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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hunde

und dem Orient finden sich verwilderte H. (Parias) in großen Massen vor, welche eine bestimmte Rasseneigentümlichkeit nicht erkennen lassen.

^[Abb.: Fig. 2.]

Die Hündin wird zweimal im Jahre, meist im Frühjahr und Sommer, läufig. Die Hitze dauert 9-21 Tage, die Tragezeit 9 Wochen. In der Regel werden mehrere Junge, bis zu 15 und 20, geworfen. Kleine H. werfen meist nur 1 oder 2, welche aber unverhältnismäßig groß sind und daher häufig ein Geburtshindernis abgeben. Bei der Geburt sind die Augen noch geschlossen, doch öffnen sie sich nach 10-11 Tagen. Die Jungen werden 5-8 Wochen lang gesäugt. Der Hund erhält seine Milchschneidezähne im Laufe der ersten 5-6 Wochen nach der Geburt, die Milchhaken nach 4 Wochen, die drei ersten (Milch-) Backzähne nach 6 Wochen und den Wolfszahn im 4. bis 5. Monat. Die Milchschneidezähne wechseln je nach der Verschiedenheit der Rassen (ob früher oder später reif) mit dem 3. bis 5. Monat, die Haken nach etwa einem halben Jahre. Die Milchbackzähne werden mit 5-5½ Monaten ersetzt, und die drei letzten Backzähne schließlich brechen mit 4-5, 5-6 bez. 6-7 Monaten durch. Die Schneidezähne des Hundes sind dadurch ausgezeichnet, daß sie an den vordern Flächen in drei Läppchen geteilt sind. Diese Läppchen verschwinden an den Zangen mit 1 Jahr, an den Mittelzähnen mit etwa 2 und an den Eckzähnen mit etwa 3 Jahren. Indessen wechselt das angegebene Verhältnis je nach der vorwiegenden Nahrung, die den H. gereicht wird; die Läppchen verschwinden um so eher, je mehr der Hund die Gelegenheit besitzt, Knochen zu fressen. Mit ungefähr 10 Jahren fangen die Schneidezähne an lose zu werden und fallen gewöhnlich mit 14 Jahren ganz aus. Die beste Nahrung für junge H. ist die Muttermilch; das Entwöhnen muß mit Vorsicht geschehen und dann kräftige Nahrung gereicht werden. Später werden Knochen eine unentbehrliche Zugabe zur Nahrung. Die Dressur muß so früh als möglich begonnen und konsequent mit strenger Milde durchgeführt werden, unnötige Roheiten verderben jeden Hund. Das Alter großer H. kann bis zu 30 J. betragen, während kleine selten über 10-12 J. alt werden.

Wie die übrigen Haustiere, so hat sich auch der Hund in seiner Nahrung der Lebensweise des Menschen angepaßt, und ein großer Teil hat fast vollständig vergessen, daß er früher Fleischfresser gewesen, indem sich sein Magen an dieselbe Vielseitigkeit gewöhnt hat, wie der des Menschen. Ebenso wie bei diesem trifft man oft auf eine Verfeinerung des Geschmacks, welche die Besitzer in nicht geringe Verlegenheit versetzt, während andere wieder mit Aas, Abfällen und wie die Eskimohunde mit Fischen in frischem und geräuchertem Zustande fürlieb nehmen müssen. Einmalige oder zweimalige, aber kräftige Mahlzeit genügt in der Regel, frisches Wasser aber muß jederzeit zur Verfügung stehen. Ein vorzügliches gesundes Hundefutter von hohem Nährwert, welches nicht auf Fettbildung wirkt, sind die Hundekuchen oder der Fleischzwieback (Gebr. Herbst, Magdeburg; Spratts Patent, Berlin; P. Rudhart, Bamberg), doch soll diese Nahrung nicht ausschließlich gereicht werden. Die Sinne der H. sind in der Regel sehr hoch entwickelt; besonders fein ist Geruch und Gehör, während das Gesicht in oft bedenklichem Grade zurücktritt. Bei einzelnen Rassen, welche sich vollständig an das Schmarotzertum beim Menschen gewöhnt haben, wie Möpse, Seidenpinscher u. s. w., sind auch erstere in viel geringerm Grade ausgebildet, während sie bei andern, wie den Hühnerhunden, durch künstliche Zuchtwahl bis zu einem oft wunderbaren Grade verfeinert sind. Bissigkeit und mürrisches Wesen zeichnet die Windhunde, oft auch die Doggen, Lust zum Vacieren den Dachshund, Treue, Anhänglichkeit und Klugheit die Doggen und Hühnerhunde, besonders aber den Pudel aus, bei dem sich auch noch ein drolliger Humor hinzufindet, wie er den Pinschern, Rattenfängern und Spitzen in so hohem Grade zu eigen ist.

Der Gebrauch des Hundes ist ebenso mannigfach als die Völker verschieden sind, unter welchen er lebt. Unter arktischen Völkern wird er als Zugtier benutzt, auf vielen Südsee-Inseln gemästet und gegessen. Dem Feuerländer steht er bei im Fischfange und im Aufsuchen von Muscheln, und unter andern Völkern wird er zu den verschiedensten Arten von Jagd, zum Trüffelsuchen oder auch zu ungewöhnlichen häuslichen Diensten abgerichtet. Kein anderes Haustier entwickelt so große Abrichtungsfähigkeit und keins überrascht in demselben Verhältnisse wie der Hund durch merkwürdige Spuren von Intelligenz. Über die Verwendung der H. beim Heere s. Kriegshund.

Wenige Tiere sind so zahlreichen Krankheiten wie die H. unterworfen, unter denen die Hundswut eine der furchtbarsten ist. Der Hund ist aber auch ein gemeingefährliches Geschöpf, weil er die größte Parasitenherberge ist, die im Tierreich überhaupt existiert. Ganz besonders kann er Schaden bringen, weil in seinen Stirnhöhlen häufig das Pentastomum taeniodes Rud. (bandwurmähnlicher Fünfmund) wohnt; dieser Schmarotzer bringt aber dem Menschen und auch ökonomischen Nutztieren durch seine ungeschlechtliche Vorstufe, durch Pentastoma denticulatum Rud. (gezähnelter Fünfmund), Schaden. Der Hund ist ferner Träger von vier Bandwürmern, nämlich von Taenia echinococcus Sieb., Taenia serrata Goetze, Taenia coenurus Sieb., Taenia marginata Batsch. Werden Eier von Taenia echinococcus des Hundes von Menschen oder Haustieren aufgenommen, so entstehen aus ihnen die in Leber und Lungen, aber auch in sonstigen Organen der neuen Wirte schmarotzenden Tierhülsenwürmer (Echinococcus polymorphus); verzehren Hasen oder Kaninchen Eier der Taenia serrata, so entwickeln sich aus