Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

304
Holz
Einen unbedingt richtigen Schluß auf die Qua-
lität des H. gestattet die vorhandene Breite der
Jahresringe nicht. Da jedoch bei den Nadelhölzern
mit der Breite des Ringes das Frühjahrsholz ge-
wöhnlich verhältnismäßig mehr zunimmt als das
dichtere Herbstholz, so ist das engringige H. wegen
der größern Menge seines Herbstholzes meist schwe-
rer, daher auch für viele technische Zwecke wertvoller.
Umgekehrt verhalten sich die ringporigen Laubhdlzer;
bei ihnen wächst mit der Breite der Ringe besonders
das dichte Herbstholz, während die poröse Frühjahrs-
schicht mehr oder weniger konstant bleibt. Bei den zer-
streutporigen Laubhölzern hat die Breite der Ringe
einen bemerkbaren Einfluß auf das Holzgewicht in
der Regel nicht. Möglichst gleichförmiger Bau der
Jahresringe, also nicht greller Wechsel zwischen
breiten und schmalen Ringen, berechtigt stets zu
günstigen Schlüssen bezüglich der Qualität des H.
Auf die technischen Eigenschaften desselben hat
ferner einen bedeutenden Einfluß die Größe und
Anzahl der Markstrahlen oder Spie gelfasern,
parenchymatischer Gewebe, die den Holz-und Rinden-
körper in radialer Richtung bandartig durchsetzen.
Von der Länge und Breite derselben hängt der Ver-
lauf der Holzfaser ab. Dieser ist z. B. bei den meist
langen, schmalen und zahlreichen Markstrahlen der
Nadelhölzer fast gerade und parallel, daher deren
leicht- und glattspaltiges H. Bei kurzen, breiten
und bauchigen Markstrahlen nehmen die Holzfasern
einen mehr oder weniger geschlungenen Verlauf um
die Markstrahlen, solche H. sind in der Regel schwer-
und nicht glattspaltig. Große, kräftige Markstrahlen,
wie z. B. von Eiche und Buche, erhöhen wieder die
Spaltbarkeit. Jedenfalls sind aber die Markstrahlen
Ursache, daß sich alles H. in der Richtung ihrer
Ebene, also in der radialen Richtung, leichter spal-
tet als in der tangentialen oder Sehnenrichtung.
Für manches H., namentlich für dessen Dauerhaf-
tigkeit, ist von hoher Bedeutung sein Harzgehalt.
Die Laubhölzer besitzen keine Harzgänge (s. d.), die
Weißtanne, Wacholder, Lebensbaum und Eibe sehr
wenig oder ebenfalls keine, die meisten übrigen Na-
delhölzer mehr oder weniger reichlich.
Das H. wird in Kernholz und Splint unter-
schieden. Unter ersterm versteht man die innern,
ältern Holzschichten, die nach außen von einem
Ringe jüngern H., dem Splint, umgrenzt werden.
Letzterer hat in der Regel einen grötzern Saftreich-
tum als der Kern, dieser ist bei vielen Holzarten
dunkler gefärbt. Am auffallendsten ist dieser Unter-
schied in der Farbe bei vielen H. der warmen Zone,
so z. B. beim Ebenholz und andern Ebenaceen.
Unsere Holzarten zeigen diesen Unterschied teils
deutlich, teils gar nicht. Man nennt deshalb Kern-
holzbäume jene, bei denen ein ausgesproche-
ner Farbenunterschied zwischen Splint und Kern
vorhanden ist (Eiche, Kastanie, Akazie, Esche,
Ulme, alle Kiefernarten, Lebensbäume, Lärche,
Eibe, Wacholder, Pappel, Weide); Reifholz-
bäume, die Holzarten, bei denen dieser Farben-
unterschied nicht besteht (Fichte, Tanne, Buche),
die centralen Holzpartien sind nur trockner und
saftärmer als die äußern; Splintholzbäume,
die Holzarten, die weder in der Farbe, noch im
Saftreichtum einen deutlichen Unterschied erkennen
lassen (Birke, Linde, Erle, Ahorn, Hornbaum,
Aspe), bei ihnen ist der innere Holzkörper ebenso
saftleitend wie der Splint, über die Kernholz-
bildung bestehen sehr verschiedene Ansichten. Nach
R. Hartig ist die farbige Verkernung nur Folge
einer Ablagerung von Stoffen (Gerbstoff, Gummi,
Harze u. s. w.) in den Zellhöhlen und den Wan-
dungen der Holzorgane, verbunden mit einer Ver-
mehrung der Substanz. Reif- und Splintholz-
bäume zeigen im Innenholz entweder einen Sub-
stanzverlust (Stärkemehl) oder bleiben unverändert.
