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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Huftiere - Hug
Huftiere (UnFulata), eine große Gruppe an-
sehnlicher bis gigantischer Säugetiere, die nach
den Verhältnissen der Ausbildung in NuIwnFnIa
(Vielhufer oder Dickhäuter, s. d.) und Zoliäungnla
(Einhufer, s. d.) eingeteilt wird. Die neuere Syste-
matik unterscheidet, namentlich gestützt auf zahl-
reiche, besonders aus Nordamerika bekannt gewor-
dene fossile Formen, folgende Gruppen der H.:
1) ^i-tioäact^ia oder paarzehige H. (Paar- oder
Gleichzeher), ausgezeichnet durch paarig vorhan-
dene Zehen, von denen die beiden mittlern, gleich-
großen den Boden berühren, die beiden äußern etwas
rudimentär gebildet sind, wenigstens meist als sog.
Afterzehen nicht mit dem Boden in Berührung
kommen. Das Gebiß ist sehr verschieden, nur be-
sitzen bei allen Formen die Backzähne faltenartige
Ein- und Vorsprünge, die sog. Schmelzfalten. Die
paarzehigen H. werden wieder eingeteilt in ^rtio-
äactM pHck^ä6rmHt3. (dickhäutige Paarzeher), be-
stehend aus den (lebenden) Familien der 8uiäg>6
(Schweine, s. d.) und llippopotaniiä^L (Nilpferde,
s. d.), und in Xi'tioäact)^ rumin^ntia. (Wieder-
käuer, s. d.). 2) kkriZLoäHot^ia oder unpaar-
zehige H. (Unpaar- oder Ungleichzeher); bei
diesen sind die Zehen unpaar, nämlich fünf, drei
oder eine, die Mittelzehe stets vorhanden. Diese
Gruppe setzt sich zusammen aus drei Untergruppen:
den lapiriäkk (Tapire, s. d.), MiinocsriäÄL (Nas-
hörner, s. d.) und den Nyuiäas (Pferden oder Ein-
hufern, s. d.). Diese drei Untergruppen sind durch
zahlreiche ausgestorbene Übergänge, die namentlich
Zwischen Tapiren und Pferden unter successivem
Schwund der äußern Zehen auftreten, mannigfach
miteinander verbunden. Die Elefanten (s. d.), die
man früher den H. zuzählte, hat man jetzt auf Grund
entwicklungsgeschichtlicher Untersuchungen zu einer
vollkommen selbständigen Säugetierordnung (?ro-
d08ciä6Ä, Rüsselträger) erhoben.
Hüftknochen, s. Becken und Küste.
Hüftlahmheit, ein Lahmgehen der Tiere auf
einem Hinterfuße infolge Schmerzhaftigkeit in dem
Hüftgelenk oder den dasselbe umgebenden Muskeln.
Die H. entsteht entweder durch mechan. Einflüsse
(Quetschungen, Stöße u. s. w.) oder durch Erkältung
als rheumatische H. Die mit H. behafteten Tiere
schleifen den ergriffenen Fuß nach und bewegen
ihn im Bogen nach außen, dabei wird derselbe auf
die Sohle des Hufes voll aufgefetzt. Beim Betasten
der Hüfte empfindet das Tier Schmerz, wenn die
H. durch mechan. Einflüsse entstanden ist. Die rheu-
matische H. ist dadurch charakterisiert, daß sie bei
längerer Bewegung des Tieres geringer wird, außer-
dem aber nach erfolgter Heilung leicht wiederkehrt.
Behandlung bei der ersten Form Kühlen (Blei-
wasser, Lehmanstriche), bei der rheumatischen H.
dagegen spirituöse Einreibungen (Kampferspiritus,
Terpentinölspiritus, flüchtiges Liniment) und inner-
lich Salicylsäure oder Salol.
Hüftleiden der Greise, s.Gelenkentzündung4.
Hüftloch, s. Becken.
Hüftnerv, s. Bein und Hüfte.
