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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Hora regularis; Horaken; Horant; Horapollo; Horas; Horasingen; Horatier; Horatius; Horaz

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Horaken - Horaz

Kirche fort. In den Klöstern fügte man noch die Gebete um Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, 6 Uhr morgens und 6 Uhr abends, und zur Mitternacht (nach Apostelgesch. 16, 25) hinzu und zuletzt auch noch das Completorium ("Vollendung") um 9 Uhr abends. Damit war bereits im 6. Jahrh. die noch jetzt gewöhnliche Anzahl von 7 täglichen Gebetszeiten (Horen) erreicht (nach Ps. 119, 62, 164). Bisweilen tritt noch eine achte hinzu um 3 Uhr morgens. Die einzelnen Zeiten und die dafür bestimmten Gebete selber sind: 1) Nocturnum medianum, oder Mesonyktion (grch.), auch Vigilie, Mitternacht, gewöhnlich verbunden mit der 2) Mette, Matutina oder Laudes, 3 Uhr früh; 3) die Prima (d. h. die erste, nämlich Stunde) 6 Uhr morgens; 4) die Tertia, (dritte Stunde) 9 Uhr früh; 5) die Sexta (sechste Stunde) 12 Uhr mittags; 6) die Nona (neunte Stunde), 3 Uhr nachmittags; 7) die Vesper (6 Uhr abends); 8) Completorium (9 Uhr abends). Nr. 1 und 2 sind horae nocturnae (Nachtstunden) und die an ihnen veranstalteten Andachten bilden das Nocturn (nocturnum officium); die übrigen sind horae diurnae (Tagstunden) und bilden das officium diurnum. (S. Chordienst.)

Horaken (czech. Horáci, d. i. Bergbewohner, auch Podhoraken), Bezeichnung für die Bewohner des böhm.-mähr. Grenzgebirges, namentlich auf der mährischen, gegen die March hin abfallenden Seite.

Horant, in dem Gudrunliede ein Sänger, der durch seine Kunst, die selbst die unvernünftigen Tiere rührt, das Herz der schönen Hilde von Irland für seinen Herrn, den König Hettel von Dänemark, gewinnt. In der ursprünglichen Form der Sage war er (nordisch Hjarrandi) der Vater Hettels und dieser selbst, wie es scheint, der sangeskundige Held.

Horapollo, ägypt. Gott, s. Horus.

Horapollo, griech. Grammatiker ägypt. Herkunft, der im 4. Jahrh. n. Chr. in Alexandria und Konstantinopel unter Theodosius lebte und lehrte. Er verfaßte Kommentare zu griech. Dichtern und andern Schriften. Ein anderer Ägypter dieses Namens lebte unter Kaiser Zeno gegen Ausgang des 5. Jahrh. Am bekanntesten ist der Name H. durch eine griech. Schrift über Hieroglyphen, die nach den Handschriften von einem Ägypter Horos oder H. in ägypt. Sprache verfaßt, von einem Philippos ins Griechische übertragen sein soll. Diese Schrift enthält viele richtige Erklärungen von Zeichen der ägypt. Hieroglyphenschrift. Die beste Ausgabe ist die von Leemans (Amsterd. 1835).

Hora regularis, s. Hora canonica.

Horas, Dorf bei Fulda (s. d.).

Horasingen, s. Chordienst.

Horatier, altes patricisches röm. Geschlecht. Ihm gehörten an die drei H., von denen die röm. Sagengeschichte erzählt, daß sie unter König Tullus Hostilius zur Entscheidung des Kampfes zwischen Rom und Albalonga den drei alban. Curiatiern, die ebenso wie sie Drillingsbrüder waren, entgegengestellt worden seien. Zwei der H. waren gefallen, der überlebende aber, von Livius Publius, von andern Marcus genannt, gewann den Kampf, indem er klug die verwundeten Gegner voneinander trennte und einzeln überwand. Als er siegreich zurückkehrte, empfing ihn seine Schwester, die dem einen Curiatier verlobt war, mit Wehklagen; im Zorn stieß sie der Bruder nieder. Die Richter verurteilten ihn zum Tode. Das Volk, an das er appellierte, sprach ihn aber frei, und durch den Vater oder durch die Priester wurde die Entsühnung vollzogen, bei der er unter einem Joch durchschreiten mußte. Als dieses Joch galt das bei den Altären der Juno Sororia und des Janus Curiatius stehende sog. tigillum sororium, das bis in späte Zeit erhalten wurde.