Der sog. falfche oder kranke Kern, z. B. der rötliche
Kern der Buche, wird durch beginnende Zersetzung
oder durch Zufuhr von löslichen Zersetzungspro-
dukten aus andern Baumteilen bedingt. Alter
und Standort haben wesentlichen Einfluß auf die
Kernholzbildung; im allgemeinen haben ältere, QuH
fruchtbarem Standort erwachsene Bäume mehr Kern -
und Reifholz als jüngere von dürftigem Stand-
orte. Technisch wichtig ist, daß Kern- und Reifholz
bei vielen Holzarten schwerer, härter und dauer-
hafter ist als der Splint (z. B. Eiche, Kiefer, Lärche).
Durch die so äußerst verschiedenartige Struktur
und Art des Wachstums des H. teils verschiedener
Baumarten, teils einer und derselben Holzart von
verschiedenem Standort oder verschiedenem Alter
werden dessen technische Eigenschaften bedingt,
nämlich: äußere Form, Gewicht (Dichtigkeit), Härte,
Spaltbarkeit, Biegsamkeit, Festigkeit, Verhalten des
H. zum Wasser, Dauer, Farbe und Textur, Brenn-
kraft. Da das H. kein homogener Körper ist, da
ferner die individuellen Unterschiede des H. einer
und derselben Baumart, ja selbst die der verschiede-
nen Holzteile eines und desselben Baums sehr groß
sind, ist es äußerst schwierig, über die technischen
Eigenschaften verschiedenerHolzarten bestimmte An-
gaben zu gewinnen. Beeinflußt werden dieselben
überdies noch durch Fehler und Krankheiten des H.
Die äußere Form bedingt besonders die Ver-
wendbarkeit des H. zu Bauzwecken; Geradschastig-
keit, Astreinheit, Vollholzigkeit zeichnen im allge-
meinen die Nadelhölzer vor den Laubhölzern, am
meisten die Fichte und Tanne aus. Vollholzig
ist ein Baumschaft, der sich in seiner Gestalt mehr
dem Cylinder, abholzig oder abformig ein
solcher, der sich mehr der Form des Kegels nähert.
Der Grad der Vollholzigkcit wird forstlich ausge-
drückt durch die "Schaftformzahl". (S. Formzahl.)
Das specifische Gewicht oder die Dichte dcs
H. hängt ab von der Weite der Zellen und Gefäße
und von der Dicke der Wandungen derselben, also
von der Porosität. Die feste Holzmasse an sich ist
stets schwerer als das Wasser; deren specifisches Ge-
wicht ("Festgewicht") zeigt bei den verschiedenenHolz-
arten keinen großen Unterschied, man kann es z. B.
für Eiche, Buche, Birke, Fichte und Kiefer zu 1,56
annehmen. Dagegen zeigen die verschiedenen Holz-
arten nicht bloß, sondern auch die verschiedenen
Bäume einer und derselben Holzart und die ver-
schiedenen Teile desselben Baums (Innen-, Außen-
holz, Schaft oben und unten, Ast-, Wurzelholz) große
sind daher sehr unsicher. Schmale Jahresringe der
Nadelhölzer, breite Jahresringe der ringporigen
Laubhölzer lassen in der Regel auf hohes speci-
fisches Gewicht schließen. Sehr schwere H. haben
lufttrocken ein spec. Gewicht von 0,75 und mehi
(Eiche, Esche, Eibe, Ahorn, Nuhbaum, Apfelbaum
u. s. w.), in der gemäßigten Zone sehr selten jedoch
über 1, während es in wärmern Ländern viel schwe-
rere H. giebt. Leichte H. nennt man solche, die
0,55 und weniger haben (Fichten, Kiefern, Tannen.
Erlen, Pappeln, Linden u. s. w.).