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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Humboldt (Alexander von)

Cordilleren von Peru, gelangten bei Trujillo an die Küste und von da nach Lima.

Ende Dez. 1802 schifften sie sich von Callao nach Acapulco ein und erreichten im April 1803 die Hauptstadt Mexikos, von wo sie die Provinzen Mexikos durchstreiften und im Jan. 1804 nach Veracruz und 7. März 1804 nach Habana gingen. Nach zwei Monaten schiffte H. sich mit Bonpland und Montufar nach Philadelphia ein, erfreute sich einige Wochen zu Washington der freundschaftlichen Aufnahme Jeffersons, verließ Amerika 9. Juli in der Mündung des Delaware und landete 3. Aug. 1804 in Bordeaux, reich an Sammlungen, besonders aber an Beobachtungen aus dem weitesten Gebiete der Naturwissenschaften, der Geographie, Statistik und Ethnographie.

H. blieb zunächst in Paris, besuchte dann seinen Bruder in Rom und ging mit Leop. von Buch zum Vesuv und endlich über die Alpen nach Berlin. Von hier begleitete er den Prinzen Wilhelm von Preußen im Spätherbst 1807 auf seiner schwierigen polit. Mission nach Paris. Da Paris H. am geeignetsten erschien, hier seine vielumfaßenden Werke herauszugeben, so erhielt er vom König die Erlaubnis, zu bleiben. Seitdem hatte er seinen dauernden Wohnsitz bis 1827 zu Paris, wo auch sein großes Reisewerk erschien. Die großen polit. Ereignisse zwischen dem ersten und zweiten Pariser Frieden boten H. Gelegenheit zu mehrern Reisen nach England und 1818 nach Aachen, wo ihn der König und Hardenberg während des Kongresses in ihrer Nähe zu haben wünschten. Auch begleitete er den König zum Kongreß nach Verona, Rom und Neapel. Der Wunsch des Monarchen, H. in seiner Umgebung zu behalten, wurde erst 1827 erfüllt. Im Winter 1827-28 hielt H. in der Universität und in der Singakademie die berühmten Vorlesungen über physische Weltbeschreibung.

Im April 1829 unternahm H. mit Ehrenberg und G. Rose die auf Befehl des Kaisers Nikolaus großartig ausgestattete Expedition nach dem russ. Asten (Ural und Altai, der chines. Dsungarei und dem Kaspischen Meere). Bergmännische Untersuchung der Gold- und Platinlagerstätten, die Entdeckung von Diamanten außerhalb der Wendekreise, astron. Ortsbestimmungen, magnetische Beobachtungen, geognost., botan. Sammlungen, neue Ansichten über die Richtung der Gebirge, über die Bodenplastik des innern Erdteils waren die Hauptresultate der Reise. Die Reise hatte auch noch die Folge, daß die kaiserl. Akademie magnetische und meteorolog. Stationen von Petersburg bis Peking und später durch H.s Vorstellung an den Herzog von Sussex in der südl. Halbkugel anlegte. Später machte H. mehrfache polit.-diplomat. Reisen, so 1842 nach Paris, dann aber, außer einem abermaligen Besuch zu Paris vom Okt. 1847 bis Jan. 1848, nur noch zwei kürzere Reisen außerhalb Deutschlands, und zwar als Begleiter König Friedrich Wilhelms IV. nach England 1841, nach Dänemark 1845. Sein ständiger Wohnort blieb Berlin, wo er sein Hauptwerk, den "Kosmos", verfaßte. H. starb 6. Mai 1859 zu Berlin im 90. Lebensjahre. Mit Ausnahme der Tagebücher seiner amerik. Reise, die der Berliner Sternwarte verbleiben sollten, vermachte er Bibliothek, Naturalien und andere Sammlungen seinem langjährigen Diener Seifert. Die Bibliothek wurde bei einem Brande des Auktionslokals in London großenteils vernichtet, während der übrige Nachlaß einzeln in Berlin versteigert wurde. Über H.s Hauptwerk s. Kosmos.

