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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ichbewußtsein - Ichthyosaurus

geführt; Fichte namentlich suchte aus der Ichheit, als dem bloßen, für sich ganz inhaltleeren Bewußtsein seiner selbst alle Dinge abzuleiten.

Ichbewußtsein, s. Bewußtsein (Bd.2, S. 940 a).

Ich dien', nach der Überlieferung Devise des Königs Johann von Böhmen, der in der Schlacht von Crécy 1346 fiel. Der Sohn Eduards III. von England, Eduard, der Schwarze Prinz, nahm Johann den Helmschmuck mit dieser Devise ab, und seitdem führen die Prinzen von Wales die Devise, die demgemäß diejenige des Bath-Ordens (s. d.) ist.

Ich hab's gewagt, der Wahlspruch Ulrich von Huttens, den er fast stets seinen deutschen Versen als Schluß anhängt.

Ichneumon, s. Herpestes.

Ichneumonidae, s. Schlupfwespen.

Ichnusa, der ältere griech. Name der Insel Sardinien, angeblich wegen der Ähnlichkeit mit einer Fußsohle (grch. ichnos).

Ichor (grch.), in der Mythologie die ätherische Flüssigkeit, welche den Göttern statt des Blutes zugeschrieben wurde; der Lebenssaft; in der Chirurgie soviel wie Jauche (s. d.); Ichorrhämie, Blutvergiftung durch Aufnahme fauliger jauchiger Stoffe oder Spaltpilze in die Blutmasse (s. Septichämie); Ichorrhöe, die jauchige Geschwürsabsonderung.

Ich-Roman, eine Romandichtung, deren Helden selbst die Erzählung in den Mund gelegt wird.

Ichtershausen, Marktflecken im Landratsamt Gotha des Herzogtums Sachsen-Coburg-Gotha, 8 km südöstlich von Neudietendorf, an der Gera und der Arnstadt-Ichtershausener Eisenbahn (5,1 km, Nebenbahn), hat (1890) 2591 E., darunter 68 Katholiken; Post, Telegraph, evang. Pfarrkirche, altes Schloß mit Strafanstalt für Personen beiderlei Geschlechts, Vorschuß- und Konsumverein; bedeutende Nadelfabrik und Handelsmühle.

Ichthydium, Gattung aus der Wurmgruppe der Gastrotricha (s. d.) mit stachligem Rücken, Längsreihen von Wimpern auf der Körperunterseite, Tasthaaren am Kopf und einfacher Schwanzgabel, Körperlänge 0,08 bis 0,4 mm. In den süßen Gewässern Deutschlands finden sich 7 Arten, deren häufigste I. podura Müll. und I. larus Müll. sind.

Ichthyocolla, s. Hausenblase.

Ichthyodea, s. Kiemenlurche.

Ichthyodonten (grch.), fossile Fischzähne; die von Haifischen herrührenden nannte man in frühern Jahrhunderten Glossopetra (Zungensteine) oder auf deutsch Schlangenzungen, weil man sie für vom Himmel gefallene Zungen von Schlangen hielt. Sie wurden als Amulette zum Schutz gegen Epilepsie getragen.

Ichthyodorulithen (grch., "Fischlanzensteine"), die einer Lanzenspitze ähnlichen Flossenstrahlen fossiler Fische, die, meist härter als das übrige Skelett, häufig isoliert erhalten blieben. (S. Haifische.)

Ichthyographie (grch.), Fischbeschreibung: ichthyographisch, die Fischbeschreibung betreffend.

Ichthyokentauren, s. Triton.

