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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hufgelenk - Hufnägel
über der Französischen Revolution bis zum Abschluß
des Friedens von Campo-Formio " (Bonn 1868),
Vd. 2 u. 3 den "Rastatter Kongreß und die zweite
Koalition" (ebd. 1878-79). Durch Benutzung der
Archive beinahe aller beteiligten Mächte tonnte H.
eine neue Auffassung begründen, welche der Stellung
beider genannten Staaten in gleichem Maße gerecht
ward. Wichtig ist auch sein Werk "Die Kabinetts-
regierung in Preußen" (Lpz. 1891). Ferner ver-
öffentlichte H. "Beiträge zur Geschichte der Quellen
des Kirchenrechts und des röm. Rechts im Mittel-
alter" (Münst. 1862), "Forschungen auf dem Ge-
biete des franz. und des rbein. Kirchenrechts" (ebd.
1863), "Nhein.-wcstfäl. Zustände zur Zeit der Fran-
zösischen Revolution" (Bonn 1873), "Aus dem Leben
Heinrich Keines" (Berl. 1878), "Zu Goethes Cam-
pagne in Frankreich" (im "Goethe-Jahrbuch", 1883),
"Die neapolit.Republik 1799" (im "Histor. Taschen-
buch", 1884), "Annettevon Droste-Hülshoff und ihrc
Werke" (Gotha 1887 u. 1890), "A." L. Mencken, der
Großvater des Fürsten von Bismarck" (Bonn 1890).
Hufgelenk, beim Pferde die gelenkige Verbin-
dung zwischen dem mittlern und letzten Zehengliede,
dem Kronen- und Hufbein; hierzu tritt noch auf der
hintern Fläche des Kronen-Hufbeingelenks, diefes
vervollständigend, das Strahlbein. Letzteres dient
als Unterlage für die .Hufbeinbeugesehne und bat
eine größere praktische Wichtigkeit, weil durch seine
Erkrankung die chronische Hufgelenklahmheit (s. d.)
hervorgerufen wird.
Hufgelenklahmheit, einLahmgehender Pferde,
veranlaßt durch Krankheitszustände der zum Huf-
gelent gehörenden Teile. Die H. kann akut sein und
wird in diesem Falle durch eine Verletzung (Nageltritt)
bedingt, oder sie kann, was größere Schwierigkeiten
bei der Erkennung bietet, einen chronischen Verlauf
nehmen. Die chronische H. oder besser Strahl-
beinlahmheit entsteht durch kariöse Zerstörung
des zum Hufgelenke gehörigen Strahlbeines. Bei
dieser Lahmheit wird der Fessel steil gebalten, der
Huf nimmt an Umfang ab und zeigt mit der Zeit
Ringbildung. Die Behandlung ist im allgemeinen
nicht sehr aussichtsvoll. Am besten noch bewährt sich
entsprechender Beschlag und tägliches Einschlagen
des kranken Hufes in Lehm oder Weidcgang mit
unbeschlagenen Hufen. Im äußersten Falle ist man
im stände, ein hufgelenklahmes Pferd durch den
Nervenfchnitt noch einige Jahre gebrauchsfähig zu
erhalten, weil dadurch die Schmerzempfindung, auf
der die Lahmheit beruht, befeitigt wird.
Hufgeschwür, ein Geschwür bei Pferden, das sich
durch eine plötzlich auftretende Lahmheit zu erkennen
giebt. Beim Untcrfuchen des Hufes findet man eine
schmerzhafte Stelle; an diefer ist das Horn durch ein-
gedrungeneFremdtörper(Nägelteile,Sand) und nach-
folgende Fäuluis zerstört bis zur Fleischsohle, wodurch
diese in entzündlichen, mit Eiterung einhergehenden
Zustand versetzt wird. Freilegung dieser entzündeten
Stolle und desinfizierende Fußbäder (Carbolwasser,
Chlorkaltlösung) beseitigen die H. schnell.
Hufhorn, künstliches, s. Hufkitt.
Hüfingen, Stadt im Amtsbezirk Douauefchingen
des bad.Kreises Villingen, 31cm südlich von Donau-
eschingen, in 640 m Höhe, an der Nebenlinie Donau-
cschingen-Furtwangen der Bad. Staatsbahnen, hat
<18W) 1731 meist kath. E., Post, Telegraph, Fürsten-
dergsches Schloß, jetzt Spital, röm. Ruinen (Nömer-
bad), Nettungshaus; Bildhauerei, Maschinen- und
Uhrenfabrikation, Torfstiche.