Nachkommen dieses Horatius waren Marcus Horatius Pulvillus, der nach Dionys bei der Vertreibung der Tarquinier mitgewirkt haben soll und von Polybius als einer der ersten Konsuln der Republik, 509 v. Chr., von andern als Nachfolger des Spurius Lucretius im Konsulat genannt wird. Er weihte den von Tarquinius Superbus begonnenen Tempel des Jupiter Capitolinus ein. - Bekannter ist sein Bruder Publius Horatius Cocles (der Einäugige). Von diesem wird erzählt, er habe, als Porsenna 507 Rom angriff, die Pfahlbrücke (Pons sublicius), die über den Tiber zur Stadt führte, gegen die andringenden Feinde erst mit zwei Genossen, dann allein so lange verteidigt, bis sie hinter ihm abgebrochen gewesen, und sich dann durch Schwimmen zu den Seinen hinübergerettet, die ihn durch ein Standbild, das erste öffentliche, das es in Rom gab, auf dem Comitium ehrten und mit so viel Land, als er an einem Tage umpflügen konnte, beschenkten. - Von den übrigen H., die in dem 3. und 4. Jahrh. der Stadt teils als Konsuln, teils als Konsulartribunen angeführt werden, ist außer Gajus Horatius Pulvillus, der 477 und 457 v. Chr. Konsul war und im erstern Jahre Rom gegen die bereits auf dem Janiculum stehenden Etrusker verteidigt haben soll, namentlich dessen Bruder Marcus Horatius Barbatus erwähnenswert. Dieser erhielt 449 v. Chr. mit Lucius Valerius Publicola nach dem Sturz der Decemvirn das Konsulat, das er schon vorher zweimal bekleidet hatte, und wurde mit seinem Kollegen Urheber der wichtigen Gesetze (Leges Valeriae Horatiae), durch welche den Beschlüssen der Tributkomitien unter gewissen Bedingungen Geltung fürs ganze Volk gegeben, die Wahl von Obrigkeiten, gegen deren Entscheidungen es kein Berufungsrecht gebe, verboten und Person und Vermögen dessen, der die plebejischen Obrigkeiten verletze, für den Göttern verfallen erklärt wurde. Seit 378 v. Chr. verschwindet das patricische Geschlecht der H.

Horatius, s. Horatier und Horaz.

Horaz (Quintus Horatius Flaccus), röm. Dichter, wurde 8. Dez. 65 v. Chr. als Sohn eines Freigelassenen zu Venusia in Apulien geboren. Schon als Knabe kam er mit seinem Vater, der sein kleines Grundstück verkaufte, nach Rom, wo er eine vorzügliche Erziehung und speciell den Unterricht des strengen Grammatikers Orbilius Pupillus genoß. 45 ging er zu seiner weitern Ausbildung nach Athen. Als nach Cäsars Ermordung Brutus die röm. Jugend zur Verteidigung der Republik unter die Waffen rief, trat auch H. in das Heer desselben ein (43 v. Chr.) und nahm als Kriegstribun (höherer Offizier) an den Feldzügen und an der für die republikanische Partei verhängnisvollen Schlacht bei Philippi (42) teil, aus der er sich durch die Flucht rettete. Nach Rom zurückgekehrt, kaufte er sich mit dem Rest seines väterlichen Vermögens das Amt eines Schreibers bei den Quästoren (scriba quaestorius), wandte sich aber bald (wohl schon seit 41) der Poesie und zwar zunächst der iambischen (Epoden, nach dem Vorbilde des Archilochus) und satirischen zu. Durch seine Gedichte gewann er die Freundschaft zweier der angesehensten Dichter jener