Ichthyol, Fischöl, ein widerlich riechendes Öl, das erhalten wird durch trockne Destillation von bituminösen Gesteinen, die sich namentlich bei Seefeld in Tirol finden und teilweise durch natürliche Veränderung von Fischleibern entstanden zu sein scheinen. Das I. enthält Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff und Schwefel, ist aber chemisch noch nicht genügend charakterisiert. Durch Einwirkung von konzentrierter Schwefelsäure wird es in eine Sulfonsäure verwandelt, deren Ammonium-, Natrium-, Lithium-, Zink- und Quecksilbersalze braune sirupdicke Massen von eigentümlich aromatischem Geruch darstellen und als Heilmittel verwendet werden, aber keine wohlcharakterisierten chem. Verbindungen sind. Infolge seines hohen Schwefelgehaltes und seiner leichten Löslichkeit im Wasser hat das I. eine ausgedehnte therapeutische Anwendung gefunden; besonders wirksam erweist es sich gegen die verschiedenartigen rheumatischen Affektionen, insbesondere akuten und chronischen Gelenkrheumatismus, Ischias und Hexenschuß, gegen Brandwunden, Frostbeulen und Hautkrankheiten, besonders auch gegen Rose. Die schmerzhaften und erkrankten Körperteile werden mit lauwarmem Seifenwasser sorgfältig abgewaschen, nach dem Abtrocknen mit dem Ichthyolammonium eingerieben und sodann mit Watte oder Flanell bedeckt, worauf gewöhnlich ein schnelles Nachlassen der Schmerzen erfolgt. Die Häufigkeit der Anwendung schwankt zwischen ein- bis zweimal täglich und ein- bis zweimal wöchentlich. Bei innerm Gebrauch erweist sich das I. namentlich gegen akuten und chronischen Magenkatarrh, gegen chronische Leberleiden und habituelle Verstopfung, gegen Entzündungen der Mandeln und Katarrhe der Atmungsorgane heilsam. Man verordnet es in wässeriger Lösung, Pillen oder Kapseln. - Vgl. Nnna, Über I. und Resorcin (Hamb. 1887).

Ichthyolithen (grch.), versteinerte Fischreste.

Ichthyologie (grch.), Lehre von den Fischen; Ichthyolog, Fischkenner.

Ichthyophagen (grch., d. i. Fischesser), bei den Alten Name mehrerer Völker; die bekanntesten wohnten an der nordöstl. Küste Arabiens und in Gedrosien, dem heutigen Belutschistan, am Arabisch-Persischen Meer. Die letztern werden auch asiat. Äthiopier (s. d.) genannt; sie bauten angeblich ihre Hütten aus Fischgräten und Muschelschalen und wurden durch die Fahrt des Nearchus (325 v. Chr.) den Griechen näher bekannt.

Ichthyophthalm, Mineral, s. Apophyllit.

Ichthyopsidae nennt Huxley die vereinigten Klassen der Fische und Amphibien. (S. Wirbeltiere und Amphibien.)

Ichthyopterygier, s. Ichtyosaurus.

Ichthyornithen (Ichthyornithes, "Fischvögel") oder Odontornithen ("Zahnvögel"), Name einer ausgestorbenen Vogelgruppe von teilweise sehr ansehnlichen Dimensionen aus der nordamerik. Kreide, welche Zähne und zum Teil vorn und hinten ausgehöhlte (fischartige) Wirbel besaß. Die einen (Odontotormae) hatten lange Flügel, die andern (Odontolcae) mit normalem Wirbel rudimentäre. - Vgl. Marsh, Odonthornithes (Washington 1880).

Ichthyosaurus ("Fischeidechse"), eine ausgestorbene Reptiliengattung, welche die Ordnung der Ichtyopterygier bildet und deren Überreste namentlich in der Liasformation Deutschlands (bei Boll in Württemberg und bei Banz in Franken) und Englands (bei Lyme-Regis an der Südküste) vielfach vorkommen. Der Kopf dieser Tiere (umstehende Abbildung zeigt ein volles Skelett) ist sehr groß, die langen Kiefer sind mit mehrern Hundert gefalteten Kegelzähnen bewaffnet, die Augen von einem Knochenringe umgeben, ein eigentlicher Hals fehlt ganz, die Bauchregion ist stark entwickelt, der Schwanz sehr lang. Statt der Füße besaßen die I. Flossen, die stets mehr als fünf Knochenreihen auf-^[folgende Seite]