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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Höheutafeln - Hohenzollern (Fürstentümer)
Wasserleitung; bedeutende Webereien, Strumpf-
und Tricotagenfabriken, Seiden-, Möbelstoff-und
Vortierenweberei, Strumpfstuhl- und Nadelfabriken
sowie Bergbau auf Arfen, Schwefel, Kupferkies und
Fahlerze. Nahebei eine Mineralquelle mit Kalt-
wasserheilanstalt. - 3) H. in Ostpreußen, Stadt
im Kreis Osterode des preuh. Reg.-Bez. Königs-
berg, in 595 m Höhe, am Amling, an der Neben-
linie Allenstein-Soldau der Preuh. Staatsbahnen,
Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Allenstein),
hat (1890) 2563 E., darunter 496 Katholiken und
79 Israeliten, Post zweiter Klasse, Telegraph,
ein königl. im Eingehen begriffenes Gymnasium
(5 Klassen, 78 Schüler), dessen Gebäude auf den
Grundmauern einer alten Burg des Deutschen
Ritterordens steht, eine königl. Präparandenanstalt;
ferner Vieh- und Pferdemärkte. - Vgl. Tocppen,
Chronik der Stadt H.
Höhentafeln, Kotentafeln, Tabellen, welche
die zur Bestimmung von Höhen bez. zum Ermitteln
des Höhenunterschieds zwischen zwei Punkten er-
forderlichen Rechnungen für alle vorkommenden
Werte bereits ausgeführt enthalten. Solche Tafeln
sind z. B. berechnet für die trigonometr. Höhenbe-
stimmungen, bei denen die horizontale Entfernung
zwischen zwei Punkten und der von ihrer Verbin-
dungslinie und der Horizontalen gebildete Vertikal-
winkel die Rechnungselemente bilden, oder für baro-
metrifche Messungen auf Grund des abgelefenen
Barometerstandes und der Lufttemperatur u. dgl. -
Vgl. Kotentafeln für die entfernungmessende Kipp-
regel (Berl. 1890); Jordan, Barometrische H.
(2. Aufl., Stuttg. 1886).
Hohentwiel, Phonolithkegel im Oberamt Tutt-
lingen des württemb. Schwarzwaldkreifes im Hegau,
2 Km nordwestlich von Singen, 692 m ü. d. M.,
293 in über dem Bodensee, bildet eine kaum 1 qkm
große Enklave im bad. Kreis Konstanz und gewährt
eine prachtvolle Aussicht auf den Bodensee und die
Alpen von Tirol bis nach Savoyen. Den Gipfel
krönen die gewaltigen Ruinen des Klosters und der
Feste H., von denen ein wohlerhaltener Turm zum
Belvedere eingerichtet ist. Die Feste H. (Duellium,
Alta Tuile) soll bereits im 3. oder 4. Jahrh. n. Chr.
von den Römern erbaut worden sein; urkundlich
wird sie zuerst 806, dann im 9. und 10. Jahrh,
als schwäb. Grafen- und Herzogssitz erwähnt. Im
11. Jahrh, kam die Burg an die Hohenstaufen, im
12. an die Herren von Twiel, im 13. an die Edlen
von Klingenberg, 1538 endgültig durch Kauf an
Ulrich von Württemberg. Auf den Grundmauern
der alten Burg erbaute diefer 1554 die Feste, deren
Ruinen noch vorhanden sind. Im Dreißigjährigen
Kriege wurde sie 1635-44 fünfmal von kaiferl. und
bayr. Truppen belagert, blieb aber unbezwungen.
Nicht mehr Erfolg hatte 1703 im Spanifchen Erb-
folgekriege eine Belagerung durch franz. und bayr.
Truppen. Dagegen übergab die fchwache Vefatzung
1800 den H., der inzwifchen Staatsgefängnis ge-
worden war, ohne Widerstand den Franzofen unter
Vandamme, von denen die Festung zerstört wurde.
Neuerdings hat H. als Sperrfort wieder militär.