Hüftweh (^6urg.!ßia igekmliica,, I8oliia8, Na.-
wm Oowuli, nach dem ital. Arzte Cotugno, der
1764 die Krankheit zuerst beschrieb), eine schmerz-
hafte und nicht selten sehr hartnäckige Neuralgie
(s. d.^ im Gebiete der Hüstnerven (s. Hüfte), welche
in vielen Fällen den Gebrauch der erkrankten Ex-
tremität erheblich beeinträchtigt oder ganz unmög-
lich macht. Man unterscheidet zwei Formen des H.,
das sog. vordere H. (I8e1ii3.8 antie", 8. Asuini-
Fm ei-ui-3.118), bei welchem die neuralgischen Schmer-
zen auf der vordern und innern Oberstäche des Ober-
schenkels längs des Verlaufs der Schenkelnerven
empfunden werden, und das ungleich häusigere
hintere H. (l8ckiH8 p08tica, 8. ^suraiFia keuio-
ropoMwa), bei dem sich der Schmerz von der Ge-
säßgegend längs der hintern Schenkelfläche bis zur
Kniekehle und m die Waden, selbst bis zum äußern
Knöchel und zu den Zehenspitzen erstreckt. Der
Schmerz, welcher meist anfallsweise auftritt und
einen bohrenden oder blitzartig durchschießenden
Charakter besitzt, ist gewöhnlich nur auf ein Bein
beschränkt, selten doppelseitig; schon geringe Bewe-
gungen und Erschütterungen der Extremität kön-
nen eine heftige Steigerung des Schmerzes bewir-
ken, weshalb die Kranken am liebsten im Bett mit
leicht flektiertem Bein liegen und beim Gehen den
leidenden Fuß nur sehr vorsichtig und ängstlich auf
den Boden fetzen. Oft sind die Schmerzen während
der Nacht am heftigsten. Bei längerm Bestehen
des H. magert das erkrankte Bein infolge des Nicht-
gebrauchs gewöhnlich beträchtlich ab.
Das H. ist im allgemeinen ein sehr hartnäckiges
Leiden, welches selbst in günstig verlaufenden Fäl-
len in der Regel mehrere Wochen zu seiner Heilung
bedarf, in weniger gutartigen Fällen aber oft viele
Monate oder selbst Jahre dauert; auch sind Rück-
fälle durchaus nicht selten. Das Leiden ist vorwie-
gend eine Krankheit des mittlern Lebensalters und
bei Männern ungleich häufiger als bei Frauen.
Als veranlassende Ursachen sind namentlich Über-
anstrengungen der Beine, andauernder mechan.
Druck auf die Hüftnerven (durch vieles Sitzen auf
harten Stühlen, habituelle Stuhlverstopsung, Ver-
größerung der Gebärmutter), Fall und Stoß auf
das Gesäß sowie insbesondere starke Erkältungen
(Schlasen auf feuchter Erde, Sitzen auf kalten stei-
nernen Bänken, Zugluft bei erhitztem Körper) an-
zuführen; in vielen Fällen läßt sich freilich eine be-
stimmte Ursache nicht nachweisen.
Die Behandlung ist im wesentlichen die gleiche
wie bei andern Neuralgien (s. d.). In frischen
Fällen erweisen sich Bettruhe mit zweckmäßiger
Lagerung des Beins, Schröpfköpfe und kräjttge
Hautreize (Senfteige, Spanische Fliegen), bei vor-
ausgegangener starker Erkältung eine energische
Schwitzkur ersprießlich; sind die Schmerzen sehr
heftig, so lassen sich narkotische und beruhigende
Einreibungen sowie das Morphium (innerlich oder
in der Form der subkutanen Einspritzung) ost nicht
entbehren. Von den innern Mitteln erfreuen sich
das Terpentinöl, Iodkalium und das salicylsaure
Natron eines günstigen Rufs. Bei chronischer
Ischias sind warme Bäder, namentlich längere
Badekuren in Aachen, Teplitz, Warmbrunn, Wies-
baden, Gastein oder Wildbad sowie die
achtundige
ehr zu em-
Anwendung des galvanischen Stroms . ^
pfehlen. Auch die Massage erweist sich östers recht
wirksam. In neuester Zeit sind besonders bart-
näckige Fälle auch auf operativem Wege (durch ge-
waltsame Dehnung der kranken Hüftnerven) geheilt
worden. (S. Nervendehnung.)
Huf van Buren, s. Heuff, Johan Adriaan.
Hufzange, tierärztliches Instrument zur Unter-
suchung des Hufes auf schmerzhafte Stellen be'r
Lahmheiten.
Hug, Joh. Leonhard, kath. Theolog, geb. 1. Juni
1765 zu Konstanz, studierte zu Freiburg, empfing