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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Holtenau - Holtz
große Anzahl von Stücken lieferte, darunter nament-
lich "Der alte Feldherr" und "Lenore". Mit seiner
zweiten Frau, einer geborenen Holzbecher, nahm er
sodann ein Doppelengagement in Darmstadt an,
kehrte jedoch bereits 1831 nach Berlin zurück. Hier
machte er den Versuch, in seinem Stücke "Ein Trauer-
spiel in Berlin" den Berliner Jargon durch die
Nebenfigur des "Nante" auf die Bühne zu bringen.
Auch lieferte er dem Komponisten Gläser den Text
zu dessen beliebter Oper "Des Adlers.horst" und
schrieb für Ludw. Devrient das Schauspiel "Der
dumme Peter". Er entschloß sich 1833 wieder die
Bühne zu betreten und schrieb für eine Kunstreise
mit seiner Gattin eine Neihe kleiner Possen und
rührender Schauspiele, unter denen namentlich
die Dramen "Lorbeerbaum und Bettelstab" und
"Shakespeare in der Heimat" Glück machten, auch
"Dreiunddreißig Minuten in Grüneberg" ist vom
Repertoire unserer Liebhabertheater bis heute nicht
geschwunden. Nachdem H. 1837-39 das Theater zu
Riga geleitet hatte, wo er seine zweite Gattin verlor,
lebte er an verschiedenen Orten, bis er die Direktion
der Breslauer Bühne übernahm. Aber auch dieses
Verhältnis löste sich bald wieder, und er lebte nun
teils zu Graz, teils auf Reisen durch ganz Deutsch-
land, durch seine seltene Gewandtheit als Vorleser
dramat. Gedichte sowie durch seine liebenswürdige
Persönlichkeit sich zahlreiche Freunde erwerbend.
1870 siedelte H. wieder nach Vreslau über und nahm
im Dez. 1876 seinen Aufenthalt im Kloster der
Barmherzigen Brüder daselbst, um sich fernerhin
der Pflege des Ordens anzuvertrauen. Er starb
12. Febr. 1880. Ein Denkmal (von A. Rachner)
wurde ihm auf der sog. Holtei-Höhe, früher Ziegel-
bastion, in Breslau 24. Jan. 1882 errichtet. Als
Dramatiker hat H. das Verdienst, das Vaudeville in
Form des deutschen gemütlichen Liederspiels in
Deutschland eingebürgert zu haben. Einer weichen,
zuweilen in Sentimentalität übergehenden Grund-
stimmung hielt eine frische Auffassung des wirklichen
Lebens und eine gesunde Naivetät die Wage. Viele
der eingelegten Lieder sind mit Recht populär ge-
worden. In den "Briefen aus und nach Grafenort"
(Altona1841) sowie in den "Vierzig Jahren" (8 Bde.,
Verl. und Bresl. 1843-50; 3. Aufl., edd. 1862) mit
dem Supplement "Noch ein Jahr in Schlesien"
(2 Bde., Bresl. 1864) gab H. treffliche Bemerkungen
über das deutsche Bühnenwescn und interessante
Mitteilungen aus seinem vielbewegten Leben.
H. war aber nicht nur Bühnendichter. In seinen
prächtigen "Schles. Gedichten" (Berl. 1830; 19. Aufl.,
Bresl.1888; Prachtausgabe, 9.Aufl., ebd. 1865) traf
er in der schles. Mundart ausgezeichnet den Volks-
ton, während andere lyrische Versuche ("Gedichte",
Verl. 1826 u. 1844; 5. Aufl., Bresl. 1861; "Deut-
sche Lieder", 2. Aufl., Schleus. 1836; "Stimmen des
Waldes", 2. Aufl., Vvesl. 1854) unbedeutend sind.