Weit über zwanzig Jahre dauerte die Bearbeitung und Herausgabe des amerik. Reisewerkes in Paris, das die berühmtesten Fachmänner (Oltmanns, Kunth, Cuvier, Latreille, Valenciennes, Gay-Lussac, Vauclin, Thenard u. a.), die besten Künstler, Maler und Kupferstecher hilfreich förderten. Es giebt nur eine vollständige Ausgabe, die sog. "große" in 30 Bänden (20 in Folio und 10 in Quarto); die sog. "kleine" Ausgabe enthält nur einige einzelne Werke der "großen" Ausgabe in wiederholtem Abdruck in Oktav, oft mit Kürzungen und Zusätzen. Der Gesamttitel der vollständigen Ausgabe ist: "Voyage aux régions équinoxiales du Nouveau Continent, fait en 1799-1804 par Alexandre de H. et Aimé Bonpland, rédigé par Alexandre de H. Grande édition etc." Sie zerfällt in folgende sechs Abteilungen: I. "Relation historique" (Bd. 1-3, Par. 1814-19, oder 13 Bde., 8<sup>o</sup>., ebd. 1816-32); sie blieb unvollendet, reicht nur bis zur Reise nach Peru (April 1801) und erschien deutsch von Therese Huber (6 Bde., Stuttg. 1815-32; besser und nach H.s eigener Anordnung etwas gekürzt von Herm. Hauff, 4 Bde., ebd. 1859-60). Zur Originalausgabe gehören: "Atlas géographique et physique" (39 Platten, Fol.) und "Atlas pittoresque" oder "Vues des Cordillères" (1810, 60 Platten, Fol.). II. "Observations de zoologie et d’anatomie comparée" (2 Bde. und 55 Platten, Par. 1811 u. 1813, mit Beihilfe von Cuvier, Latreille und Valenciennes). III. "Essai politique sur le royaume de la Nouvelle Espagne" (5 Bde., Par. 1811; 2. Aufl., 4 Bde., 1825; deutsch, 5 Bde., Tüb. 1809-14; dazu "Essai politique sur l’isle de Cuba", 2 Bde., Par. 1826-27 und "Atlas géographique et physique du royaume de la Nouvelle Espagen", Bd. 1, Fol. und 21 Platten, ebd. 1812). IV. "Observations astronomiques, opérations trigonométriques et mesures barométriques, rédigées et calculées par Jabbo Oltmanns" (2 Bde., Par. 1808-10). Die "Untersuchungen über die Geographie des Neuen Kontinents, gegründet auf die astron. Beobachtungen und barometrischen Messungen Alexander von H.s und von Jabbo Oltmanns" (2 Bde., 1810) wurden vernichtet und existieren nur in wenigen Exemplaren. V. "Physique générale et géologie: Essai sur la géographie des plantes, accompagné d’un tableau physique des régions équinoxiales" (Par. 1807; deutsch, Goethe gewidmet, Stuttg. 1807). VI. 1) "Plantes équinoxiales, rédigées par A. Bonpland" (2 Bde., Fol. mit 144 Platten, Par. 1809-18); 2) "Melastomacées et autres genres du même ordre, rédigés par A. Bonpland" (2 Bde., Fol. mit 120 Platten, ebd. 1806-23); 3) "Nova genera et species plantarum etc." (7 Bde., Fol. mit 700 Platten, ebd. 1815-25). Hierzu gehört von H. die Einleitung: "De distributione geographica plantarum secundum coeli temperiem et altitudinem montium" (ebd. 1817); 4) "Mimoses et autres plantes légumineueses, rédigées par C. S. Kunth" (Fol. mit 60 Platten, ebd. 1819-24); 5) "Révision des graminées par C. S. Kunth" (3 Bde., Fol. mit 220 Platten, ebd. 1829-34); 6) "Synopsis plantarum; auctor C. S. Kunth" (4 Bde., ebd. 1822-26). Die Resultate der russ. Reise sind niedergelegt in H., Ehrenberg und Rose, "Mineralogisch-geognost. Reise nach dem Ural, Altai