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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hotchkiß-Schnellfeuerkanonen - Hotelwesen
Geschossen für gezogene Vorderlader. 1867 richtete
er in Wien eine Metallpatronenfabrik ein, die 1870
nach Paris verlegt wurde und 1875 an die Regierung
überging. 1875 eröffnete er in Paris eine Fabrik
für leichte Artillerieausrüstung und Munition, die
einen bedeutenden Aufschwung genommen hat. H.
starb 15. Febr. 1885 zu Paris. Seine bekannteste
Konstruktion ist die Revolverkanone von 37 ium,
gewöhnlich Hotchkißkanone (f. Kartätfchgeschütze) ge-
nannt; außerdem rührt von H. ein Magazingewehr
her (s. Handfeuerwaffen, Bd. 8, S. 764a). In
seinen letzten Jahren beschäftigte sich H. mit der
Konstruktion von einläufigen Schnellfeuerkanonen.
Sein Werk wird als Aktiengesellschaft mit einer
Filiale in England nach feinem Tode fortgefetzt.
Hotchkiß - Schnellfeuerkanonen, Geschütze,
die sich aus den Hotchkiß-Revolverkanonen ff. Kar-
tätschgeschütze) entwickelten, als eine Steigerung des
Kalibers der Geschosse angezeigt war. Der Verschluß
ist ein senkrechter Keil mit automatischer Spannvor-
richtung und automatischem Auswerfen der Patro-
nenhülsen beim Öffnen. Die Kaliber sind: 3,7, 4,7,
5,3, 5,7, 6,5, 7,5,10,0,12,0 und 15,5 cm; die Nohr-
längen schwanken zwischen 23 und 52 Kaliber. So-
wohl in Bezug auf Brauchbarkeit des Verschlusses
als auch auf Leistungsfähigkeit sind die H. von den
Systemen Nordenfelt,GrufonundCanetübertroffen.
"otsi (frz., fpr. oteÄ), großes prächtiges Ge-
bäude, adliger Wohnsitz in der Stadt, eine Form
des Wohnhauses, wie es sich in Frankreich im
17. Jahrh, ausbildete. Das H. liegt meist nicht un-
mittelbar an der Straße, sondern wird von ihr durch
den Ehrenhof (cour ä'Iionneui') und ein eifernes
Gitter oder einen niedrigen Thorbau geschieden.
Zur Seite des Hofs befinden sich die Diener- und
Wirtschaftsräume, der Hauptbau (eorp8 ä6 lo^ig)
enthält das Vestibül, die Treppe, gegen den Garten
zu meist im Erdgeschoß die Ensilade'der Festräume,
gegen den Kos zu die Wohnräume. Mit dem wachsen-
den Einfluß der franz. Kunst wurden auch in Deutsch-
land H. gebaut, deren Vorbilder die im Quartier
St. Germain zu Paris waren. So z. B. in der
Wilhelmstraße zu Berlin. Auch Schlösser baute
man oft nach dem System der H. Das Wort II.
wendete man auch auf große öffentliche Gebäude
an: II. äs vilw (spr. wi'l), Stadthaus, Rathaus;
Ü0t6i-I)i6u (spr. diöh), Krankenhaus; H. ä68 In-
vali(i68 (spr. däsängwalihd), Invalidenhaus, na-
mentlich das zu Paris. Seit Ende des 18. Jahrh,
wurde das Wort H. auch für größere Gasthäuser
gebräuchlich, welche Sitte auch nach Deutschland
überging (f. Gastwirtschaft und Hotelwesen). - Ho-
teNeris (spr. otell'rih), Wirtshaus, kleiner Gasthof.
Hotel de Cluny, s. Cluny und Dusommerard.
"5tSi Farni (frz., spr. ot^ll, d. i. möbliertes
Hotel), eine Art des Hotelbetriebes (f. Hotelwefen),
die sich vorwiegend mit der Beherbergung und nur
teilweise mit der Bewirtung der Gäste befaßt. Meist
werden außer Frühstück nur Kleinigkeiten verabreicht.
Der Ausdruck II. 3. ist in Frankreich nicht gebräuch-
lich ; man sagte dort dafür Naison Aai-nie, in neuerer
Zeit ist gebräuchlicher NaiLon meudiLs.
Hotelier (frz., fpr. >leh), Gastwirt.
