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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hura - Hurrah
an die deutsche Universität in Prag berufen. H.
beteiligte sich am Ausbau der modernen mikrobio-
logischen Methodik und erbrachte den Nachweis, daß
die Infektionskraft aus dem Saprophytismus der
Bakterien herzuleiten ist, und daß gewisse sog.
specifische pathogene Vakterienarten nur parasitische
Anpassungsformen vielgestaltiger Mikroben sind.
Ferner fand H., daß gegen die Infektion mit
giftigen Bakterien die Impfung mit artverwandten
harmlosen Bakterien Schutz gewährt; endlich ermit-
telte er, daß bei der Bildung von Salpeter aus
Ammoniak diese Oxydation den sog. nitrifizierenden
Mikroben die Energie liefert, welche sie befähigt,
auch im Dunkeln Kohlensaure zu assimilieren. H.s
Arbeiten über Bekämpfung der Infektionskrankhei-
ten führten zu einer wesentlichen Vereinfachung der
Desinfektion; auf Grund feiner Ermittelung, daß
das Grundwasfer bereits in geringer Tiefe keimfrei
sei, forderte H. schon 1887, daß das Grundwasser
m groherm Maßstabe zur Wasserversorgung heran-
gezogen werde. Neben zahlreichen Aufsätzen in Fach-
zeitschriften verfaßte er: "Die Formen der Bak-
terien" (Wiesb. 1886), "über die Beziehungen der
Fäulnis zu den Infektionskrankheiten" (Berl. 1887),
"Über den Kampf gegen die Infektionskrankheiten"
(ebd. 1889), "Die Methoden der Bakterienforfchung"
(5. Aufl., Wiesb. 1891), "Die Cholera in Hamburg
1892" (Berl. 1893).
Illnra., eine zu den Euphorbiaceen (s. d.) gehörige
Gattung mit nur einer Art, dem Sandbüchsen-
baum, II. ersMknZ!>., einem auf den Antillen
heimischen Baum von 20 m Höhe. T)ie Frucht hat
etwa die Form einer kleinen etwas zusammen-
gedrückten Melone, ist mit zahlreichen Furchen ver-
sehen und enthält einen leicht giftigen Milchsaft.
Ilhre Fächer springen zur Zeit der Reife mit einem
lauten Knall auf. Die unreife Frucht höhlt man
aus, siedet sie in Öl und macht daraus sehr zier-
liche Sandbüchsen.
Huram, König von Tyrus, s. Hiram.
Hürde, s. Horde (Flechtwerk).
Hürdenrennen (engl. Iiuräle rac68), eine Art
von Hindernisrennen (s. Wettrennen), bei denen
die Hindernisse aus Hürden, d. h. aus einem Ge-
füge von Strauchwerk von etwa 1 in Höhe bestehen.
Hurdtvar, Stadt in Ostindien, s. Hardwar.
Nnrä^-Fnra^ (engl., spr. hördi gördi), s.
Drehleier.
Hnris (arab., "die blendendweißen", richtig:
^luüi-), die Paradiesesjungfrauen, welche nach
Mohammed. Glauben zur Belohnung der Seligen
gehören sollen. Sie sind, nach der Schilderung des
Koran (Sure 55), von blendender Schönheit, "wie
Rubinen und Perlen", in immer frischen, reich-
bewässertcn Gärten ruhen sie in Lauben, auf grü-
nen Kissen und den schönsten Teppichen.
Hurmuzaki, rumän. Historiker, s. Hormuzaki.
