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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Horowitz - Hörselberg

Genius der Geburt ist. Dieser und Sonne, sowie auch Merkur, standen im Zeichen des Stiers, des Hauses der stets glückbringenden Venus. Saturn stand mit der Sonne in so enger Konjunktion, daß er unsichtbar, nach der Ansicht der Astrologen unwirksam war (in Verbrennung, combustio). Jupiter und Venus, die sich in Konjunktion befinden, haben keinen Einfluß, denn sie stehen zum Aufgang, zum Geburtsort, um fünf Stellen entfernt, wie andererseits Mars ebenfalls. Sonne hingegen, sowie Merkur, der in Konjunktion mit derselben durch ihre Nähe verstärkte Macht ausübt, sollten großen Einfluß auf die Schicksale des Neugeborenen haben, weil sie im Dreieck zum Geburtspunkt standen. Der Mond ist wirkungslos, weil dem Aufgang benachbart, affinis. Er allein stand zur Zeit am Nachthimmel , alle andern 6 Planeten am Taghimmel, und alle waren rechtläufig. - 3) H. hat Ebles auch ein von ihm angegebenes einfaches Instrument genannt, mit welchem man die Zeit bis auf 1/2 Minute genau bestimmen kann.

Horowitz (spr. horscho-). 1) Bezirkshauptmannschaft in Böhmen, hat 985,89 qkm und (1890) 87074 (42236 männl., 44838 weibl.) meist kath. czech. E., 11366 Häuser und 18944 Wohnparteien in 121 Gemeinden mit 188 Ortschaften und umfaßt die Gerichtsbezirke Beraun, H. und Zbirow. - 2) H., Stadt und Sitz der Bezirkshauptmannschaft H., an einem Seitenbache der Beraun und an der Linie Prag-Pilsen der Böhm. Westbahn, hat (1890) 3570 czech. E., Post, Telegraph, Bezirksgericht (338,99 qkm, 42 Gemeinden, 69 Ortschaften, 34245 czech. E.), Dekanalkirche mit got. Presbyterium, Schloß, 1737 vom Grafen Norbert Wrbna im Zopfstil erbaut, mit schönem Treppenhaus; Emailgeschirr- und Zündhölzchenfabrik, Brauerei, Kunstmühle und Ackerbau. Das Gutsgebiet (11905 ha), zu dem H. gehörte, ist Eigentum des Fürsten von Hanau.

Horrénd (lat.), grauenerregend, schrecklich.

Horreur (frz., spr. orröhr), Schauder, Abscheu, auch etwas Abscheuliches, Greuel; horrible (horribel), schauderhaft, schrecklich.

Horribile dictu (lat.), schrecklich zu sagen.

Horribile visu (lat.), schrecklich anzusehen.

Horribilicribrifax, Titel und Hauptperson eines Lustspiels von Andreas Gryphius (s.d.), das zwar in der Handlung auf freier Erfindung des Dichters beruht, aber in der Gestalt des H. selbst sich anschließt an die längst der dramat. Weltlitteratur angehörige Figur des großsprecherischen, aber feigen Bramarbas: H. von Donnerkeil ist ein Seitenstück zum Miles gloriosus des Plautus, zum Thraso des Terenz, zum Capitano spavento der ital. Komödie, zum Matamore des Corneille. Gryphius stellt dem H. in demselben Stücke einen zweiten Helden derselben Art zur Seite, den Daradiridatumtarides Windbrecher von Tausend-Mord.

Horrid (lat.), starrend, rauh, struppig; graus, schauerlich; davon das Substantivum Horridität.

Horripilatio (lat.), s. Frost.

Hörrohr, s. Hörmaschinen.

Horror(lat.),Abscheu,Schauder,Entsetzen,Frost. - H. vacui (d. i. Scheu vor der Leere), s. Leere.

Horsa, s. Hengist und Horsa.

Hörschalen, s. Hörmaschinen.