Hufkitt, künstliches Hufhorn, besteht aus
gleichen Teilen von in warmem Wasser erweichtem
Gnttapercha und Ammoniakgummi. Durch gelindes
Erwärmen schmilzt man diese Teile zusammen. Eine
stärkere Konsistenz erzielt man durch weitern Zusatz
von Ammoniakgummi (Defays-Brüssel). Der H.
dient zum Ausfüllen von Lücken im Hufe (Hornklüfte,
Hornfpalten); derfelbe ist elastisch, verbindet sich mit
dem Hushorn sehr gut und wird trocken wie dieses.
Vor seiner Anwendung wird die betreffende Hufstelle
gründlich gereinigt und mit Schwefeläthcr entfettet.
Hufknorpel, zwei große Knorpel, die sich seit-
lich von den sog. Ästen des Hufbeins (s. d.) an-
setzen. Für die ungestörte Ortsbewegung der Ein-
hufer ist die natürliche, elastische Beschaffenheit der
H. von Wichtigkeit. Geht diese durch Verlnöcherung
oder Eiterung verloren, so pflegen die damit behaf-
teten Tiere lahm zu gehen.
Hufkrmtkheiten, s. Huf.
Huflattich, s. LuLLilHFo;großerH.,s. ?6tk8it6g.
Hufmechanismus,dieinechan.Veränderungen,
die der Huf beim Be- und Entlasten sichtbar werden
läßt. Er ist für die Gebrauchsfähigkeit des Tieres
von größtem Einfluß. Sobald nämlich beim Auf-
treten mit dem Fuße die Last des Körpers durch
Huf- und Strahlbein auf Zellstrahl, Eckstreben und
Sohle des Hufes fällt, flacht sich die <^ohle nach
unten ab, der Strahl kommt mit dem Boden in Be-
rührung und übt Gegendruck aus. Hierbei erweitert
sich der Huf, znnächst am Kronenrande, dann am
Tragrande der Trachten. Bei Entlastung des Hufes
wirkt die in der Zehenwand vorhandene Federkraft
und bringt den Huf wieder in feine frühere Gestalt zu-
rück. Diefe Erweiterung und Zufammenziehung be"
trägt etwa 3 mm. Durch diesen H. wird Quetschung
der Weichteile (Huflederhaut) vermieden und dadurch
dem Tiere freiere und elegantere Bewegung ver-
liehen, Erschütterungen vermieden, die Blutcirkula-
tion begünstigt, Sicherheit im Gange gegeben. Diese
Eigenschaft erhält man dem Hufe durch gute Huf-
pflege und guten wagerechten Tragrand am Hufe
und am Eisen.
Hufmuschel, s. Riesenmuschel.
Hufnägel, zur Verbindung des Hufeisens mlt
dem Huf dienende, aus Schmiedeeisen gefertigte und
in schwacher 8-Form gebogene Nägel (s. nachstehende
Fig. 1 u. 2). Dieselben haben eine Länge von 45
bis 75 mm, in ihrem schlank konischen
Schaft einen rechteckigen Querschnitt
bei 4-5 miu Breite und 1-2 iniu
Dicke und einen fchlanken, aus dem
Schaft übergehenden Kopf. Letzterer
ist entweder wie eine Pyramide oder
wie ein Keil mit ausgebauchten Seiten-
flächen geformt (konifche oder bauchige
H.); je nach der konischen Anschwellung
der beiden andern Seiten des Kopfes ^ ^ "^ ^
unterfcheidet man starkköpsige, rund-
köpsige und dünnköpsige H. Die doppelte Kröpfung
der H. (Fig. 1) bewirkt beim Einschlagen das seit-
liche Heraustreten der Nagelspitze aus dem Huf,
sodaß dieselbe umgebogen werden kann; durch den
so gebildeten Haken wird ein festerer Halt des
Hufeifens am Huf erreicht. Die Köpfe der H. sind
an dcm befestigten Hufeifen durch den Falz des-
selben überdeckt. Die Herstellung der H. geschieht
zum großen Teil noch durch Handarbeit. - Die Huf-
nägelfabrik von Moeller & Schreiber (Berlin und
Ed'erswalde) beschäftigt über 1000 Arbeiter und
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