Hurönen, ein vormals mächtiger Indianer-
stamm Nordamerikas, zur großen irokesischen Sprach-
samilie gehörig, nahmen im 17. Jahrh., etwa
30000 Seelen stark, einen ungefähr 6000 <ikiu gro-
ßen Landstrich an den östl. Ufern des nach ihnen be-
nannten Huronsees ein. Die H. waren ein aus vier
aneinander grenzenden Nationen gebildeter Bund,
zu dem fpäter noch eine fünfte hinzukam. Der
Slanvnv wuide in Claus geteilt und von Sachems
oder Häuptlingen regiert, welche durch weibliche
Erbfolge bestimmt wurden. 1632 fetzten die Je-
suiten die bereits von Franziskanern begonnene
Mission bei ihnen fort. In der letzten Hälfte des
17. Jahrh, wurden die H. durch Hungersnot und
einen Krieg mit den ihnen verwandten Irokesen
(s. d.) teils vernichtet, teils versprengt. Einige er-
gaben sich ihren Feinden und wurden ihnen einver-
leibt, andere von den Jesuiten in die Umgegend
von Quebec geführt, wo sie sich unvermischt nur in
sehr geringer Zahl erhalten haben. Sie zählten
1736 60 oder 70 waffenfähige Männer; 1872 war
der Stamm 264 Seelen stark. Die Tionontate,
jene fünfte, später hinzugekommene Nation des
Bundes, flohen nach Wisconsin, nahmen jedoch nach
ihrer Übersiedelung nach Sandusky in Ohio den
Namen Wyandot an und wanderten 1832 in der
Stärke von 687 Köpfen nach Kansas aus, von wo
sie 1855 in das Indianerterritorium verlegt wur-
den. Die H. nannten sich Onkwaonwe, d. h.
"wahre Männer", und als Stamm Wendat
(Wyandot); ihren unter uns geläufigen Namen er-
hielten sie von den Franzofen wegen ihrer eigen-
tümlichen Haartracht (iiui-68, Wildfchweinsköpfe). -
Vgl. Parkman,1'b6 ^68uit8 in X0rtti-^lli6i-ic2.(Bost.
1867; deutsch, Stuttg. 1877).
Huronifche Formation, s. Urschiefersorma-
tion. ^ ftierits (s. d.).
Hurontt, Mineral, Zersetzungsprodukt des Cor-
Huronsee (engl. llmon I^ake, spr. juhren lchk),
der mittelste der fünf großen canad. Seen, halb zu
Canada, halb zum Staate Michigan gehörig, bedeckt
bei einem Nmfang von 1875 kiu 61104 hkm und
wird durch die langgestreckte Halbinsel des Kap
Hurd und die Gruppe der Manitoulin - Inseln in
zwei Teile geteilt, deren nördlicher den Namen
Georgianbai führt. Der See liegt 177 m u.d.M.
und ist im Durchschnitt 230 m tief; feine größte
Tiefe beträgt 525 m. Während die nördlichen, vom
Laurentinischen Gebirge eingenommenen Küsten-
länder, die in steilen Granitmauern zum See ab-
stürzen, zu den unwirtlichsten des ganzen Kontinents
gehören, erstrecken sich an seiner Ostküste die dicht-
bevölkertsten Teile Canadas. Das rauhe Klima
und die häusigen Stürme haben ein Empordlühen
der Schiffahrt verhindert, nur wenige Städte haben
sich an seinen Ufern entwickelt; bedeutend ist die
Fischerei in seinen Gewässern, ebenso wie der Holz-
reichtum der Michigan-Halbinsel, sonst fehlen den
Küstenländern natürliche Hilfsquellen. Im NW.
steht der See durch die Straße von Mackinac oder
Michili-Mackinac mit dem Michigansee und durch
die schmale, 75 km lange und wegen ihrer Strom-
schnellen gefährliche Straße von Ste. Marie mit dem
Obern See in Verbindung. Im S. führt der 52 km
lange und für Schoner fahrbare St. Clair in den
St. Clairsee, der etwa 50km Durchmesser, aber
nur eine geringe Wassertiefe hat. Aus diesem
führt der Detroit-Strom (52 km lang) südwärts
m den Eriesee.
Hurrah, ein schon im Mittelhochdeutschen vor-
kommendes Wort, im 18. Jahrh, als Ruf bei Hetzen
und Jagden gebräuchlich, hat sich, von den Rus-
sen übernommen, seit den Befreiungskriegen als
Schlachtruf bei den Heeren eingebürgert und ist in
verdeutschen Armee für den Bajonettangriff der In-
fanterie und die Attacke der Kavallerie reglemen-
tarisch. Das Wort wird entweder von dem tatari-
schen m-H hergeleitet oder für einen Imperativ (mit
verlängerndem Schlußvokal, ähnlich wie in Zeter-
mordio) von mittelhochdeutfch Iiuireu, sich schnell
bewegen, gehalten.