Dagegen hat er mit Recht Erfolge gehabt durch feine
erfindungsreichen, realistischen und auch durch ihre
kulturhistor. Elemente sehr schätzbaren Romane,
von denen namentlich "Die Vagabunden" (4 Bde.,
Berl. 1852 u. ö.) schon durch H.s genaue Kennt-
nis dieser Lebenskreise noch heute Interesse er-
regen. Aber auch "Christian Lammfell" (5 Bde.,
ebd. 1852 u. ö.), "Ein Schneider" (3. Aufl., ebd. 1862),
"Xodi6886 odliFk" (2. Aufl., 3 Bde., ebd. 1862), "Die
Eselsfresser" (3. Aufl., 3 Bde., ebd. 1862), "Erleb-
nisse eines Livreedieners" (3 Bde., ebd. 1868) ge-
hören trotz gewagter, abenteuerlicher und sentimen-
taler Züge durch die reiche Kenntnis von Volk
und Gesellschaft, die sie entfalten, zu den bessern
neuern Romanen. Sie sind zum großen Teil in die
Sammlung seiner "Erzählenden Schriften" (39 Bde.,
Verl. 1861-66) aufgenommen worden. Seine dra-
mat. Arbeiten ließ er in einem Bande als "Theater"
(ebd. 1845), später in sechs Bänden (1867) erschei-
nen. Außerdem gab H. allerlei vermischte Schriften
heraus: "Erinnerungen" (Bresl. 1822), "Der Ober-
nigker Bote" (ursprünglich ^1822^ Zeitschrift, dann
Bresl. 1854,3 Bde., in Buchform), "Charpie" (2 Bde.,
ebd. 1866), "Nachlese. Erzählungen und Plaude-
reien" (3 Bde., ebd. 1871), "Simmelsammelsurium"
(2 Bde., ebd. 1872), "An Grabes Rande. Blätter
und Blumen" (2. Ausg., ebd. 1876).
Holtenau, Landgemeinde im Kreis Eckernförde
des preuß. Reg.-Bez. Schleswig, nördlich von Kiel,
am Eiderkanal, nahe an dessen Ausgang nach der
Kieler Bucht gelegen, hat (1890) 800 E., Post und
Telegraph, über die Holtenauer Schleuse s.
Nordostseekanal.
Holter-Fehnkanal, s. Tabelle und Karte zum
Artikel Fehn- und Moorkolonien. ^S. 844g.).
Holtonscher Brütapparat, s. Fischzucht (Bd. 6,
Hölty, Hermann, lyrischer Dichter, Großneffe
des folgenden, geb. 4. Nov. 1828 zu ülzen, stu-
dierte in Göttingen Theologie, war dann Haus-
lehrer, feit 1863 Pastor an der St. Johanniskirche
in Hannover, trat 1882 in den Ruhestand und starb
15. Aug. 1887 im Bade Rehburg. Er verfaßte
mehrere Dramen: "Das Gelübde, ein Mysterium"
(Kiel 1862; 2. Aufl. 1865), "König Saul" (Hannov.
1865), "Lonoda" (ebd. 1882). Lyrische Dichtungen
sind: "Irrwege eines jungen Dichters" (Lüneb.
1851), "Liederund Balladen" (Hamb. 1856), "Alpen-
zauber und italische Gebilde" (Braunschw. 1867),
"Ostseebilder und Balladen" (Kiel 1862), "Bilder
und Balladen" (2. Aufl., Hannov. 1874), "Aus der
deutschen Götterwelt. Balladen" (ebd. 1877). Seine
"Gesamten Dichtungen" erschienen 1882 (ebd.).
Hölty, Ludw. Heinr. Christoph, lyrischer Dichter,
geb. 21. Dez. 1748 zu Mariensee bei Hannover,
bezog 1769 die Universität zu Göttingen, wo er
sich der Theologie widmete und dem Göttinger
Dichterbund beitrat. Mit Johann Martin Miller
machte er im Herbst 1774 eine Reise nach Leipzig,
und im Juli 1775 besuchte er die Dichterfreunde
in Hamburg. Schon damals war seine Gesund-
heit untergraben. Dazu kam noch seines Vaters
Tod, der ihn tief ergriff. Im Spätherbst 1775 ging
er nach Hannover, dichtete noch mehrere schwer-
mütige Elegien und war mit der Sammlung seiner
Gedichte beschäftigt, als er 1. Sept. 1776 in Han-
nover starb. Von seinen Liedern, die vielfach engl.
Einflüsse verraten, sind mehrere volkstümlich ge-
worden, z. B. "Üb immer Treu und Redlichkeit",
"Rosen auf den Weg gestreut", "Wer wollte sich mit
Grillen plagen". Seine "Gedichte" wurden von Voß
und Stolberg (Hamb. 1782) und dann vermehrt von
Voß mit einer Biographie H.s (ebd. 1804 u. ö.; neue
kritische Ausg., von Karl Halm, ebd. 1869, und mit
Einleitung und Anmerkungen, ebd. 1870) heraus-
gegeben. - Vgl. Ruete, H. Sein Leben und Dichten
(Guben 1883).
Holtz, Wilh., Physiker, geb. 15. Okt. 1836 zu Saa-
tel bei Barth (Neu-Vorpommern), studierte in Ber-
lin, Dijon und Edinburgh Physik und andere Natur-
wissenschaften, worauf er in Berlin, vorzugsweise
mit elektrischen Untersuchungen beschäftigt, 1865