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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hüferolle - Hoffmann (Aug. Heinr.)
eine breitere gesetzliche Grundlage zu geben, daß
wie in Osterreich (Reichsgesetz vom 1. Febr. 1889)
die Allgemeinbestimmungendes H. als eines direkten
Intestaterbrechts unter Ausschließung der außer-
halb Hannovers und Oldenburgs wenig bewähr-
ten Höferolle in dem Bürgert. Gesetzbuch festgestellt
würden, im übrigen aber die <Hpecialisierung und die
dem Gebrauch angepaßte Anwendung desselben den
Regierungen der einzelnen Bundesstaaten und den
Provinzen anheimgestellt würde.
Vgl. A. von Miaskowski, Das Erbrecht und die
Grundeiqentumsverteilung im Deutschen Reich,
Abteil. 2 (Lpz. 1882-84); ders., Agrarpolit. Zeit-
und Streitfragen (ebd. 1889); ders. im "Handwörter-
buch der Staatswissenschaften)), Bd. 1 (Jena 1890),
S. 270 fg.; O. Gierke, Die Stellung des künftigen
Bürgerl. Gesetzbuchs zum Erbrecht im ländlichen
Grundbesitz (in Schmollers "Jahrbuch für Gesetz-
gebung u. s. w.", Bd. 12,1888).
Höferolle, s. Anerbe.
Hoff, Iakobus Hendrikus van 't, niederländ. Che-
miker, geb. 30. Aug. 1852 zu Rotterdam, studierte
in Delft, Leiden, Bonn, Paris und Utrecht, wurde
1876 Lehrer an der Tierarzneischule zu Utrecht,
1877 Lektor und 1878 Professor an der Universität zu
Amsterdam. Er schrieb: "1^ c1iimi6 6an31'68MC6"
(1875; deutsch von F. Hermann u. d.T. "Lagerung
der Atome im Raume", mit Vorrede von I. Wis-
licenus, 2. Aufl., Vraunschw. 1893), "Ansichten über
die organische Chemie" (3Lfgn., ebd. 1878-81),
"^tnä68 äs ä^namiquk ckiinihuk" (1884), "I^oig
ä6 1'6^ui1idr6 ckiiuiHus" (1885), "Dix 3.NN668 äau3
1'ki8toii'6 cl'mie tdöorie" (Rotterd. 1875; 2. Aufl.
1875; deutsch von Meyerhoffer u. 0. T. "Stereo-
chemie", 1881). Heit 1885 giebt er mit Ostwald die
"Zeitschrift für Physik. Chenue^heraus. Van 'tH. ist
als der erste Begründer der (^tereochemie und als
einer der hervorragendsten Förderer der neuern
phyftk. Chemie zu betrachten.
Hoff, Karl, Genremaler, geb. 8. Sept. 1838 in
Mannheim, erhielt seine künstlerische Bildung an
der Akademie in Karlsruhe unter Schirmer, dann
in Düsseldorf unter Vautier. Nachdem er mit Volks-
genrebildern im Sinne Vauticrs begonnen, von
welchen der Winkeladvokat im Pariser Salon 1864
nicht unbemerkt blieb, warf er sich mit Erfolg auf das
Kostümgenre des 17. und 18. Jahrh., wobei er
malerische und anmutige Erscheinung mit tiefer
Empfindung zu verbinden wußte. So zunächst in
der Rast auf der Fluckt (Zeit Ludwigs XIV.), dann
Die Taufe des Nachgeborenen (1875; Berliner Natio-
nalgalerie), Des Sohnes letzter Gruß (1878; Dres-
dener Galerie), Vordem Ausmarsch (1880),Zwifchen
Leben und Tod (1886; Galerie zu Karlsruhe), meist
der Zeit des Dreißigjährigen Krieges entnommen.
Von kleinern Kostümbildcrn sind zu nennen: Die
Heimkehr(1868), Tartüffe und E'lmire nach Moliere.
Seit 1878 als Professor in Karlsruhe thätig, starb
H. daselbst 13. Mai 1890.
Hoff, Konrad, Architekturmaler, geb. 19. Nov.
1816 in Schwerin, bildete sich kurze Zeit an der
Dresdener Akademie, war dann als Htuben-und
Theatermaler in mehrern Städten Deutschlands
und Polens thätig, bis er sich in München nieder-
lieh. Seine Bilder stellen meist Rokokobauten dar.
