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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hugenotten
veranlaßte nur eine stärkere Reaknon. Sie unter-
brach Karls IX. Regierungsantritt, die antiguisische
Politik Katharinas von Medici und die protestan-
tische, auf Anton von Navarra sich stützende Politik
Colignys. Die Guisen stifteten eine Gegenverbin-
dung, das sog. Triumvirat, wodurch Katharina
vollends genötigt wurde, ihren Halt in den Pro-
testanten zu suchen. Im Juli 1561 erschien ein
Edikt, das die Todesstrafe der Ketzer abschaffte.
Zur völligen Beilegung des Streites eröffnete der
Hof im September ein Neligionsgesvrä'ch zu Poisfy.
Der Kardinal von Lothringen (s. Guise) und
Theodor Veza waren die Haupttämpser. Die
Unterredung hatte nur zur Folge, daß der Zwie-
spalt der Bekenntnisse sich schärfte, die Prote-
stanten aber, am Hofe wohlgelitten, im ungebroche-
nen Vertrauen auf die Sicgeskraft ihrer Sache,
mit steigender Kühnheit auftraten. Coligny, von
L'Höpital unterstützt, errang den H. die erste staat-
liche Anerkennung. Am 17. Jan. 1562 erschien das
Edikt von St. Germain, das ihnen Gewissens-
freiheit und, unter gewissen Bedingungen, sreie
Religionsübung gewährte. Aber die Katholiken,
von Spanien gedeckt, griffen gewaltsam ein; 1. März
1562 entstand zu Vassy zwischen dem Gefolge des
Herzogs von Guise und den Protestanten, die in
einer Scheune Gottesdienst hielten, eine von Guise
verschuldete blutige Metzelei. Dies Blutbad von
Vassy war das Signal zum ersten Hugenotten-
krieg. Conde' begab sich nach Orle'ans und rief seine
Glaubensgenossen im Namen der königl. Edikte zu
den Waffen, während sich die Guisen des Königs
und seiner Mutter bemächtigten und die Protestan-
ten für Aufrührer erklärten. Nach langen Verhand-
lungen und einigen Belagerungen kam es 19. Dez.
zur Schlacht bei Dreur, wo die Protestanten nach
heftigem Kampfe das Feld räumten. Guise zog
nun vor das prot. Orle'ans, verlor aber daselbst
24. Febr. 1563 durch Mord das Leben. Die Königin-
Mutter schloß eiligst 19. März den Frieden von Am-
öoise, der den Protestanten eine an bestimmte Orte
gebundene, nur für den Adel ganz freie Religions-
übung verfchaffte. Aber die Gegensätze waren noch
allzu scharf, der Friede ward von Gewaltthaten
unterbrochen, Vie Königin, auf ihre Selbständigkeit
bedacht, den H. innerlich abhold, suchte den Bund
mit Spanien. (S.VayonnerZusammenkunft.) Diese
Politik, Verletzungen der H., Befürchtungen eines
großen Anschlages führten die Protestanten zu dem
Entschluß, sich auf den 28. Sept. 1567 des Königs
zu Monceaur zu bemächtigen. Der Hof floh jedoch
nach Paris, Verhandlungen mißglückten; 10. Nov.
kam es bei St. Denis zur Schlacht (zweiterHuge-
nottenkrieg), wobei sich die Protestanten gegen
den unvergleichlich stärkern Feind aufs helden-
mütigste schlugen, doch ohne den Sieg davontragen
zu können. Aber deutscher Zuzug, von dem pfäl-
zischen Prinzen Joh. Kasimir herbeigeführt, zwang
Katharina zum Frieden zu Longjumeau 27. März
1568, der den Vertrag von Amboife wiederherstellte,
aber nur bestimmt war, die H. zu täuschen. Nach-
stellungen der Königin trieben Conds' und Coligny
nach La Rochelle, wo auch die Königin Johanna von
Navarra mit ihrem 15jährigen Sohn, dem spätern
König Heinrich IV. von Frankreich, eintraf.