Hotelwesen, die moderne Form des Betriebes
der Gastwirtschaft (s. d.), insoweit sie sich auf die
Beherbergung und Bewirtung fremder Gäste be-
zieht, in eigens dazu eingerichteten Gebäuden, den
Hotels. Aus den Herbergen und Gasthöfen her-
vorgegangen, hat das H. unter Einfluß des durch
Eifenbahn und Dampfschiffahrt gesteigerten Reise-
verkehrs einen internationalen Charakter angenom-
men. Die ersten großen Hotelanlagen entstanden
in Paris, dann in London, in der Schweiz, Deutsch-
land, Belgien, Asterreich, Italien, Rußland, Amerika.
Letzteres hat gegenwärtig die großartigsten Anlagen
diefer Art. Man unterscheidet Jahreshotels,
wenn der Betrieb dauernd, und Saisonhotels,
wenn er nur zeitweilig ist; Passantenhotels,
wenn der Aufenthalt der Gäste für gewöhnlich nur
kurz ist, und Familienhotels, wenn er von
längerer Dauer zu sein pflegt; den Ansprüchen der
Reisenden nach Hotels ersten, zweiten und
dritten Ranges. Eine Abart der Passanten-
hotels sind die sog. Terminushotels auf den
Hauptstationen der Eisenbahnen (namentlich in
England, vereinzelt auch auf dem Kontinent).
Dem Hotel verwandt sind die Pension (s. d.) und
das Hotel F^rni (s. d.).
Einrichtung. Die für ein Hotel erforderlichen
Räume sind: 1) Aerbindungsräume: Eingangshalle
(6ntr66), Haupthalle (v68tidnl6), in größern Hotels
auch ein Lichthof (cour ä'donnLui-); Haupttreppe
neben Diensttreppen für die Angestellten, Räume
für die Aufzüge, Korridore. 2) Gefellschaftsräume:
Speisesüle, Konversationssäle, Lese-, Rauch-, auch
Spiel- und Musikzimmer, Damen- und Sprech-
zimmer (Mrioi^). 3) Wohn- und Schlafräume: Ein-
zel-, Doppel- und Wohnzimmer (83.10N8), Familien-
wohnungen. 4) Toilettenräume: Bade- und Wasch-
vorrichtungen, Klosetts. 5) Betriebsräume: die
Bureaus; Diensträume fürs Personal, die in der
Nähe der Verkehrsräume liegen müssen, dagegen ab-
geschlossen von diesen die Küche, Vorratskammern,
Reinigungsräume, wie Waschküche u. s. w. Für
höhere Ansprüche des Komforts sind erforderlich:
Centralheizung, Wasserleitung (für kaltes und war-
mes Wasser), elektrisches Licht, zum Teil Telephon-
verbindung (für die Zimmer), oft auch eigenes Post-
bureau, Verkauf von Eisenbahnfahrkarten, Gepäck-
beförderung u. a.
Der Betrieb gliedert sich in die Verwaltung mit
der Buchhaltung, in die äußere Abteilung, die mit
den Gästen verkehrt, und in die innere Abteilung,
die die Haushaltung in ihrem ganzen Umfang
(Küche, Keller, Wäsche u.a.) besorgt. Beträchtlich
ist das erforderliche Inventar. Guyer rechnet bei
einem Hotel für 200 Herrfchaften (300 Personen)
154 700 Frs. auf Möbel, 101870 auf Betten und
Teppiche, 48 230 auf Wäsche, 62494 auf Eß- und
Trinkgefchirr, 5000 auf Kücheneinrichtung, zusam-
men rund 375000 Frs., d. i. 1250 Frs. auf jedes
aufgestellte Bett oder 1875 Frs. auf jedes herr-
fchaftliche Bett. Gut geschultes Personal und eine
wohldurchdachte Organisation mit fester Bestim-
mung der Vollmacht und der Pflichten eines jeden
Einzelnen sind Haupterfordernisse. Die Größe des
angelegten Kapitals und die Menge der beschäftig-
ten Personen machen das H. zu einem wichtigen
wirtschaftlichen Faktor. Große Hotels sind zum
Teil in den Händen von Aktiengesellschaften. In
Bezug auf Konzession und Rechtsverhältnisse stehen
die Hotels den Gastwirtschaften gleich.
In der Schweiz gab es (1883) etwa 1000 Frem-
denhotels mit einem Anlagekapital von 325 bis
375 Mill. Frs. (davon Inventar 80 MM. Frs.),
60000 Fremdenbetten, 1600 Angestellten, einem
Bruttoumfatz von 60 bis 70 Mill. Frs.; in Deutsch-
land nach der Berufszählung vom 5. Juni 1882