Horschelt, Theodor, Maler, geb. 16. März 1829 zu München, bildete sich bei Albrecht und Franz Adam, unternahm 1854 mit Hackländer und dem Baurat Leins eine Reise nach Spanien, die H. dann

über Algier allein fortsetzte. Eine Frucht dieser Reise waren: Rast der Araber in der Wüste und Maurisches Lager bei Algier. 1858-63 nahm er als russ. Volontär an dem Kriege im Kaukasus teil und bereiste im Gefolge des Prinzen Albrecht von Preußen Armenien. Nach München zurückgekehrt, verarbeitete er die empfangenen Reiseeindrücke in einer Reihe geistreicher Schlachtenbilder,wie: Gefangennehmung Schamyls und die Eroberung des Berges Gunib. Noch vorzüglicher gelangen ihm die zahlreichen Kreidezeichnungen, welche in photogr. Reproduktion in seiner "Reise in den Kaukasus" bei Albert in München erschienen. H. starb 3. April 1871 in München. - Vgl. Holland, Theodor H. (Bamb. 1890).

Hors de combat (frz., spr. ohr de kongbä), Kampfunfähig.

Hors d'oevre (frz., spr. ohr döhwr), Bei-, Nebenwerk; Nebengericht (nach der Suppe); Anbau, vorspringender Teil eines Gebäudes.

Horse-Guards (spr. hohrs gahrds, "Garde zu Pferde"), das dritte Regiment der brit. Garde(Household-)Kavallerie, wegen der im brit. Heere ungewöhnlichen (blauen) Farbe seiner Röcke gewöhnlich the Blues, auch Royal Blues oder Oxford Blues nach dem Earl of Oxford genannt, der diese Truppe im Herbst 1660 errichtete, ist das älteste der bestehenden brit. Kavallerieregimenter und darf bestimmungsmäßig nicht zum Kolonialdienst herangezogen werden; doch hat eine Schwadron 1882 unter Lord Wolseley am ägypt. Feldzuge teilgenommen. Die Uniform besteht aus blauem Rock mit scharlachroten Aufschlägen, Hose und Mantel, Metallhelm, Reitstiefel, Stulphandschuhen (zur Gala weißlederne Hose, hohe Stiefel und Stahlküraß), die Bewaffnung aus Säbel und Henry-Martini-Karabiner. Die Truppe hat 24 Offiziere, 2 Warrant-Offiziere, 53 Sergeanten und Unteroffiziere, 8 Trommler und Pfeifer und 343 Mannschaften; ihre Gesamtstärke beträgt also 430. Die Truppe besitzt 250 Pferde und Maulesel. H. nennt man gewöhnlich auch das Oberkommando des brit. Heers, da bis zur Reorganisation des brit. Kriegsministeriums die Bureaus des Oberbefehlshabers in un mittelbarer Nähe des Regiments untergebracht waren. Dieser Gebäudeteil, der "Whitehall", wird auch jetzt noch als H. bezeichnet. Der Grund der Benennung war, daß die Schildwache (zu Pferde) von den H. gestellt wurde.

Hörsel, der stärkste Zufluß der Werra in Thüringen, entspringt als Kleine Leina über Finsterbergen, empfängt aus dem Grunde von Friedrichroda das Schilfwasser, heißt vom Dorfe Leina an Leina und nimmt bei dem gothaischen Pfarrdorf Hörfelgau, wo das aus dem Thale von Reinhardsbrunn herkommende Badewasser zuströmt, den Namen H. an. Die H. begleitet den nordwestl. Abhang des Thüringerwaldes und empfängt die Laucha, Emse, den Erbstrom mit dem Thalwasser und unterhalb Eisenach die gleichstarke Nesse, mit der sich der Leinakanal vorher vereinigt.

Horse latitudes(engl., spr. hohrs lättitjuhds), soviel wie Roßbreiten (s. d.).

Hörselberg(Hörseelenberg),ein 406 m hoher Höhenzug kahler schroffer Muschelkalkberge, welcher sich östlich von Eisenach nach dem Herzogtum Gotha bis zum Dorfe Sättelstädt an der Hörsel wie eine Mauer hinzieht und durch einen Einschnitt in den Großen H. (486 m) und den westlich gelegenen Kleinen H. (434 m) zerfällt. Der Große H., am