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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Hünenring; Hünerwasser; Hunfalvy; Hünfeld; Hungen; Hunger

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Hünenring - Hunger

3) Steinkreise (s. Cromlech); 4) Ganggräber (s. d.), mit großen regelmäßigen Steinkammern, oder 5) Hügelgräber, einfache künstliche Erdhügel, die unter der Erde mit oder ohne Steinsetzungen Skelette oder Urnen mit Leichenbrand enthalten.

Die eigentlichen H. (s.Tafel: Urgeschichte I, Fig. 4) kommen am häufigsten in Skandinavien, dann in Pommern und Rügen, Provinz Sachsen und Hannover vor, ferner in den Niederlanden, Frankreich und Spanien. Sie gehören, wie alle megalithischen Bauten, gewöhnlich der Steinzeit an und reichen höchstens zuweilen bis in den Anfang der Bronzezeit. Sehr wahrscheinlich sind ihre Erbauer also vorarische Völker, ehe Kelten und Germanen ihre Sitze einnahmen. Die unter Nr. 5 aufgeführten Erdhügel oder Hügelgräber (Fig. 3), wie sie am besten genannt werden, breiten sich über ganz Europa aus und gehören sehr verschiedenen Zeiten an, von der Steinzeit bis in die späte Eisenzeit hinein. Ihre Größe ist verschieden, je nachdem sie ein Einzelgrab oder Massengrab darstellen, oft findet man auch Nachbestattungen aus spätern Zeiten, sodaß man in einem Hügel sehr verschiedene Kulturperioden antrifft. Gerade die Norddeutsche Tiefebene ist, wie noch aus alten Chroniken und Berichten zu ersehen, früher reich an H. der verschiedensten Art gewesen, aber im Laufe der Jahrhunderte sind die meisten vom Erdboden verschwunden, weil der Pflug mit der Zeit sie ebnete oder weil man das reiche Steinmaterial zu Bauten verwandte.

Hünenring, s. Teutoburgerwald.

Hünerwasser, böhm. Stadt, s. Hühnerwasser.

Hunfalvy, Joh., ungar. Geograph, Bruder des folgenden, geb. 20. Juni 1820 zu Groß-Schlagendorf in der Zips, wurde 1846 Professor der Statistik und Geschichte am Lyceum zu Kesmark und nahm 1848 als Mitglied des Komitatsausschusses an den polit. Debatten lebhaften Anteil. Seit 1853 lebte er zu Pest; 1866 erhielt er die ordentliche Professur der Statistik, Geographie und Geschichte am Josephs-Polytechnikum zu Ofen, 1870 den Lehrstuhl der Geographie an der Universität zu Pest. Er starb 6. Dez. 1888. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: "Egyetemes történelem" ("Allgemeine Weltgeschichte", 3 Bde., Pest 1850-51; 2. Aufl. 1862), "Ungarn und Siebenbürgen in Originalansichten" (Darmst. 1856 fg.) und vor allem "A magyar birodalom természeti visonzyainak leirása" ("Physische Geographie des ungar. Reichs", 3 Bde., Pest 1863-66). 1859 bearbeitete H. im Auftrage der Ungarischen Akademie, die ihn 1858 zum korrespondierenden, 1865 zum ordentlichen Mitgliede erwählte, die Reisen Ladislaus Magyars, die er auch ins Deutsche (Pest 1859) übertrug. Sein Hauptwerk ist die auf fünf Bände geplante große "Allgemeine Geographie", von der er aber nur die zwei ersten Bände (Bd. 1: "Südeuropa", Budapest 1844; Bd. 2: "Ungarn und seine Nebenländer", ebd. 1886) veröffentlichte. Den dritten Band ("West- und Nordeuropa") hat aus seinem Nachlasse Gust. Thirring (Budapest 1890) herausgegeben.

