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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Holztransportwesen
Die Nebenwege werden meist nur als sog. Erd-
wege hergestellt, zu deren Bau nur das Material
verwendet wird, das der Straßenkörper selbst oder
dessen nächste Umgebung liefert. Für die vorüber-
gehend anzulegenden Stellwege begnügt man sich
meist mit der.Herstellung einer einsagen Fahrbahn.
Im Sumpfboden oder auch im Sand, wo geeig-
netes Steinmaterial nur mit unverhältnismäßig
großen Kosten aus weiter Ferne zugefchafft werden
kann, finden Wege mit Holzbau, namentlich für
kürzere Strecken, vielfach Anwendung. Man unter-
scheidet Faschinenwege und Knüppel- oder Prügel-
wege. Eine besondere Art der mit Holz gebauten
Wege sind die schmier- oder Schleifwege, die
zum Sommertransport des Holzes im geneigten
Terrain dienen. Man belegt die Fahrbahn quer-
über mit Knüppeln, jedoch nicht dicht aneinander.
Diese Wege sind namentlich im Elsaß im Gebrauch.
In neuerer Zeit haben die Waldeisenbahnen
(s. d.) vielfache Anwendung gefunden, namentlich
in den zusammenhängenden Waldungen des nord-
deutfchen Tieflandes. Die Fortbewegung der be-
ladenen Wagen erfolgt entweder auf der schiefen
Ebene durch das eigene Gewicht oder durch Men-
schen- oder Tierkräfte, nur ganz ausnahmsweise
durch kleine Lokomotiven.
Eine schon in alter Zeit in den Hochgebirgen an-
gewendete Vorrichtung zum Holztransport sind die
Niesen (s. d.).
Der'Holztransport zu Wasser erfolgt so, daß
man das Holz in einzelnen Stücken oder in Partien
zusammengebunden auf tragfähiges, fließendes
Wasser bringt. Das erstere Versahren nennt man
Trift, auch Einzelnflöherei, Wildflöherei,
Holz schwemmerei, das zweite die gebundene oder
eigentliche Flößerei. Stellenweise wird der Aus-
druck Flößen für beide Verfahren angewendet.
Für die Anwendung der Trift, für die Beseiti-
gung natürlicher Hindernisse im Flußbett machen
sich in der Regel mehr oder weniger kostspielige
Bauanlagen notwendig. Noch mehr ist das der
Fall durch die Anlage von Wasserreservoiren und
Auffanggebäuden. Die am meisten zur Holztrift
verwendeten Gebirgsbäche erleiden einen perio-
dischen Wechsel des Wasserstandes, durch Ansamm-
lung der Zuflüsse kann man letztern in erforderlicher
Weise steigern. Besonders ist dies notwendig im
Anfang der Triftstraße, wo die Gebirgsbäche meist
noch wenig Wasser enthalten. Zu diesem Zwecke ver-
wendet man zufällig vorhandene Seen und Teiche,
Speisekanäle, Klausen oder Schwellungs-
werke und Schwemmteiche. Durch Speisekanäle
führt man in der Nähe der Triftstratze fließende andere
Quellen und Bäche der Triftstrahe zu. Wo natürliche
Wasserbehälter für die Triftstraße fehlen, ist das
Wasser derselben selbst aufzustauen und zu sammeln,
um wenigstens eine vorübergehende Bewässerung
derselben zu ermöglichen. Es geschieht dies durch
die Anlage von Dämmen, die das Thal der Trift-
strahe oder ein Seitenthal derselben durchschneiden
und alles Wasser hinter sich festhalten. Einen solchen
Damm nennt manKlausdamm, Schwellwerk,
Wehrdamm u.s. w., den hinter demselben befind-
lichen, das Wasser aufnehmenden Raum den Klaus-
hof. In weiten Thälern mit schwachem Gefalle,
mit breiter, ebener Sohle ist die Anlage künstlicher
Teiche, Schwemm- oder Flohteiche geboten. Wäh-
rend Klausen und Teiche eine vorübergehende Be-
wkfferung der Triftstraße über ihren natürlichen
Wasserstand bezwecken, legt man Wehre, Thal-
schwellen, dazu an, den Wasserstand eines fließen-
den Gewässers dauernd zu erhöhen und ein zu starkes
Gefalle derselben zu vermindern.
