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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hunde

daß verschiedene Rassengruppen von verschiedenen wilden Arten stammen. Fragt man die Vorgeschichte, so findet sich, daß der Hund das erste Haustier war, welches der Mensch in Europa besaß, und daß in der Steinzeit überall, von Dänemark bis zu den Alpen, nur eine einzige, scharf charakterisierte, eher kleine als große Hunderasse vorkam, welche, nach Rütimeyers Untersuchungen, zwischen dem Wachtelhunde und dem Hühnerhunde, doch dem erstern näher stand. Diese ursprüngliche Hunderasse war wahrscheinlich eine wilde, vom Menschen zuerst gezähmte Art. Die Vergleichung der Schädel zeigt, daß dieser Torfhund und seine Nachkommen, wohin die Spitze, Pommer, Dachs- und Wachtelhunde, Pinscher und Rattenfänger gehören, von dem noch jetzt wilden Schakal (Canis aureus L.) abstammen. Erst in denjenigen Pfahlbauten, welche auch Gegenstände von Metall (Bronze) finden lassen, zeigt sich ein großer, ebenfalls gezähmter Wolfshund, der mit den Schweiß-, Jagd-, Schäfer-, Wind- und Vorstehhunden von dem ind. Wolfe (Canis pallipes Sykes) herstammt. Die auf den ägypt. Denkmälern dargestellten Doggen und der Straßenhund des Orients stammen von dem großen Schakal oder Dib (Canis lupaster Ehrenbg.), die ägypt. Windhunde von dessen schlankerer Varietät (Canis Anthus F. Curvier) ab. In Amerika fanden die Entdecker schon zahme H., die, nach Tschudi, von den europäischen verschieden sind und eine eigene Art bilden (s. Inkahund). In Australien und Neuseeland fand man ebenfalls bei der Entdeckung zahme oder halbwilde H. (Dingo) vor. Wo die H. verwildern, werden sie einander sehr ähnlich und durch ihre spitzen Ohren, den steifgetragenen Schwanz, das struppige Haar dem Schakal ähnlich.

Sonach scheint die Frage hinsichtlich der Abstammung unserer Haushunde für die Rassen des alten Kontinents vorläufig dahin gelöst, daß wahrscheinlich weder Wolf noch Fuchs an ihrer Bildung teilhatten, daß sie aber wenigstens drei wilden Hundearten entstammen, dem Schakal, dem Dib (in seinen Varietäten) und dem ind. Wolfe, Bheriah oder Landgah genannt, die sich leicht von dem Menschen zähmen ließen und später durch ihre Kreuzungen die verschiedensten Rassen erzeugten, die also alle mehr oder minder Bastarde und Blendlinge wären.

Die Haushunde werden in verschiedene Rassen eingeteilt, welche man zweckmäßig in zwei große Gruppen zusammenfaßt:

A. Jagdhunde.

1) Schweißhunde (s. d.). Hierher gehört a. der hannoversche Schweißhund (s. Tafel: Hunderassen, Fig. 7), b) der bayrische Gebirgsschweißhund, c) der englische Schweißhund, Bluthund (Bloodhound, Fig.6). Letzterer, seit mehrern Jahrhunderten in England heimisch, wird heute nicht mehr zur Jagd verwendet, diente früher, um die Spuren flüchtender Mörder zu verfolgen, und wird auch in neuerer Zeit wieder zu diesem Zwecke benutzt. Charakteristisch an ihm ist der Kopf. Der Schädel ist schmal, hochgewölbt, mit stark hervortretendem Hinterhauptbeine; die dünne Haut liegt lose und in starken Falten. Die Lippen (Lefzen) hängen stark herunter. Die Augen liegen tief, die untern Augenlider sind heruntergezogen und zeigen die rote Bindehaut. Behang sehr lang und tief angesetzt, nach innen gedreht. Der Körper ist kräftig, Höhe 70, Länge des Rückens 74 cm; Haar grob; Farbe lohbraun mit schwarzem Sattel. Weiße Flecken oder Abzeichen nicht erwünscht. Die sog. Bluthunde, welche auf Cuba zur Sklavenverfolgung dienten, haben mit dieser Rasse nichts gemein, entstammten vielmehr einer Kreuzung von Windhunden und Bulldoggen.