Hunfalvy, Paul, ungar. Sprachforscher und Ethnograph, geb. 12. März 1810 zu Groß-Schlagendorf in der Zips, widmete sich erst auf dem Kesmarker Lyceum, dann auf der Universität zu Pest dem Studium der Jurisprudenz und wurde 1842 Professor der Rechte am evang. Kollegium zu Kesmark. Zum Abgeordneten eines Bezirks der Zips für den ungar. Landtag 1848 gewählt, gab er seine Lehrkanzel auf und harrte als Mitglied der Nationalversammlung bis zur Katastrophe von Világos aus. Hierauf wandte er sich nach Pest, wo er seinen bleibenden Aufenthalt nahm und ausschließlich der Wissenschaft und Litteratur lebte. Er starb 30. Nov. 1891. H. begründete 1856 die Zeitschrift "Magyar Nyelvészet" ("Ungar. Sprachwissenschaft", 6 Bde., Pest 1856 - 61), die seit 1862 in den "Nyelvtudományi Közlemények" ("Sprachwissenschaftliche Mitteilungen") fortgesetzt ward, und begann eine "Chrestomathia Fennica" (Bd. 1, Pest 1861). Ferner erschienen von ihm: "Utazás a Balt-tenger vidékein" ("Reise durch die baltischen Länder", 2 Bde., ebd. 1871; 1. Bd. deutsch: "Reise in den Ostseeprovinzen Rußlands", Lpz. 1873), "A Kondai Vogul nyelv" ("Die Sprache der Konda-Wogulen", Pest 1872), "Az éyszaki osztják nyelv" ("Die Sprache der nördl. Ostjaken", Budapest 1875) und "Magyarorzág Ethnographiája" (ebd. 1876; deutsch von Schwicker: "Ethnographie von Ungarn", ebd. 1877). 1859 wurde H. ordentliches Mitglied, später auch Oberbibliothekar der Ungarischen Akademie. Im Auftrag derselben veröffentlichte er 1877-81 "Litterarische Berichte aus Ungarn". Zu dem Werke "Die Völker Österreich-Ungarns" lieferte H. den fünften Band: "Die Ungarn oder Magyaren" (Teschen 1881). Ferner veröffentlichte er die Streitschrift "Die Rumänen und ihre Ansprüche" (ebd. 1883) und zahlreiche sprachwissenschaftliche Studien und war Herausgeber (seit 1883 mit G. Heinrich) der "Ungar. Revue" der Ungar. Akademie.

Hünfeld. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Cassel, hat 443,58 qkm, (1890) 23 508 (11 058 männl., 12 450 weibl.) E., 1 Stadt, 76 Landgemeinden und 10 Gutsbezirke. - 2) Kreisstadt im Kreis H., im Haunthale, in 278 m Höhe am Fuße des Rhöngebirges, an der Linie Bebra-Frankfurt a. M. der Preuß. Staatsbahnen, Sitz des Landratsamtes, eines Amtsgerichts (Landgericht Hanau), Kataster- und Steueramtes, hat (1890) 1721 E., darunter 269 Evangelische und 71 Israeliten, Post zweiter Klasse, Telegraph; mechan. Weberei, Papierfabrik und Aktienzuckerfabrik. Die Stadt brannte 29. Okt. 1888 größtenteils ab und ist nach einem neuen Plane wieder aufgebaut. Bei H. fand 4. Juli 1866 ein Gefecht zwischen der Division Beyer der preuß. Mainarmee und der bayr. Reservekavallerie statt, welches mit dem Rückzug der letztern endete.

Hungen, Stadt im Kreis Gießen der Hess. Provinz Oberhessen, an der Horloff, der Linie Gießen-Gelnhausen und der Nebenlinie H.-Laubach (11,8 km) der Oberhess. Eisenbahn, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Gießen), hat (1890) 1327 E., Post, Telegraph, Schloß der Grafen Solms-Braunfels; Farbenfabrik, Braunkohlen- und Eisensteinbergbau.

Hunger (Fames), das Gefühl des Nahrungsbedürfnisses. Der H. entsteht gewöhnlich bei leerem Magen und äußert sich als leichte schmerzhafte, nagende Empfindung in der Magengegend. Das Hungergefühl wird durch gewisse Veränderungen der vom nervus vagus abstammenden sensiblen Magennerven, und zwar durch die mangelnde Blutzufuhr zum leeren Magen hervorgerufen. Alles, was die Blutmenge des Körpers überhaupt vermindert, wie Muskelanstrengungen, Stoffverluste aller Art (Samen-, Milch-, Eiterverlust), Wachstum, Ansatz nach Krankheiten u. dgl., erzeugt normalerweise auch H., wogegen jede stärkere Anfüllung der Magenschleimhaut mit Blut, welche die Magen-^[folgende Seite]