofer, Andreas, tirol. Freiheitskämpfer, geb.
22. Nov. 1767 in dem Wirtshaufe genannt "Am
Sande" zu St. Leonharo im Pasjeyerthale, trieb
Handel mit Wein und Pferden und übernahm
später die Wirtschaft selbst, daher sein Beiname
"Der Sandwirt". An den Kriegen 1796 -1805
gegen Frankreich nahm H. als Schütze und später
als Hauptmann einer Schützencompagnie teil, und
als sich Osterreich wieder zum Kriege rüstete, war
er einer der Vertrauten, die im Sommer 1808 auf
Befehl des Erzherzogs Johann nach Wien berufen
wurden, wo ihnen der von Hormayr entworfene
Plan zu einer Volkserhebung und Befreiung des
Landes vorgelegt wurde. Der Aufstand, der 9. April
^L>W losbrach, gelang vollständig. Ein glückliches
Tressen, das H.s Abteilung mit den Bayern auf dem
Sterzinger Moos 11. April bestand, machte seinen
Namen schnell bekannt. Als nach der Niederlage
Chastelers bei Wo'rgl 13. Mai die Bayern Tirol
wieder eroberten und die meisten o'sterr. Truppen
abzogen, nahm H. die Verteidigung des Landes
in die Hand. Er lieferte zunächst am Berge Isel
25. und 29. Mai 1809 den Bayern zwei Treffen,
durch die sie zur Räumung Innsbrucks und ganz
Tirols genötiat wurden. Bald darauf wurde auch
der in Trient belagerte Graf von Leiningen befreit.
Schon war H. im Begriff, sich mit einer Schar an
die Truppen anzuschließen, die Klagenfurt wegneh-
men und dadurch die Verbindung Tirols mit den
innern Provinzen des Kaiserstaates herstellen sollten,
als Osterreich nach der Niederlage bei Wagram den
Waffenstillstand von Znaim (12. Juli) abfchloß,
kraft dessen Tirol und Vorarlberg von den Oster-
reichern geräumt werden muhten. H. verhielt sich zu-
nächst ruhig, in der Meinung, daß während der
Waffenruhe alles im bisherigen Zustande verbleiben
sollte. Als aber GeneralLefebvre über 40000 Mann
Franzofen, Bayern und Sachfen von verschiedenen
Seiten in Tirol einrücken ließ, erließ H. ein allge-
meines Aufgebot, infolgedessen Pet. Mayr, Wirt
in der Mahr, der Kapuziner Haspinger und Speck-
bacher zahlreiche Scharen fammelten, während H.
felbst, durch das bayr. "Amnestie"-Patent für vogel-
frei erklärt, sich in ein Versteck im hintern Passeyer
zurückzog. Erstere vernichteten 4. und 5. Aug. in
den Schluchten des Eisackthales bei Mittewald ein
sächs. Regiment. Als dann auch H. bei Sterzing
erschien, sah sich Lefebvre ebenfalls zum Rückzug
gezwungen, und die Schlacht am Berge Ifel
(13. Aug.) vertrieb ihn ganz aus Tirol.
H. führte nun die Militär- und Civilvenvaltung
bis zum Frieden von Wien (14. Okt.), in dem Oster-
reich Tirol definitiv aufgab, und erklärte dann dem
Vicekönig Eugen Veauharnais und dem bayr.
Oberbefehlshaber feine Unterwerfung, begann je-
doch, durch falfche Nachrichten von Siegen und dem
Einmärsche des Erzherzogs Johann getäuscht, na-
mentlich von Haspinger beeinflußt, die Feindselig-
keiten aufs neue. Schon 1. Nov. war er, von der
feindlichen Übermacht überwältigt, gezwungen, sich
nach Pasfeyer zurückzuziehen. Die Vorschläge seiner
Vertrauten zur Flucht nach Osterreich wies er ab
und hielt sich zwei Monate unter Schnee und Eis
in einer Alpenhütte im Passeyer verborgen, bis ein
Bauer Namens Rassl, um den auf H.s Kopf gesetzten
Preis zu verdienen, ihn verriet. Am 28. Jan. 1810
führte er eine ital. Truppenabteilung zu H.s Ver-
steck, die ihn gefangen nahm und unter starker Be-
deckung nach Mantua brachte, wo er 20. Febr. stand-
rechtlich erschossen wurde. Er ging mutig dem Tode
entgegen, duldete nicht, daß man ihm die Augen
verband, und kommandierte selbst "^euer". H. war
ein echter Sohn seines Landes, fröhlich, tapfer und
leicht vertrauend, dabei dem osterr. Kaiserhaus und
der Kirche unbedingt ergeben. Seine Leiche wurde
in der Nacht vom 8. zum 9. Jan. 1823 aus dem
Friedhose zu Mantua ausgegraben und 23. Febr.
1823 in der Hofkirche (Franziskanerkirche) zu Inns-
bruck neben dem Grabmale Kaiser Maximilians I.
beigefetzt. Kaiser Franz ließ durch den Professor
Schaller in Wien H.s Statue in Marmor fertigen,
die 1834 über feinem Grabe aufgestellt wurde. Ein
Denkmal H.s (Erzstatue von Natter) wurde^Z. Sept.
1893 auf dem Berg Isel bei Innsbruck enthüllt.