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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hymnus - Hyperämie

Hymnus, s. Hymne.

Hyocholsäure, das der Cholsäure (s. d.) der Ochsen- und Menschengalle entsprechende Spaltungsprodukt der Säuren der Schweinsgalle, das in der Hyoglykocholsäure mit Glykokoll, in der Hyotaurocholsäure mit Taurin verbunden ist.

Hyodontidae, Familie der Schlundblasenfische (s. d.) mit nur einer Gattung (Hyodon) in den süßen Gewässern Nordamerikas, von länglicher Gestalt, seitlich zusammengedrückt, mit Zähnen an allen das Maul begrenzenden Knochen. Die einzige Art (Hyodon tergisus Les.) wird gegen 50 cm lang und ist silberiggrau.

Hyonetta, s. Enten (Bd. 6, S. 168b).

Hyopsodus, fossile Säugetiergattung, s. Paleatherium.

Hyoscin, ein sehr giftiges mit Atropin (s. d.) isomeres Alkaloid, das sich neben Hyoscyamin (s. d.) im Bilsenkraut findet. Es bildet kleine gelbliche Prismen und wird als beruhigendes Mittel, hauptsächlich bei Geisteskranken, angewendet.

Hyoscyamin, ein Alkaloid, das aus dem Bilsenkraut (s. Hyoscyamus) gewonnen und auf dem Wege der Darstellung des Goldchloriddoppelsalzes rein erhalten werden kann. Es ist isomer mit dem Atropin (s. d.) und wie dieses aus Tropin und Tropasäure zusammengesetzt. H. bildet seidenglänzende, bei 108° schmelzende Krystalle, löst sich schwer in Wasser, giebt aber mit Säuren lösliche Salze. Seine Wirkung ist der des Atropins ähnlich.

Hyoscyamus L., Bilsenkraut, Pflanzengattung aus der Familie der Solanaceen (s. d.) mit nur wenigen Arten in der nördl. gemäßigten Zone. Der hervorstechendste Charakter ist die in dem Kelchrohr eingewachsene, zweifächerige Kapsel, deren oberster Teil deckelartig ringsherum abspringt. Ihre Fächer enthalten viele Samen. Die Blüten, welche einen röhrigen, fünfzähnigen Kelch und eine trichterförmige Blumenkrone haben, stehen in den Achseln grüner Deckblätter alle nach einer Seite gewendet und bilden deshalb beblätterte Ähren. Die verbreitetste und in Deutschland einzige Art ist H. niger L. (s. Tafel: Giftpflanzen II, Fig. 3), das gemeine oder schwarze Bilsenkraut, Rasenwurz, Zigeunerkraut, Schlafkraut, Teufelswurz, Dullkraut, Dulldill, eine ein- oder zweijährige, auf Schutt, in Dörfern an Hecken, Mauern und auf fettem, bebautem Boden zerstreut vorkommende Pflanze, mit etwas fetten, tiefbuchtig gezähnten Blättern, welche nebst dem Stengel mit weichen, weißen, gegliederten, klebrigen Haaren bedeckt sind, und schmutzig gelbweißen violett-netzaderigen und am Schlunde ganz violetten Blumenkronen. Das frische Kraut hat einen widrigen, betäubenden Geruch und faden, etwas bittern Geschmack. Es ist als Herba Hyoscyami, der Samen war früher als Semen Hyoscyami offizinell. Der Träger des narkotisch wirkenden Giftes, dessen Genuß Kopfschmerzen, Schwindel, Erbrechen, Erweiterung der Pupille mit Dunkelsehen, Muskelschwäche, Schlafsucht und wilde Delirien verursacht und den Tod herbeiführen kann, ist das Hyoscyamin (s. d.). Alle Salze dieses Alkaloids sind überaus giftig. In der Medizin werden die Salze, das Kraut und die daraus hergestellten Präparate (Bilsenkrautextrakt, -Salbe, -Pflaster und -Öl) als schmerz- und krampfstillende Mittel bei Magenkrampf, Gesichtsschmerz, Zahnschmerzen, Keuchhusten, schmerzenden Geschwülsten und Geschwüren, Unterleibsentzündungen u.s.w. äußerlich (in Form von Einreibungen und Umschlägen) und innerlich vielfach benutzt. Das Bilsenkrautöl (Oleum Hyoscyami) wird nach dem Deutschen Arzneibuch erhalten durch Erwärmen von 40 Teilen Olivenöl mit 4 Teilen zerkleinerten Bilsenkrauts, das vorher mit 3 Teilen Weingeist durchfeuchtet war. Es findet nur zu Einreibungen Verwendung. Die Behandlung der Bilsenkrautvergiftung ist dieselbe wie die der Belladonnavergiftung. (S. Atropa.) Zwei dem schwarzen Bilsenkraut nahe verwandte Arten, H. alvus L., das weiße, und H. aureus L., das goldgelbe Bilsenkraut, beide in Südeuropa wachsend und dort anstatt des schwarzen Bilsenkrauts mit gleichem Erfolg zu denselben Heilzwecken verwendet, findet man nicht selten als Sommerzierpflanzen des freien Landes in Blumengärten.