2) Die deutschen Bracken (Wildbodenhunde) werden unterschieden in a. holsteinische Stöberhunde, b. Heidbracken, c. Sauerländer Holzbracke, d. Steinbracke. Alle haben Mittelgröße, Hängeohren und sind Wolfsfarben, rostgelb oder schwarz mit gelben Abzeichen. Sie dienen dazu, das Wild lautjagend vor den Schützen zu bringen.

3) Die österreichische Bracke. Mittelgröße, Farbe schwarz mit rostbraunen oder gelben Abzeichen. Behang unten abgerundet. Rute (Schwanz) nicht zu stark gekrümmt. Beine gerade, kräftig.

4) Die Schweizer Laufhunde (s. Laufhunde).

5) Die französischen Laufhunde (s. Laufhunde).

6) Die englischen Bracken, a. Der Fuchshund (Foxhound, Fig. 10) wird in England und auch Deutschland in Meuten gehalten und dient zum Verfolgen von Füchsen, Hirschen und Sauen. Die Reiter ("das rote Feld") folgen zu Pferde (Parforcejagden). Die Fuchshunde jagen das Wild mit der Nase und sollen es durch Ausdauer ermüden, nicht an Schnelligkeit übertreffen. Der Hund soll deshalb stämmig und kräftig sein, Läufe gerade, Pfoten geschlossen, Rücken nicht zu lang, Hinterhand muskulös, Hals lang und biegsam, Behang tief angesetzt, glatt herabhängend (wird meist halb abgeschnitten zur Vermeidung von Verletzungen beim Jagen durch Gestrüpp), Nase lang mit weit offenen Nasenlöchern, Brust breit, Rippen tief, Hals ohne Wamme, Ellbogen nicht nach außen gedreht. Haar grob, an der säbelförmigen Rute Bürste bildend. Die Farbe ist Nebensache: rot mit schwarzem Sattel, weiß mit schwarzen oder roten Platten, auch dreifarbig, wolfsfarbig, nicht ganz schwarz. b. Der Harrier (s. d.), kleinere Art des Fuchshundes, c. Der Staghound (Hirschhund), größere Art des Fuchshundes. In England werden die größten Fuchshunde zur Hirschjagd, die kleinsten zur Hasenjagd benutzt, weshalb man die eben genannten drei Hunderassen als schwere, mittlere und leichte Fuchshunde bezeichnen kann. d. Der Beagle (kurz- und rauhhaarige Form), kleinste Art der engl. Bracken. Niedrig gebaut, steht auf feinen, geraden Läufen, hat breite, lange, unten abgerundete Behänge und starken Stirnabsatz. Ausgezeichneter Hasenstöberer, dem der Jäger zu Fuße folgt.

7) Der Otterhund (s. d.).

8) Die Vorsteh- oder Hühnerhunde (s. d.). Sie suchen vor dem Jäger revierend und zeigen ihm das Wild durch festes Vorstehen oder Vorliegen.

a. Die deutschen Vorstehhunde. α. Der kurzhaarige deutsche Vorstehhund (Fig. 5), Mittelgröße, 60-66 cm Schulterhöhe, Hündin etwas niedriger, Figur kräftig, aber keineswegs plump; im ruhigen Gange werden Hals und Kopf mäßig aufgerichtet, die Rute meist schräg hoch getragen. Der Gesichtsausdruck ist ernst und verständig und wird bei Anregung freundlich; der Kopf ist nicht zu schwer, leicht gewölbt, das Nasenbein breit, vor den Augen nicht verschmälert; der Fang (Schnauze) breit und abgestumpft, die Lippen gut überfallend. Behang mittellang, oben nicht zu breit, unten stumpf abgerundet, oben in ganzer