Nachdem sich die Protestanten aus Deutschland
durch Mannschaft, aus England durch Geld und
Geschütz verstärkt hatten, begannen sie den dritten
Hugenottenkrieg. Am 13. März 1569 verloren sie
indessen bei Iarnac eine heiße Schlacht, wobei auch
Conde' durch Meuchelmord fiel. Unter Johannas
Beistand, im Namen ihres Sohnes wie des jungen
Conde', mit erneuter ausländischer Hilfe setzte Co-
ligny den Krieg fort, belagerte Poitiers, wurde von
neuem bei Moncontour geschlagen, wußte aber den-
noch den Hof zum Frieden zu nötigen. Der zu St.
Germain-en-Laye 8. Aug. 1570 geschlossene Vertrag
gab den Protestanten Amnestie, freie Religions-
übung an allen Orten, mit Ausnahme von Paris,
und zahlreiche Sicherheitsplätze.
Es folgte die Zeit einer Annäherung zwischen
den H. und der Krone, die schließlich 24. Aug. 1572
in der Bartholomäusnacht (s. d.) ihr Ende fand;
mit 2000 Genossen, denen in den Provinzen 20000
nachgefolgt sein sollen, erlag Coligny den königl.
Mördern. Damit war das Aufwärtsstreben der
Hugenottenpartei gebrochen, und da sie sich dem
Einheitszuge der franz. Geschichte und der Idee des
Königtums mit ständifchen Lehren entgegenstennn-
ten, wurden sie zu einer die franz. Entwicklung hem-
menden, reaktionären, zum Untergang verurteilten
Kraft. Mit 1572 beginnt ihr Zerfall. Obwohl ihrer
Führer beraubt, griffen sie zu den Waffen und be-
gannen den vierten Hugenottenkrieg. Sie
verschlossen den Hoftruppen ihre wichtigsten Städte
und verteidigten sie mit Hartnäckigkeit. Der Herzog
von Anjou (s. Heinrich III.) benutzte, nachdem er vor
LaRochelleseinHeer eingebüßt hatte,seineBerufung
auf den poln. Königsthron und schloß 24. Juni 1573
Fneden, wonach die Protestanten freie Religions-
übung in ihren Sicherheitsplätzen: Montauban,
Nimes und LaRochelle, übrigens fog. Gewissensfrei-
heit erhielten. Eine kath. Adels- und Hofpartei, au
deren Spitze der Herzog von Alencon, der jüngste
Sohn Katharinas, stand, trat jetzt'mit den Prote-
stanten zum gemeinsamen Widerstände gegen das
Regiment der Königin-Mutter und der Guisen in
Verbindung. Aber Heinrich III. blieb auf den Bah-
nen tath. Offensive, der fünfte Hugenotten-
krieg brach aus, nahm aber feit 1575 eine für die
Protestanten günstige Wendung. Heinrich I. Conde",
Johann Kasimir von der Pfalz und Alencon ver-
einigten eine überlegene Streitmacht, 'überdies
machte Heinrich von Navarra in Guyenne kräftige
Fortschritte. Der Hof fchloß deshalb 6. Mai 1576
zu Beaulieu einen Frieden, der den Protestanten
endlich volle Religionsfreiheit und sehr viele Sicher-
heitsplätze gewährte. Zugleich bezahlte der König
die deutschen HilfsVölker. Der Gegenfchlag der Alt-
gläubigen war die Bildung der katholischen Liga
(s. d.) unter Heinrich Guise. Auch der König mußte,
um der Bewegung Herr zu bleiben, auf demReichstage
zu Vlois 1576 diesem Bunde beitreten und dem-
zufolge den sechsten Hugenottenkrieg eröffnen.
Der Krieg wurde jedoch matt geführt; schon im
Sept. 1577 wurde vom König zu Vergerac auf
Grund der frühern Bedingungen Friede gefchlosfen,
und Katharina trat aus Besorgnis vor den ehr-
geizigen Plänen des Herzogs von Guise mit Hein-
rich von Navarra zu Nerac in geheime Unterhand-
lungen, die den Protestanten noch einige Sicher-
heitsplätze eintrugen. Eine Weile lang herrschte
Ruhe; ein siebenter Hugenottenkrieg, von
Conds und Navarra 1579 aufgenommen, wurde
schon 1580 ohne die Lage der Dinge zu ändern
beendet; erst Alencons Tod (1584) regte alles zu
stärkster Bewegung' auf; gegen Navarras Thron-
folge bildete sich von neuem eine Liga, und Spanien