Hervorzuheben sind: Rokokozimmer (1860), Inneres
der Münchener Frauenkirche (1860), Treppenhaus
im Schloß zu Schleißheim (1862), Inneres eines
ktten Schlosses in Neuburg, Schlafzimmer Kaiser
Karls VII. in Schleißheim (1867) und Bilder aus
oberital. Städten. H. starb 19. Febr. 1883 in Mün-
Hoffähigkeit, s. Hof (S. 243d). schen.
Hoffbauer, Clemens Maria, s. Redemtoristen.
Höffding, Harald, dän. Philosoph, geb. 11. März
1843 in Kopenhagen, studierte seit 1861 daselbst
Theologie, war 1871-79 Privatdocent der Philo-
sophie und ist seit 1883 ord. Professor an der Uni-
versität Kopenhagen. Durch das Studium S. Kier-
kegaards (s. d.) ursprünglich zu einem Dualismus
von Glauben und Wissen gesührt, wandte H. sich
später dem modernen Positivismus zu, dessen Ver-
bindung mit der krit. Philosophie ihm jedoch not-
wendig erscheint. Unter seinen Werken sind hervor-
zuheben: "Den engelske Filosofi i vor Tid" (Kopenh.
1874; deutsche Übersetzung u. d. T. "Einleitung in
die engl. Philosophie unserer Zeit", Lpz. 1889), "Om
Grundlaget for den humane Etik" (Kopenh. 1876;
deutsch: "Die Grundlage der humanen Ethik", Bonn
1880), "Psychologi i Omrids paa Grundlag of Er-
faring" (Kopenh. 1882; 3.Aufl. 1892; deutsch: "Psy-
chologie im Umriß auf Grundlage der Erfahrung",
Lpz. 1887; 2. Aufl. 1892; auch ms Russische, Pol-
nische und Englische nach der 1. deutschen Ausgabe
übersetzt), "FormalLogiktilBruqvedForeloesninger"
(Kopenb. 1884; 2. Aufl. 1890)/
H^A>n., bei botan. Namen Abkürzung für Hein-
rich Karl Hermann Hoffmann (s. d.) und für Franz
Georg Hoffmann (s. d.); hinter Tiernamen bedeutet
es Werner Friedrich Hoffmeister (geb. 1829),
der über Regenwurm er fchrieb.
Hoffmann, Aug. Heinr., gewöhnlich Hofs-
mann von Fallersleben genannt, Dichter,
Sprachforscher und Literarhistoriker, geb. 2. April
1798 zu Fallersleben im Lüneburgischen, studierte
seit 1816 in Göttingen, seit 1819 in Bonn erst
Theologie, dann aber ausschließlich Germanistik.
Nachdem er die Rheinlande und Holland zur Er-
forschung der Volksdichtung durchreist und eine Zeit
lang in Berlin gelebt hatte, wurde er 1823 Kustos an
der'Universitätsbibliothek in Breslau, 1830 außer-
ord., 1835 ord. Professor der deutschen Sprache und
Litteratur an der dortigen Universität. Aus wieder-
holten Reisen nach Österreich (1827 und 1843), Däne-
mark (1836), Holland, Belgien und Nordfrankreich
(1837) sammelte er viele bisher unbekannte Bruch-
stücke altdeutscher Gedichte. Infolge seiner "Un-
polit. Lieder", die anstößige Grundsätze und Ten-
denzen enthalten sollten, wurde er 1842 seiner Pro-
sessur ohne Pension enthoben. Während der nächsten
Jahre fthrte H. das wechselvolle und nicht immer
unbedenkliche Wanderleben eines polit. Vaganten,
der auf seine liberalen Ansichten und Leiden hin sich
allenthalben feiern und unterstützen ließ. 1845 er-
warb er sich in Mecklenburg das Heimatsrecht. Seit
1848 in Preußen rehabilitiert, bezog er von da an
das gesetzliche Wartegeld als Pension. Seit 1849
lebte er am Rhein, zuerst in Bingcrbrück, seit 1851
in Neuwied, bis er 1854 einer Einladung nach
Weimar folgte, wo er mit Schade das "Weimarische
Jahrbuch" (Hannov. 1854-57) herausgab. Seit
1860 Bibliothekar des Herzogs von Ratibor, lebte
er auf Schloß Korvei an der Weser, wo er in der
Nacht vom 19. auf den 20. Jan. 1874 starb. In
seinem Geburtsorte wurde ihm 23. Nov. 1883 ein
Denkmal (Obelisk) errichtet, ein anderes 26. Aug.
1892 auf Helgoland.
H. gehört zu den thätigsten Forschern auf dem Ge-
biete der deutschen Sprache und Litteratur, deren