Außer den Klaus- und Wehrbauten, den oft sehr
schwierigen Bauten zur Verbesserung und Vefesti-
aung der Ufer, sind von besonderer Wichtigkeit die
Fanggebäude: Holzrechen, Bockrechen, Sperr-
bauten, Fangrechen u. s. w. Je stärker das Gefalle
des Baches auch am Ende der Triftstraße ist, je
mebr Holz auf einmal getriftet wird, desto fester
müssen alle Fanggebäude errichtet werden. Am
besten ist es, wenn das Holz außerhalb des Holz-
lagerplatzes durch Rechen festgehalten und in letz-
tern ganz allmählich auf Kanälen mit sehr wenig
Gefalle geführt werden kann.
Die beste Zeit der Trift ist das Frühjahr, weil
dann die von Natur vorhandene größere Wasser-
menge benutzt werden kann. Nur bei sehr günstigen
Wasserverhä'ltnissen, namentlich wo viele und große
Wasserreservoire zu Gebote stehen, kann man zu
jeder Jahreszeit tristen. Gegenstand der Trift sind
hauptsächlich die bessern Vrennholzsortimente,Scheit-
und stärkeres Knüppelholz; aber auch Sägeklötze
werden getriftet. Unter allen Umständen ist eine
gute Austrocknung des Holzes vorher geboten, da-
mit es besser schwimmt. Die Trift selbst erfordert
fast unausgesetzt Aufsicht und Leitung durch sach-
kundige Arbeiter.
Für den weiter gehenden Holzhandel ist von noch
größerer Bedeutung als die Trift die eigentliche
Flößerei, bei der das zu transportierende Holz
nicht in einzelnen Stücken, sondern in Partien zusam-
mengebunden dem Wasser übergeben wird. Eine
solche unter sich zu einem Ganzen vereinigte Partie
Holz nennt man ein Gestör, einen Boden, ein
Gestricke, eine Traft (an der Weichsel) oder Ma-
täsche (Oberschlesien). Die Verbindung mehrerer
Gestöre bildet ein Floß. Die eigentliche Floßstrahe
soll ein möglichst ruhig, gleichmäßig fließendes
Wasser mit geringem Gefall haben, wie es meist
die größern Ströme bieten, eine Wassertiefe von
0,6 bis 1 m genügt in der Regel. Nicht selten be-
ginnt die Flößerei jedoch schon im obern Lause der
Bäche, auf sog. Wildwasser. Hier bedarf die Flößerei
eines höhern Wasserstandes als die Trist, da die
Flöße über alle Hindernisse vom Wasser frei hinweg-
getragen werden müssen, damit sie nicht zerreißen.
Durch künstliche Bewässerungen mit Hilfe von Klau-
sen u. s. w., durch Schwellungen in kurzen Entfer-
nungen auf der Flohstrahe selbst ist hier die Flößerei
zu unterstützen. In Deutschland und Osterreich-Un-
garn wird meist nur Langholz und Schnittware ge-
flöht, die kürzern Sägeklötze werden häufiger ge-
triftet. Die Bindung der Flöße ist nach der Gegend
verschieden. Gewöhnlich werden die Stämme an
ihren Kopfenden durchlocht und dann mit Wieden
aus zähem Fichten- oder Haselholz zu Gestören, diese
wieder zu Flöhen verbunden. Mitunter geschieht
die Verbindung der Stämme zu Gestören auch durch
quer darüber gelegte, verschieden befestigte Stangen,
sog. Zenge lstan gen. Man unterscheidet die Ge-
stör- und die Hauptflö herei. Erstere findet auf
den kleinern Flüssen, letztere auf den breitern Strö-
men statt. Die Hauptflöhe bestehen oft aus 40-70
hintereinander gehängten Gestören und enthalten bis
500 und mehr Stämme. Berühmt sind in Deutsch-
land durch ihre Meisterschaft namentlich die Floßer
im mittlern Schwarzwalde. Von der Schnittholz"
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