Bedeutung erlangt. Das Benediktinerkloster
auf dem Twiel foll in der ersten Hälfte des 9. Jahrh,
oom Gaugrafen Hatto gestiftet worden sein, im 10.
wurde es durch Hedwig, die Witwe Vurkards 11. von
Schwaben, erweitert, von König Heinrich II. 1005
nach Stein am Rhein verlegt. Der H. ist besonders
als Schauplatz von Scheffels Roman "Ekkehard"
bekannt. - Vgl. Schönhuth, Gefchichte der ehe-
maligen Bergfeste H. (3. Aufl., Tuttlingen 1842);
von Martens, Gefchichte von H. (Stuttg. 1857);
H., Vefchreibung und Geschichte. Von O. Fraas,
P. Hartmann, F. Karrer, E. Paulus u. a., hg. vom
Statistisch-Topographischen Bureau (2. Aufl., ebd.
1882); Victor Müller, H., Gefchichte, Vefchreibung
und Rundsicht (Singen 1893).
Hohenwart, Karl Siegmund, Graf, österr.
Staatsmann, Hauptvertreter des föderalistischen
Gedankens in Osterreich, geb. 12. Febr. 1824^ war
1856 Komitatsvorstand in Fiume, dann ^tatt-
daltereirat in Trient, 1860 Landeshauptmann in
Laibach, 1867 Landespräsident in Kärnten, 1868
Statthalter in Oberösterreich. Am 7.Febr.1871 wurde
er nach der Entlassung des Ministeriums Potocki
zum Ministerpräsidenten und Minister des Innern
berufen und suchte als solcher den Reichsrat durch
den Wiedereintritt der demfelben fern gebliebenen
Abgeordneten des Königreichs Böhmen zu vervoll-
ständigen und die Reichsverfassung mit den An-
sprüchen der einzelnen Königreiche und Länder in
Einklang zu bringen. Sein thätigster Mitarbeiter
war der Handelsminister Schaffte; doch erregten die
sog. "Fundamentalartikel", in denen zunächst der
böhm. Landtag seine Forderungen formuliert hatte,
eine folche Opposition der deutschliberalen Partei
und des ungar. Ministeriums, daß H. 30. Okt. 1871
von seinem Amt zurücktrat. Seit Okt. 1873 gehört
er als Abgeordneter des kram. Landbezirks Krain-
burg dem Reichsrat an, wo er der Führer des
Klubs des rechten Centrums (der frühern Rechts-
partei) wurde. 1891 konstituierte sich unter seiner
Führung der sog. Hohenwart-Klub (s. d.). Am
20. Jan. 1885, nach dem Tode des Fürsten Adolf
Auersperg, wurde H. zum Präsidenten des österr.
Obersten Rechnunczshofs ernannt.
Hohenwart-Klub, eine April 1891 unter Füh-
rung des Grafen Karl Siegmund Hohenwart (s. d.)
gebildete Parteigruppe im österr. Abgeordneten-
Haufe, die außer den böhm. Großgrundbesitzern auch
die Deutschkonfervativen, die Slowenen, Kroaten
und Rumänen umfaßt. Ihr Programm fordert
Ausgestaltung des öffentlichen Rechts auf christl.
Grundlage, Gleichberechtigung der Nationalitäten,
histor. Eigenberechtigung und Integrität der König-
reiche und Länder der österr. Monarchie unter voller
Aufrechterhaltung des die einzelnen Teile des Reichs
vereinigenden realen Verbandes. Der Klub zählt
etwa 70 Mitglieder, Obmann ist Graf Hohenwart,
Stellvertreter Dr. Rapp.
Hohenwestedt, Dorf im Kreis Rendsburg des
preuß. Reg.-Bez. Schleswig, an der Nebenlinie
Neumünster-Tönning der Preuß. Staatsbahnen,
Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Kiel), hat
(1890) 1880 E., Post, Telegraph und eine land-
wirtschaftliche Lehranstalt.
Hohenzieritz, Dorf imGrohherzogtum Mecklen-
burg-Strelitz, 11 km im N. von Neustrelitz, hat
(1890) 260 E., Postagentur, Fernsprechverbindung
und ein großherzogl. Lustschloß mit Park. Hier starb
19. Juli 1810 die preuß. Königin Luise.
Hohen-Zillerthal, s. Erdmannsdorf.
Hohenzollern oder die Hohenzollern schen
Lande, die durch den Vertrag vom 7. Dez. 1849
dem preuß. Staatsverbande einverleibten Füiften-
tümer Hohenzollern-Hechingen und Hohen-
zollern-Sigmaringen in Schwaben, bilden zu-
sammen den Reg.-Vez. Sigmaringen (s. d.), der