Hyp..., s. Hypo...

Hypakusie (grch.), vermindertes Hörvermögen.

Hypalbuminose (grch.), verminderter Eiweißgehalt des Blutes.

Hypanis, im Altertum Name der beiden russ. Flüsse Bug und Kuban.

Hypante (grch.), s. Lichtmesse.

Hypaspisten (grch., "Schildträger"), Name der Haustruppen der macedon. Könige, die Alexander d. Gr. bedeutend vermehrte. Im Gegensatze zu der schwerfälligen Phalanx waren sie ein beweglicher Teil des schweren Fußvolks, den Alexander vorzugsweise verwendete. Wie die Phalangiten waren sie mit einem ledernen Helm, einem Schwert und einem erzbeschlagenen Lederkoller bewehrt, trugen aber wahrscheinlich etwas leichtere Schilde als jene und statt der unbehilflichen Stoßlanze einen kurzen Spieß.

Hypästhesie (grch.), verminderte Empfindung.

Hypäthraltempel, ein griech. Tempel, dessen mittlerer Teil unter freiem Himmel (grch. hypaithron) ohne Dach war. Man hat geglaubt, daß solche Öffnungen im Dach zur Erleuchtung der Tempelcella gedient hätten; doch kann als sicher gelten, daß der innere Tempelraum sein Licht durch die große Cellathür erhielt. - Vgl. Roh, Der H. ("Hellenika", Heft 1, Halle 1846); Bötticher, Der H. (Potsd. 1847); Chiping, Mémoire sur le temple hypaethre (in der "Revue archéologique", Neue Serie, Bd. 35, 1878).

Hypatia, der 238. Planetoid.

Hypatia aus Alexandria, Tochter des Mathematikers Theon, ebenso berühmt wegen ihrer Schönheit und Sittenreinheit wie wegen ihrer Gelehrsamkeit, widmete sich dem Studium der Mathematik und neuplatonischen Philosophie und trat in ihrer Vaterstadt als Lehrerin auf. Durch das hohe Ansehen, in welchem sie auch bei dem Präfekten von Ägypten stand, geriet sie in den Verdacht, denselben zu den Maßregeln, welche er dem herrschsüchtigen Patriarchen Cyrillus (s. d.) gegenüber traf, bewogen zu haben, und wurde von einem fanatisierten Volkshaufen aus Anlaß der von Cyrill veranlaßten Vertreibung der Juden, 415 n. Chr., ermordet. Das Schicksal der H. wurde von Kingsley in einem kulturhistor. Roman (deutsch, 5. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1890) behandelt, ebenso von Mauthner (Stuttg. 1892). - Vgl. W. A. Meyer, H. von Alexandria (Heidelb. 1886).

Hyper (grch.), über, in Zusammensetzungen häufig das Übermaß, das Übertriebene bezeichnend.

Hyperämie (grch.), die Überfüllung der Gefäße des Körpers mit Blut. Sind sämtliche Gefäße mit Blut überfüllt, so handelt es sich um all-^[folgende Seite]